Die Gesichtszüge von Frank Gentges lassen nichts Gutes vermuten. Seine Stirn ist in Falten gelegt, die Lippen sind zusammengepresst, der Blick ist starr. So schaut niemand, den die 60 Minuten Eishockey zuvor sonderlich amüsiert haben, so sieht kein Trainer aus, dessen Team gerade den Gegner in Grund und Boden gespielt hat. Und doch ist es so. Das Bild auf den Pressekonferenzen nach Heimspielen der Löwen Frankfurt ist fast immer dasselbe: Auf der einen Seite des kleinen Stehtischs bittet ein Gästetrainer mit Schweißperlen auf der Stirn verlegen um Entschuldigung für die eigene Darbietung, auf der anderen Seite setzt der wieder einmal absurd hohe Sieg kaum mehr Glücksgefühle frei. Er wird sogar zur Last. „Diese Spiele braucht hier keiner. So etwas will niemand sehen“, knurrt Gentges dann meist und trifft den Nagel auf den Kopf.
Darauf einen Weihnachtspunsch: Die Frankfurter Löwen besiegen am Abend vor Weihnachten die Ratinger Ice Aliens am heimischen Ratsweg mit einem klaren 28:0.
Foto: Jan HuebnerDas Gefälle in der Oberliga West, deren Hauptrunde die Löwen am Wochenende als Zweiter beendeten, ist einfach zu groß. Es liegen Welten zwischen den ehemaligen DEL-Standorten Frankfurt, Kassel, Duisburg, sowie den ambitionierten Bad Nauheimern und dem Rest der Liga. Siege mit 15, 20 oder gar 25 Toren Differenz sind keine Seltenheit, eher die Regel. Wenn ein Stürmer wie Patrick Schmid sechs Treffer in einer Partie erzielt und trotzdem zu Protokoll gibt, es habe ihm keinen Spaß gemacht, wenn die Fans das einzige Tor des Gegners lauter bejubeln, als die zwei Dutzend des eigenen Teams, dann läuft in dieser Spielklasse etwas gehörig schief. „Der Verband macht das deutsche Eishockey kaputt“, folgert Gentges. Den Rest der Liga hat er mit seiner Meinung fast einhellig hinter sich.
Denn anstatt den Wettbewerb zu fördern, wurden nun die Punkte gelöscht und die besten acht Teams treten noch einmal in einer Endrunde gegeneinander an. Der sportliche Wert tendiert gen null, weil die ersten vier Mannschaften in die nächste Runde mit dem Norden und Osten einziehen. Am Tabellenbild wird sich kaum etwas ändern. Selbst die Aufstiegsregelung ist noch nicht festgelegt. Die zweite Liga würde gerne zwei, wenn nicht sogar mehr Klubs aufnehmen. Doch die Landesfürsten, unter deren Zuständigkeit die Oberliga fällt, wehren sich vehement dagegen. „Sie sehen die Chance, Geld zu machen“, glaubt Löwen-Geschäftsführer Stefan Krämer. Da will man die finanzstarken Zugpferde mit ihren horrenden Verbandsabgaben nicht ziehen lassen.
Dass immer noch durchschnittlich 3 500 Fans in die Eissporthalle strömen, obwohl der Sieg ihrer Mannschaft schon vorher fest steht, ist bemerkenswert. Zum Derby gegen Bad Nauheim wurde die Marke am Ratsweg (6 900) trotz DEL-Betrieb nur einmal in ganz Deutschland übertroffen. Klar ist aber auch: Lange werden die Zuschauer das nicht mehr mit machen. Deswegen rüsten die Vereine vor der am Freitag beginnenden Endrunde noch einmal auf, manche betreiben gar „Harakiri“, findet Gentges. „Sie wissen, dass sie aus der Liga raus müssen – jetzt oder nie.“
Auch die Löwen haben nachgelegt und Lanny Gare vom Zweitligisten Lausitzer Füchse verpflichtet. Außerdem sucht Gentges noch einen Stürmer der „Marke Drecksack im Slot“, um vor dem Tor zielstrebiger abzuschließen. Den hesseninternen Vergleich hat man dabei zwar gewonnen (sieben Punkte in vier Spielen), aber nicht die Meisterschaft. „Das ärgert mich sehr“, gibt der Trainer zu. „Wir haben noch nicht den Spirit, den wir brauchen.“ Trotzdem sei man auf dem richtigen Weg, wenn es irgendwann in dieser Saison dann doch einmal ernst wird und man sich in Frankfurt auch wieder über Siege freuen kann.
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