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Lizenzentzug: Frankfurt Lions sind Geschichte

Fünf Tage nach dem Lizenzentzug durch die DEL erklärt Lions-Boss Siggi Schneider, dass es keine Zukunft für den Club gebe. Auf die mögliche Anrufung des DEL- Schiedsgerichtes wird verzichtet.

Zum Heulen. Mit Profi-Eishockey ist es in Frankfurt erst mal wieder vorbei.
Zum Heulen. Mit Profi-Eishockey ist es in Frankfurt erst mal wieder vorbei.
Foto: Hübner

Frankfurt/Main. Als der vorläufige Insolvenzverwalter bei der Pressekonferenz am Montag als Erster das Wort ergriff, war jedem Anwesenden klar, was das zu bedeuten hatte. Der Begriff "vorläufig" kann gestrichen werden - die Frankfurt Lions sind als Profiklub in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) Geschichte. Der Klub hat somit den Lizenzentzug vom Mittwoch vergangener Woche akzeptiert. "Die Lions werden auch nicht das Schiedsgericht der DEL anrufen", sagte Rechtsanwalt Fabio Algari, der nun in Kürze das Insolvenzverfahren eröffnen muss.

Damit schließt sich ein großes Kapitel im Frankfurter Profisport. Hinter dem Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt waren die Eishockeycracks mit einem Zuschauerschnitt von 6000 Fans der zweitpopulärste Sportklub in der Mainstadt. Bundesweit gehörten die Lions zu den erfolgreichsten Teams der DEL, waren unter anderem 2004 Meister. Das Genick hat ihnen letztlich ein ganzes Bündel an Ursachen gebrochen. Die Forderung der DEL, das bilanzielle Minus der Vorsaison in Höhe von 600.000 Euro bar zu begleichen, war nur noch jener große Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

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Frankfurt: Lions-Chef Siggi Schneider im Gespräch mit der FR über die uber drohende Insolvenz.
Frankfurt: Lions-Chef Siggi Schneider im Gespräch mit der FR über die uber drohende Insolvenz.
Foto: Boeckheler

Um das gesamte Dilemma zu beleuchten, ist ein Blick in die Vergangenheit nötig: Vor zwei Jahren erkrankte der damalige Eigentümer Gerd Schröder und verstarb wenige Monate später. Er hinterließ zwar ein sportlich gesundes Team, aber einen schon damals finanziell angeschlagenen Klub. Das wahre Ausmaß der Schulden konnten selbst die von den neuen Eigentümern beauftragten Wirtschaftsprüfer nicht ermessen.

Siggi Schneider, ein Unternehmer aus der Telekommunikationsbranche, und seine Kompagnons gingen von zwei Millionen Euro aus, die sie zur Rettung in die Lions GmbH schießen mussten. Am Ende waren es vier Millionen.

Doch zu diesem Zeitpunkt vor 18 Monaten waren sie noch überzeugt, dass man Eishockey in Frankfurt wirtschaftlich betreiben könne. So wurde Eishockey-Legende Erich Kühnhackl als Aushängeschild angeheuert und ein sechsstelliger Betrag in die Nachwuchsarbeit investiert. Nahezu gleichzeitig brachen jedoch wesentliche Sponsoren weg. Den Gesellschaftern muss schon früh klar gewesen sein, dass sie erneut mit einem erheblichen Minus abschließen würden.

Im Nachhinein war es sicher ein strategischer Fehler, diese Not erst spät, vor rund acht Wochen, einzugestehen, als ein Insolvenzantrag schon unausweichlich war. Das hat potenzielle Sponsoren abgeschreckt. Grundsätzlich jedoch "haben wir in der Frankfurter Wirtschaft null Bereitschaft gefunden, professionelles Eishockey zu unterstützen", sagte Siggi Schneider enttäuscht.

Freigabe für die Spieler

Auch die Stadt hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. Lange Zeit sträubte sie sich gegen eine Lösung für die mehr als 800.000 Euro Hallenmietschulden aus der Zeit des Voreigentümers. Erst vor zwei Wochen kam ein Kompromiss zustande. Letztlich war das zu spät. Nun wird die Kommune von der Summe kaum etwas sehen und muss auch auf künftige Mieteinnahmen verzichten.

Nachdem Schneider und seine Mitgesellschafter absehen konnten, erneut rund eine Million Euro in den Klub pumpen zu müssen, haben sie die Notbremse gezogen: "Vielleicht hätten wir vor dem Schiedsgericht gute Chancen gehabt. Aber dann hätten uns die Probleme in wenigen Monaten wieder eingeholt", sagte sichtlich ernüchtert und erschöpft der Lions-Chef.

"Uns fällt diese Entscheidung sicher nicht leicht, schließlich hängen daran auch viele Existenzen." Nun muss die Insolvenz der Lions mangels Masse eröffnet werden. Den Spielern wurde ebenfalls am gestrigen Montag die Freigabe erteilt. Einige werden wohl noch in der DEL unterkommen. Doch so mancher wird Probleme haben, noch einen Job zu bekommen. Der 5. Juli wird künftig für ein trauriges Schlusskapitel der Frankfurter Sportgeschichte stehen.

Autor:  Matthias Kittmann
Datum:  5 | 7 | 2010
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5 Löwen Frankfurt 54:51 18
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