Frau Hahn, die politischen Parteien haben das Aus für das buddhistische Hospiz in Bad Soden beschlossen. Kam die Entscheidung für Sie überraschend?
Ja, sehr. Wir haben damit nicht gerechnet und sind ehrlich gesagt schockiert. Wir können die Entscheidung auch überhaupt nicht verstehen. Noch in der letzten Ausschusssitzung kam von CDU, SPD und Grünen ein eindeutiges Ja zu dem Projekt. Deshalb sind wir auch davon ausgegangen, dass nun alle Fragen beantwortet sind.
Claudia Hahn ist Mitglied im Vorstand des Vereins für Lebens- und Sterbepraxis.
Der buddhistisch inspirierte Verein mit Sitz in Frankfurt hat zuzeit 57 Mitglieder.
Vorsitzende ist Dorothea Mihm; die ausgebildete Krankenschwester war die Initiatorin des Bad Sodener Hospizprojektes. (aro)
Als einer der Gründe wird der fehlende Kooperationsvertrag mit den christlichen Kirchen genannt. Gibt es den tatsächlich nicht?
Man hat uns seitens der katholischen Kirche signalisiert, dass wir darüber erst näher verhandeln können, wenn der Erbbaurechtsvertrag mit der Stadt unterschrieben ist. Grundsätzlich hatten wir den Eindruck, dass die Gespräche laufen und sich die Zweifel legen. Der evangelische Pfarrer hat als einzige Bedingung formuliert, dass wir den Namen des Hospizes ändern. Diesem Wunsch sind wir nachgekommen.
Als zweiter Grund für das Nein wurde die "undurchsichtige Finanzierung" genannt. Nachdem sich erst die King-Kamehameha-Gruppe als Sponsor vorgestellt hatte, sollte nun plötzlich eine Immobiliengesellschaft, die International Realestate Portfolio AG, Vertragspartner der Stadt sein. Warum?
Auf Konzernebene gibt es Verbindungen zwischen den beiden Unternehmen. Auch für die King-Kamehameha-Gruppe ist ein solches Projekt nicht alltäglich, und sie würde teilweise Eigenkapital verwenden und zum Teil mit Finanzierung arbeiten. In diesem Zusammenhang entstand der Wunsch, den Hospizneubau mit Hilfe von Profis zu realisieren. Das Projekt ist so groß, dass man Fachleute einbinden möchte.
Das wurde den Politikern in Bad Soden so aber nicht erklärt. Vor allem die FDP hat mehrfach danach gefragt ...
Wir haben immer wieder angeboten, alle offenen Fragen zu beantworten. Diese Fragen wurden am Ende allerdings gar nicht mehr gestellt.
Sind die Pläne des Vereins, ein Hospiz zu bauen und zu betreiben nach der Entscheidung in Bad Soden Makulatur?
Nein, dazu haben wir in den vergangenen drei Jahren viel zu viel Engagement in diese Idee gesteckt. Die Pläne sind immer konkreter geworden, am Ende war die Realisierung zum Greifen nah. Es gibt nach wie vor eine positive Vision von diesem Hospiz. Wir werden alles daransetzen, sie Wirklichkeit werden zu lassen. Auch wenn das in Bad Soden zu unserem Bedauern nicht mehr möglich sein wird.
Haben Sie schon einen anderen Standort im Blick?
Nicht konkret, aber wir würden gerne in der Region bleiben, weil wir alle hier verwurzelt sind.
Ihr Partner King Kamehameha bleibt mit im Boot?
Ja, unsere Partner haben Feuer gefangen. Sie haben schon signalisiert, dass sie dabeibleiben.
Interview: Andrea Rost

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