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Asylbewerber Fardin G.: Die Angst ist ständiger Begleiter

Fardin G. sieht sich im Iran verfolgt und in Deutschland nicht erwünscht. Nun rechnet er jeden Tag mit seiner Ausweisung. Von Claudia Horkheimer

Der Iraner Fardin G. hat im Main-Taunus-Kreis Unterschlupf gefunden. Doch dort will man ihn nicht haben.
Der Iraner Fardin G. hat im Main-Taunus-Kreis Unterschlupf gefunden. Doch dort will man ihn nicht haben.
Foto: FR/Hoyer

Eigentlich hatte er alles, was man für ein glückliches Leben braucht: Eine Arbeit, eine Freundin, eine Wohnung und genügend Geld. Nur mit den politischen Verhältnissen im Iran war Fardin G. unzufrieden. Deshalb engagierte er sich in der Komalah, einer Gruppierung der Kurdischen Kommunistischen Partei Iran (CPI).

"In der Fabrik, in der ich arbeitete, organisierten wir Demonstrationen. Wir setzten uns für die Rechte der Arbeiter ein, für monatliche Gehälter, einen Acht-Stunden-Tag und auch für Frauenrechte", erzählt der 26-Jährige.

Asylbewerber im Kreis

359 Asylbewerber leben in den zehn Unterkünften im Main-Taunus-Kreis. Die Zahl der Neubewerber stieg 2009 von 58 auf 88 Personen. Nach Kreisangaben gibt es mehr Wohnplätze als Bewerber. Deshalb soll im Sommer das Heim auf der Krautweide schließen.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge entschied 2009 über 28800 Asylanträge und lehnte 39,4 Prozent ab.

Der Iran gehört nach Afghanistan und dem Irak zu den häufigsten Herkunftsländern. In den ersten beiden Monaten diesen Jahres beantragten 300 Personen von dort Asyl in Deutschland. Das waren 6,1 Prozent aller Verfahren. (cho)

Er sitzt auf einem Stuhl in der kleinen, kahlen Behausung, in der er seit bald drei Jahren lebt. Seine nackten Füße mit den blauen Flipflops rutschen nervös über den grauen Linoleumfußboden. In Räumen wie diesen sind in der Containersiedlung des Kreises in Bad Soden insgesamt etwa 30 Asylbewerber untergebracht. Fardin G. teilt sich einen zehn Quadratmeter großen Raum mit einem Pakistani. "Der ist auf der Arbeit", sagt er.

Fardin G. seufzt. Er wünscht sich sehnlich, hier in Deutschland arbeiten zu dürfen. Doch er bekommt keine Erlaubnis, da er nur geduldet ist. Sein Asylantrag wurde abgelehnt, weil man ihm nicht glaubte, dass er im iranischen Untergrund aktiv war, wie es in der Urteilsbegründung heißt. Laut Fardin G. lag jedoch nur ein Missverständnis über seine Zugehörigkeit zur CPI vor. Die Bezeichnung schrieb der Richter einer monarchistischen Vereinigung im Iran zu, die sich genauso abkürzt.

Fardin G. stellte im Oktober einen zweiten Asylantrag. Von dem hat er seither nichts mehr gehört. Nach dem ersten Verfahren hat er eine Aufforderung bekommen, auszureisen. Nun rechnet er jeden Tag mit der Ausweisung. Akut muss er dies jedoch nicht fürchten. "Momentan sind keine Bestrebungen im Gange, ihn abzuschieben", sagt Dieter Ohl, Sprecher des Regierungspräsidiums Darmstadt. Er könne nicht abgeschoben werden, weil eine Entscheidung im neuen Verfahren ausstehe und weil er keinen Pass habe. Fardin G. weigert sich, einen Reisepass zu beantragen. Er ist Kurde. In seinem Heimatdorf Sanandaj wurden nach seinen Angaben erst vor kurzem wieder mehrere Menschen festgenommen. Er wisse nicht, was ihm geschehe, wenn er zurückginge. "Für wie viele Jahre werden sie mich verhaften?"

Geheimdienst sucht Eltern auf

Fardin G. floh 2007 aus dem Iran, als einer seiner politischen Mitstreiter nicht zu einem Treffen erschienen war und stattdessen spurlos verschwand. "Ich packte schnell ein paar Sachen zusammen und fuhr zu einem Freund in eine andere Stadt". Seine Familie wusste nichts von seinem politischen Engagement. Schon kurze Zeit später statteten Polizei und Geheimdienst seinen Eltern einen Besuch ab. Mit Hilfe eines Schleusers kam er über die Türkei nach Deutschland. Wohin die Reise ging, erfuhr er erst am Flughafen in Istanbul.

Seine Schwester wurde inzwischen vom Geheimdienst schriftlich zum Verhör vorgeladen. Wenn er diese Einladung dem deutschen Gericht vorlegen könnte, würde er damit die politische Verfolgung beweisen können, glaubt Fardin G. Doch seine Schwester fürchte Repressalien, wenn sie ihrem Bruder das Papier nach Deutschland schickt. "Alles im Iran wird überwacht", sagt er. Deshalb habe er in den ganzen Jahren auch erst zweimal kurz mit seiner Familie telefoniert.

Ohne Papiere erhält Fardin G. in Deutschland keine Arbeitserlaubnis und muss weiter von 160 Euro Sozialhilfe im Monat leben. Er blickt verzweifelt in die Zukunft. "Ich bin 26, habe keine Ausbildung. Was wird aus mir?"

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Autor:  Claudia Horkheimer
Datum:  17 | 3 | 2010
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