Es sollte - mit dem Segen des Dalai Lama - das erste buddhistische Hospiz in Deutschland werden. Der Frankfurter Verein für Lebens- und Sterbepraxis wollte das Haus mit Hilfe von Sponsoren in Bad Soden realisieren, Schweizer Architekten hatten ein futuristisches Raumkonzept entworfen. Das Grundstück am Kleinen Hetzel wollte die Stadt in Erbbaupacht vergeben.
Nun haben CDU, SPD und Grüne in Bad Soden die Notbremse gezogen. Es gebe für das Hospiz in der geplanten Form keinen gesellschaftlichen Konsens in der Stadt, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Frank Blasch gestern. Der Betreiberverein habe entgegen den Absprachen keine Kooperationsvereinbarung mit den christlichen Kirchen getroffen, in den vergangenen Monaten noch nicht mal das Gespräch mit Kirchenvertretern gesucht. "Damit ist eine der wesentlichsten Bedingungen des Erbbaurechtsvertrages nicht erfüllt", sagte Blasch. "Wir können nicht zustimmen."
1,8 Millionen Euro sollte der Bau des Hospizes buddhistischer Prägung in Bad Soden kosten.Die Stadt wollte dafür ein Grundstück in Erbbaupacht vergeben.
Finanziert werden sollte das Zwölf-Betten-Haus durch Sponsoren. Der Frankfurter Verein für Lebens- und Sterbepraxis wollte das Hospiz betreiben.
Die christlichen Kirchen haben das Projekt von Anfang an kritisiert. Die Main-Taunus-Kliniken wollten mit dem Sterbehaus kooperieren. (aro)
Dabei hatte es bis vor wenigen Tagen noch so ausgesehen, als gebe es nach monatelangem Ringen einen breiten politischen Konsens für das von CDU-Bürgermeister Norbert Altenkamp favorisierte Hospizprojekt buddhistischer Prägung. Der Betreiberverein hatte unzählige Fragen von Politikern und Bürgern beantwortet und stets betont, er wolle das geplante Sterbehaus für Menschen aller Konfessionen öffnen.
Eine Kooperationsvereinbarung mit den Main-Taunus-Klinken wurde bereits 2008 geschlossen. Vor einem Jahr stellte sich die Frankfurter King Kamehameha AG, die Partyclubs in Frankfurt, Offenbach, Köln und auf Mallorca betreibt, als Finanzier vor. Unterstützung bekam das Projekt auch von den Werbeagenturen McCann Erickson und Weber Shandwick. Weil der buddhistische Name "Kunto Sangmo" auf Widerstände stieß, entschied der Verein, das Sterbehaus in " Hospiz Abendrot" umzubenennen.
"Wir haben uns einlullen lassen von den Betreibern und nicht das Gespräch zu den eigentlichen Kooperationspartnern gesucht", räumt Grünen-Fraktionschef Harald Fischer ein. Tatsächlich sind die Partner der Stadt im Erbbaurechtsvertrag weder der Frankfurter Verein für Lebens- und Sterbepraxis noch die King Kamehameha-Gruppe, sondern die International Realestate Portfolio AG, die eigenen Angaben zufolge Wohnimmobilien vermarktet. 8000 Euro Erbpacht pro Jahr soll sie an die Stadt zahlen, will den Hospizneubau aber dem Vernehmen nach für mehr als 120 000 Euro jährlich an die Betreibergesellschaft vermieten.
Durch die Vergabe des Erbbaurechts an ein gewinnorientiertes Unternehmen entfalle die soziale Begründung für den geringen Pachtzins, hatte die FDP wiederholt gerügt. CDU, SPD und Grüne schließen sich dieser Kritik nun an. SPD-Fraktionschef Karl Thumser spricht von "undurchsichtiger Finanzierung", die die Vereinsvertreter bis zuletzt nicht aufgeklärt hätten. In der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses habe der Anwalt des Vereins Druck gemacht und Fristen gesetzt. Diesem Druck wolle man sich in Bad Soden nicht beugen. Kommentar R4

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