Irgendwann, als das Dargebotene nur noch im Spott zu ertragen war, verließ eine nicht minder große Gruppe an Löwen-Fans die Kurve und zog in den leeren Block des Gegners. Dort trommelten und sangen sie, dort feierten sie das siegreiche Gästeteam – mehr Hohn für die eigene Mannschaft geht kaum. Doch nicht nur die treuen Anhänger wirkten an einem Abend, der als Blamage in die noch junge Geschichte der Löwen Frankfurt eingehen wird, sichtlich mitgenommen.
Auch Trainer Clayton Beddoes hatte es erwischt. Mit aschfahlem Gesicht, starrem Blick und Schweißperlen auf der Stirn kam er aus der Kabine. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte der 41-jährige Kanadier. „Ich bin fast sprachlos.“
Verrat am eigenen Konzept
Die 3:7-Pleite gegen die Hammer Eisbären trifft alle rund um die Eissporthalle tief ins Mark. Denn es war nicht einfach nur ein Verpassen des Saisonziels, ein Ausscheiden in der Endrunde der Eishockey-Oberliga West, es war ein Verrat am eigenen Konzept.
Mit jungen, hungrigen Spielern wollte die sportliche Führung behutsam eine Mannschaft aufbauen, die ohne große Namen auskommt, dafür aber mit Herzblut, Leidenschaft und Teamgeist den Branchenführern ein Schnippchen schlägt.
Ein halbes Jahr später sieht die Realität anders aus. Das Team ist leblos, es hat keinen Charakter, verlor sieben Derbys und blamierte sich gegen die krassen Außenseiter.
Bresagk: „Maßlos enttäuscht“
„Ich bin maßlos enttäuscht“, zürnte Sportdirektor Michael Bresagk. „Ich hätte nie gedacht, dass einige Spieler solche Totalausfälle sind. Sie machen einfachste Sachen falsch, die schon jeder Nachwuchsspieler beigebracht bekommt.“ Nun seien beim Tabellenfünften sogar kurzfristige Konsequenzen möglich, wenngleich der dünne Spielerkader zu Suspendierungen nur wenig Spielraum lässt. „Trotzdem sind Sachen vorgefallen, die wir so nicht akzeptieren können“, erzählt Bresagk, sein Trainer nennt die Eskalationsstufen: Straftraining, weniger Eiszeit, Rausschmiss.
Es sind verzweifelte Rufe, für die es schon zu spät ist. Viel zu lange hatte Beddoes seinen Spielern eine „Wohlfühl-Garantie“ gegeben, sie brauchten sich um nichts zu kümmern, konnten sich aber alles leisten. Das große Vertrauen wurde zum Bumerang. „Ich bin eben auch nicht perfekt und mache Fehler“, räumt er nun ein.
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Aber auch Bresagk, einer von drei Gesellschaftern, muss sich hinterfragen. Er hat sich mit seiner konservativen Einkaufspolitik wohl verzockt. Sicher traf die Löwen das Verletzungspech in der Verteidigung und mit den Führungsfiguren Boris Ackers und Simon Barg außergewöhnlich hart, adäquat nachgebessert wurde aber nicht. „Wir haben viel versucht und sind nicht untätig geblieben, aber es haben sich keine Möglichkeiten ergeben.“
Bresagk und Beddoes, sein Vertrag wurde im November um ein Jahr verlängert, bekommen nun ihre zweite Chance. Sie dürfen die Trümmer des sportlichen Totalschadens zusammenkehren, und sie werden es derart sorgfältig tun, dass kaum ein Spieler übrig bleibt.
Nur Ackers hat einen Vertrag über die Saison hinaus, Barg wird eine Verlängerung angeboten, „der Rest ist völlig offen“, sagt Bresagk.
Grotesk: Löwen planen für 2. Liga
Man braucht kein Hellseher zu sein: Mehr als vier, fünf weitere Spieler des aktuellen Kaders werden nicht hinzu kommen.
Da die Löwen nun in einer schier sinnlosen K.O.-Runde mit mindestens zwei Heimspielen und unattraktiven Gegnern einen Startplatz im DEB-Pokal ausspielen, leiden auch die Finanzen.
25.000 Euro müssen die Frankfurter pro Spiel für die Kosten der Halle berappen, da die Partien in den Dauerkarten inklusive sind, wird kaum jemand ein Tagesticket kaufen.
Ein Minusgeschäft, an dessen Ende dennoch eine schwarze Null steht. „Wir haben mit dem worst-case kalkuliert“, so Bresagk. „Trotzdem fallen uns jetzt wichtige Gelder weg, die wir in die Mannschaft hätten investieren können.“
Und so grotesk es klingt: Die Löwen müssen auch für die zweite Liga planen. Diese könnte am Saisonende geteilt werden und renommierte Oberliga-Klubs nachrücken. Bresagk: „Die Spekulationen sind da, deshalb müssen wir vorbereitet sein.“
| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | EC Bad Nauheim | 79:36 | 36 | ||
| 2 | EV Duisburg | 63:37 | 33 | ||
| 3 | Kassel Huskies | 78:44 | 29 | ||
| 4 | EHC Dortmund | 68:42 | 28 | ||
| 5 | Löwen Frankfurt | 54:51 | 18 | ||
| 6 | Königsborn Bulldogs | 36:79 | 12 | ||
| 7 | Hammer Eisbären | 33:70 | 6 | ||
| 8 | Ratinger Ice Aliens | 36:88 | 6 | ||
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