Zirkusdirektor Hardy Weisheit wird barsch: "Bevor sie dummes Zeug reden, machen Sie sich erst einmal schlau", geht er den Mitarbeiter des Kreis-Veterinäramts an, der am Dienstagvormittag zu einer ersten Kontrolle auf der Drachenwiese ist.
Dort ist "Afrikas Big Circus" tags zuvor angekommen und hat sich gleich mit der Hofheimer Stadtverwaltung angelegt. Laut Vertrag hätte der Zirkus erst ab elf Uhr anreisen dürfen, sagt Pressesprecherin Iris Bernardelli: "Dann wäre auch die Schranke zu dem Parkplatz offen gewesen". Doch die Zirkusleute seien schon in der Nacht eingetroffen, hätten die Steine beiseite geräumt, die die Zufahrt zum Parkplatz blockierten, und sich auch auf der Frankfurter Straße "breit gemacht", so Bernardelli. "Das ist nicht so gut gelaufen, gelinde gesagt."
Der Zirkus bleibt
Die Ordnungsbehörde habe geprüft, ob sie die Erlaubnis für das Gastspiel am Kreishaus deshalb widerruft. Doch inzwischen sei klar: "Der Zirkus kann bleiben." Für Freitagnachmittag ist die erste Vorstellung geplant, weitere folgen bis Montag. Die Caritas hat 100 Freikarten bekommen, für arme Familien.
"Behörden und Tierschützer machen uns das Leben schwer, egal wo wir hinkommen", beschwert sich Hardy Weisheit, Zirkusmann in siebter Generation. Doch die Tiere seien gut versorgt. Neben ihm stehen die vier Elefanten, in einer Draht-Absperrung: "Die sind nicht angekettet." Diverse Zeitungsartikel, nach denen die Dickhäuter immer wieder bei Gastspielen ausgebüxt sein sollen, unter anderem in Lörrach, Tuttlingen und Rottweil, weist Weisheit als falsch zurück. Seine Version: "Ich gehe jeden Tag mit den Tieren spazieren, und zwar ohne Leine."
Auftritte von Wildtieren in der Manege sind umstritten und in einigen Ländern verboten, darunter Österreich. Die Tierschutzorganisation Peta - die selbst in der Kritik steht, weil sie Massentierhaltung mit dem Holocaust verglich und nicht vermittelbare Haustiere tötet - greift den Zirkusbetrieb der Familie Weisheit scharf an.
Kritische Berichte über "Afrikas Big Circus" seien auch im Hofheimer Rathaus bekannt, sagt Bernardelli. Doch er "habe alle Kriterien erfüllt", ein Tierbestandsbuch und die erforderliche Erlaubnis nach dem Tierschutzrecht vorgelegt.
Insgesamt reisen 60 Tiere mit: Außer den Elefanten auch Zebras, Dromedare, Pferde, Esel, Hunde und Miniponys. Das Veterinäramt habe bei seinem ersten Besuch auf dem Zirkusgelände festgestellt, dass alle Tiere genügend Wasser und Futter hätten und "einen sauberen Eindruck machen" , sagt Kreissprecherin Deike Wichmann. "Aber einige haben noch nicht genug Auslauf." Wenn der Zirkus mit dem Aufbau fertig ist, will die Behörde noch einmal kommen: "Bisher können wir noch nichts beurteilen."

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Facebook | Twitter überregional | Google+