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Interview: "Das war alles richtig gaga"

        

„Die einmalige Geschichte“ geht zu Ende: Michael Schwarzer.
„Die einmalige Geschichte“ geht zu Ende: Michael Schwarzer.
Foto: Storch

Löwen-Spieler Michael Schwarzer im Gespräch über seine kuriose Karriere, bezahlte Mittagessen, das Leben in der Öffentlichkeit und seinen Abschied.

Michael Schwarzer brauchte nur drei Minuten und 42 Sekunden, um es zum Kultstatus zu schaffen. Am 10. Oktober 2010 schoss der 24-jährige Stürmer das erste Tor in der Geschichte der neu gegründeten Löwen Frankfurt, er und seine Teamkameraden hauchten dem brachliegenden Eishockey-Standort wieder Leben ein. „Blacky“, wie ihn am Ratsweg jeder nennt, wurde zum Gesicht des Wiederaufbaus und über Nacht bekannt. „Das war alles richtig gaga“, sagt er. Morgen Abend (19.30 Uhr) beendet Schwarzer in der Eissporthalle seine Karriere, das Pokal-Playoffspiel gegen die Hammer Eisbären soll sein Abschied sein.

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Herr Schwarzer, wachen sie morgen aus einem eineinhalb Jahre langen Traum auf?

Das kann man so sagen. Plötzlich – quasi von einen Tag auf den anderen – habe ich nicht mehr vor 50 sondern 5 000 Zuschauern gespielt. Das war schon eine harte Umstellung, aber ich habe mich immer darauf gefreut. Es war für mich eine einmalige Geschichte, und wir hätten nie geglaubt, dass die Euphorie so lange anhält. Manchmal mussten wir uns gegenseitig kneifen und fragen, ob das wirklich alles wahr ist. Für uns ging es von null auf 100.

Wie hat sich Ihr Leben durch die plötzliche Popularität verändert?

Es gab einige lustige Begegnungen. Auf einmal wollten mir fremde Menschen mein Mittagessen bezahlen oder baten mich im Kino um Fotos oder einen Schläger. Das war alles richtig gaga. Da sind Dinge passiert, mit denen ich nie gerechnet hätte. Man steht in der Zeitung, man wird in der Halle von Tausenden Fans gefeiert und gepusht. Ich habe hier kein großes Geld verdient, ich bin ja kein Millionär. Deswegen sind das die Momente, für die ein Sportler lebt. Ich habe es nicht der Kohle wegen gemacht, sondern weil ich es geil fand.

Sie sind als einer von wenigen Spielern im Kader kein Profi.

Als Mechatroniker arbeite ich 40 Stunden pro Woche, dazu kamen dann immer noch 30 Stunden Aufwand für den Sport. Durch mein Karriereende gewinne ich jetzt zwar an Freizeit, mir geht aber auch vieles verloren. Das Eishockey, die Fans, die Atmosphäre – das waren die Dinge, die ich geliebt habe.

Sie waren Topscorer, Kapitän und Meisterheld, nach dem Aufstieg in die Oberliga und einer Runderneuerung des Kaders spielten Sie nur noch in der vierten Reihe. Wie sind Sie mit dieser Veränderung umgegangen?

Die Oberliga war für mich ein großes Abenteuer. Schon als ich 17 Jahre alt war, habe ich mir als Ziel gesetzt, dort einmal zu spielen und zu testen, wie lange ich mithalten kann. Denn der Sprung aus der Regionalliga ist enorm.

Und dann zwickt auch noch der Rücken …

Das geht seit zehn Wochen so. Am Anfang haben wir versucht, es mit Massagen zu lindern, als die Schmerzen aber auf mein linkes Bein abgestrahlt sind, musste ich eine Kernspin machen, und es wurde ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert. Da das Eishockey nicht mein Beruf ist, will ich kein Risiko eingehen. Ein harter Check oder eine falsche Bewegung und meine Gesundheit ist gefährdet. Jetzt sind die Folgeschäden gleich null, deshalb muss ich Prioritäten setzen und aufhören.

Wäre ein Comeback in der zweiten Mannschaft vorstellbar?

Wenn ich wieder fit bin auf jeden Fall. Die Jungs dort warten schon auf mich.

Warum hat die Mannschaft in diesem Jahr mit dem fünften Platz das Saisonziel verpasst?

Es ist ärgerlich und es nervt – vor allem, dass wir kein einziges Derby gewonnen haben und in den einzelnen Partien keine Welten zwischen uns und dem Gegner lagen. Es soll jetzt keine Ausrede sein, aber die Verletzungen haben uns hart getroffen, und oft fehlte uns auch das Quäntchen Scheibenglück. Die Niederlage gegen Hamm war dann der absolute Tiefpunkt und das Sinnbild für eine gesamte Saison.

Sie werden „Zigeuner“ genannt. Das müssen Sie uns erklären.

Das resultiert aus meiner Zeit als Fan. Dort hat ja jeder seinen angestammten Platz, ich bin aber ständig rumgelaufen. Einmal sagte dann jemand zu mir: „Hey, du Zigeuner, kommst du auch mal wieder vorbei?“ Seitdem habe ich diesen Spitznamen, und ich freue mich, wenn die Fans morgen das Lied dazu wieder singen.

Dann wird wohl auch die eine oder andere Träne verdrückt?

Das kann gut sein. Ich wollte bewusst Abschied nehmen und das alles noch einmal genießen. Ich glaube, ich realisiere erst im Sommer, was hier in den vergangenen Monaten wirklich abging. Das wird dann sehr schmerzen.

Wo sehen wir Sie in der neuen Saison? Im VIP-Bereich oder wie vor Beginn Ihres persönlichen Märchens auf den Stehplätzen?

Auch wenn ich jetzt viele Sachen mit anderen Augen sehe, kommt für mich garantiert nur ein Stehplatz in Frage.

Das Gespräch führte Sebastian Rieth.

Autor:  Sebastian Rieth
Datum:  23 | 2 | 2012
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Mannschaft Tore Punkte
1 EC Bad Nauheim 79:36 36
2 EV Duisburg 63:37 33
3 Kassel Huskies 78:44 29
4 EHC Dortmund 68:42 28
5 Löwen Frankfurt 54:51 18
6 Königsborn Bulldogs 36:79 12
7 Hammer Eisbären 33:70 6
8 Ratinger Ice Aliens 36:88 6
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