Deutschland hat über Jahre Lohnzurückhaltung geübt, und damit die Wettbewerbsposition der hiesigen Exportwirtschaft verbessert. Gleichzeitig sind damit gerade in Europa andere Länder unter Druck geraten, dem Vorbild der Bundesrepublik zu folgen. Auch in diesem Jahr erwarten Forscher, dass die Reallöhne hierzulande stagnieren − obwohl die Wirtschaft brummt.
Gerade jetzt, wo die wirtschaftliche Entwicklung in Europa so unterschiedlich ist, müssen wir endlich einen neuen lohnpolitischen Weg einschlagen. Firmen in Deutschland können höhere Lohnzuschläge verkraften. Dadurch würde der Druck auf andere europäische Länder gemildert, mit Lohneinbußen ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.
Damit die Lohnwende gelingt, müssen sich Gewerkschaften mehr ins Zeug legen. Wichtig sind ordentliche Tarifabschlüsse. Wichtig ist aber auch, dass die Tariflöhne tatsächlich bezahlt werden. Das heißt: Betriebsräte und Gewerkschafter müssen genau hinsehen, wenn eine Firma von Tarifstandards abweichen will. Auch die Politik muss ihren Beitrag leisten. Sie muss endlich die gleiche Bezahlung von Leiharbeitern und Stammkräften gesetzlich festschreiben. Auch allgemeinverbindliche Tarifverträge würden helfen. Ein gesetzlicher Mindestlohn könnte dazu beitragen, dass das Lohnniveau insgesamt angehoben wird.
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