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Löwen Frankfurt
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28. September 2012

Löwen Frankfurt: Rüpel wider Willen

 Von Sebastian Rieth
Enfant terrible: Nils Liesegang stürmt in dieser Oberliga-Saison für die Löwen.  Foto: Storch

Löwen-Stürmer Nils Liesegang, ehemals beim EHC Dortmund unter Vertrag, kehrt am Sonntag nach Bad Nauheim zurück. An diesen Spielort hat er nicht die besten Erinnerungen.

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Die Vergangenheit soll Nils Liesegang am Sonntag nicht einholen. Das hat sich der Stürmer der Löwen Frankfurt fest vorgenommen. Natürlich wird der späte Abend des 2. Oktober 2011 nicht vergessen sein, als er mit seinem damaligen Verein EHC Dortmund bei den Roten Teufeln Bad Nauheim spielte, vor dem Eisstadion auslief, von einem Fan provoziert wurde und ihn geschlagen haben soll. Solche Ereignisse brennen sich in Jedermanns Gedächtnis. Aber wenn Liesegang nun mit seinem neuen Klub zum Oberligaderby wieder in Bad Nauheim antritt, dann ist er vorbereitet. Er will alles um sich herum ausblenden, die Vorfälle, für die er vor dem Amtsgericht in Dortmund zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, sollen keine Rolle mehr spielen. „Für mich ist das ein Eishockeyspiel wie jedes andere. Wenn man sich von seinen Gefühlen leiten lässt, dann macht man etwas falsch“, findet er vor seinem Heimdebüt heute Abend (19.30 Uhr) gegen Neuwied.

Obwohl Liesegang erst 25 Jahre alt ist, wirkt er ein wenig desillusioniert. Was andere über ihn sagen, tangiert ihn kaum. Damit hat er sich abgefunden. „Mich stört vieles auf dieser Welt, aber ich kann es nicht ändern.“ Auch nicht sein Image. Liesegang, in Gelsenkirchen geboren und in Herne aufgewachsen, gilt in der öffentlichen Wahrnehmung als Enfant terrible, als jemand, der zwischen Genie und Wahnsinn pendelt, der auf dem Eis eine Wucht ist und abseits dessen über die Stränge schlägt. Ein echter Eishockey-Rüpel eben. Doch das ist falsch. „Ich bin ein ganz normaler Mensch“, erklärt der Mann mit der blonden Kurzhaarfrisur. Harmoniebedürftig und introvertiert sei er. „Von mir aus können wir uns den ganzen Tag mit Rosen bewerfen.“

„Spielweise provokant“

Liesegang ist Familienvater, für seinen sechsjährigen Sohn, der im Sommer eingeschult wurde und als Torwart bereits die ersten Schritte auf dem Eis macht, tut er alles. Von ihm getrennt zu leben, sei eine „große Herausforderung“. So ziemlich jeden Montag setzt sich Liesegang deshalb in sein Auto und fährt die 250 Kilometer nach Herne, um nicht der Eishockey-Profi, sondern einfach mal nur der Papa zu sein.

Diese Seite lernte bislang kaum jemand kennen. Liesegang schwieg beharrlich und redete kaum über Privates. Sein Image als Bad Boy kam dem Boulevard nach den Vorfällen in Bad Nauheim gerade recht. Die Story wurde ausgebreitet und immer wieder von Knast geschrieben. „Das ist im sehr nahe gegangen“, berichtet Frank Gentges, damals wie heute Liesegangs Trainer. „Das Bild von ihm war total verzerrt.“ Er wehrt sich gegen Oberflächlichkeiten: „Man schätzt die Menschen falsch ein und kann den Unterschied zwischen Arbeit und Privatleben nicht erkennen“, sagt Gentges.

Das mag auch ein Grund sein, warum Liesegang nicht immer gut wegkam. „Meine Spielweise ist vielleicht ein bisschen provokant“, vermutet der Angreifer. Aber sie ist auch brillant. In 43 Spielen brachte es der 25-Jährige in der vergangenen Saison auf bemerkenswerte 93 Punkte für Dortmund. Er ist stark am Bully, sein Stickhandling eine Augenweide und den eigenen Mitspielern oft gedanklich voraus.

Wenn es bei ihm läuft, zählt Liesegang unbestritten zu den besten Stürmern der Oberliga. Dann ist er sozusagen Frankfurts dritte Ausländerlizenz – egal, was die Presse schreibt oder die Menschen von ihm halten.

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