Die Wortwahl war martialisch. „Wenn ich mich einmal so verhalte“, knurrte Bad Nauheims Eishockey-Trainer Frank Carnevale nach der 3:4-Niederlage gegen die Löwen Frankfurt, „dann erschießt mich.“ Fast elf Wochen ist das nun her, der Ärger über seinen Kollegen Frank Gentges, der den Sieg auf gegnerischem Eis ausgiebig bejubelt hatte, ist aber nicht verflogen. Damals bot Carnevale an, ihm zum Wiedersehen ein Clownkostüm mitzubringen, heute sagt er: „Gentges ist ein Showman.“ Doch der Eindruck täuscht.
Denn wenn Gentges eines mit Sicherheit nicht ist, dann jemand, der sich für die Öffentlichkeit verstellt, der anderen etwas vorspielt. Das ist ihm zuwider. Der 47-Jährige gibt an, eine ehrliche Haut zu sein, charakterfest und geradlinig. Er nennt die Dinge klar beim Namen, redet frei heraus. Auch wenn sein Ausdrucksspektrum oft derb ist und mit ihm schnell die Pferde durchgehen, so hat man immer das Gefühl, dass er zu 100 Prozent hinter dem steht, was er gerade sagt.
Bad Nauheim besiegt die Lions im ersten Nachbarschaftsduell seit langem. Das entscheidende Tor stammt ausgerechnet von einem ehemaligen Lions-Spieler: Tobias Schwab trifft drei Minuten vor dem Ende zum entscheidenden 2:1 für Bad Nauheim.
Foto: Huebner/ScheiberDie einen lieben ihn, die anderen verteufeln ihn. Frank Gentges weiß das, er lebt es selbst vor: „Bei mir gibt es nur schwarz und weiß“, sagt der ehemalige Bundesliga-Verteidiger, der früher selbst ein Jahr in Bad Nauheim spielte, und liefert die Begründung hinterher: „Grauzonen sind etwas für Verlierer.“ Und das will er nicht sein. „Ich bin vom Erfolg besessen.“
Akribisch bereitet Gentges jedes kleinste Detail vor, zermartert sich rund um die Uhr den Kopf, wie er ständigen Fortschritt gewährleisten und die ohnehin schon gut funktionierende Mannschaft noch besser machen kann. Zweimal hat er so den EHC Dortmund mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln zur Meisterschaft in der Oberliga West geführt, bevor er im Sommer nach Frankfurt wechselte, wo die Möglichkeiten, aber auch die Erwartungen viel größer sind. Als „Hansdampf im Schlaraffenland“ hatte ihn die FR deshalb bei seiner Vorstellung bezeichnet.
Gentges erlebt längst die Schattenseiten. „Mein Herz und meine Seele sind Eishockey. Aber hier in Frankfurt wird das immer kleiner, hier raubt man mir den Spaß am Spiel“, prangert er an. Schuld daran sei die Presse, einen solchen Medienrummel mit derart vielen „Halb- und Unwahrheiten“ habe er noch nie erlebt.
Plötzlich bemerkt man einen anderen Frank Gentges. Keiner, der immer unter Strom steht und aufbrausend redet. Plötzlich wird er nachdenklich und die Stimme leiser. „Mir geht das sehr nahe“, sagt der sonst so impulsive Mann vom Niederrhein. Er mag vieles sein. Nur ein Clown ist er nicht.
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