Zwischen dem Bürgermeister und dem lokalen Wochenblatt tobt ein veritabler Kleinkrieg. Seit Monaten rügt die Bad Sodener Zeitung die Amtsführung von Norbert Altenkamp aufs heftigste, deckt vermeintliche Skandale auf, schreibt von Pleiten, Pech und Pannen, die allesamt der Verwaltungschef zu verantworten habe. Vergangene Woche erreichte die von vielen in der Kurstadt als "Kampagne gegen Altenkamp" empfundene Berichterstattung ihren vorläufigen Höhepunkt: Herausgeber und Chefredakteur Heiko Hegner führte in der BSZ ein ausführliches Interview mit sich selbst. Tenor: Norbert Altenkamp habe ihm gegenüber mehrfach bewusst die Unwahrheit gesagt und sei als Bürgermeister für die "Premiumstadt Bad Soden" untragbar.
Der solcherart Gescholtene schwieg lange Zeit zu den Vorwürfen. Schließlich ist am 27.-September Bürgermeisterwahl, und Altenkamp tritt für eine zweite Amtszeit an. Da macht sich ein Disput mit der örtlichen Presse nicht gut. Jetzt aber scheint ihm der Geduldsfaden gerissen. Norbert Altenkamp geht in die Offensive, und seine Partei, die CDU, holt zum Gegenschlag aus. Ende der Woche erscheint in der lokalen Konkurrenz, dem Bad Sodener Echo, eine halbseitige Anzeige, in der die Christdemokraten die "unseriöse und manipulierende Berichterstattung der BSZ" rügen und sich demonstrativ hinter ihren Bürgermeister stellen. Er selbst behalte sich juristische Schritte vor, sagte Altenkamp der Frankfurter Rundschau. Die Sache gehe im persönlich nahe. "Ich habe mir in den vergangenen Jahren einen guten Ruf erarbeitet, den lasse ich mir nicht so einfach ruinieren."
Die Anti-Altenkamp-Artikel der Bad Sodener Zeitung werden mittlerweile auch in den übrigen Parteien mit einigem Missfallen betrachtet. Das Gebot der Fairness sei durch die Berichterstattung von BSZ-Herausgeber Heiko Hegner gravierend verletzt, sagte Grünen-Sprecherin Waltraud Krebsbach-Hess der FR. "Das ist nicht der Stil, den wir uns wünschen." Sie selbst halte die "öffentliche Demontage" von Norbert Altenkamp für eine Unverschämtheit. In die selbe Kerbe schlägt Harald Fischer, der als unabhängiger Kandidat, unterstützt von den Grünen und der SPD, zur Bürgermeisterwahl antritt: "Private Fehden gehören nicht in die Presse", findet er.
SPD-Ortsvereinsvorsitzende Julia Thon sieht als angehende Juristin die Persönlichkeitsrechte Altenkamps in Artikeln der BSZ verletzt. Anfang August wollten sich die Sozialdemokraten zu der Sache äußern. "Wir sind noch in der Meinungsfindung." SPD-Fraktionschef Karl Thumser gibt unterdessen eine persönliche Einschätzung ab: "Man kann einiges an der Amtsführung von Norbert Altenkamp kritisieren, aber das rechtfertigt nicht solche Artikel; die sind schlecht recherchiert und total überzogen."
Auf Distanz zu Heiko Hegner geht auch Thomas Braun. Der Rechtsanwalt ist Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler und schrieb bislang eine wöchentliche Kolumne in der Bad Sodener Zeitung. Menschlich moralische Grenzen seien in dem Hegner-Hegner-Interview überschritten, findet er. "Aus Hintergrundgesprächen zu zitieren ist ein eklatanter Vertrauensbruch."
Brigitte Hewel, Fraktionsvorsitzende der Bad Sodener FDP, würde die Wogen gerne glätten. Ihr liege die Bad Sodener Zeitung als lokales Presseorgan am Herzen, sagt sie und glaubt, dass die Ursache für die Eskalation darin begründet ist, dass die BSZ die amtlichen Bekanntmachungen Ende letzten Jahres verloren hat. Das habe der Herausgeber als "Strafe" empfunden.
Heiko Hegner, gelernter Werbeberater, der die Bad Sodener Zeitung vor zehn Jahren gekauft hat und zusammen mit seiner Tochter Inken führt, macht keinen Hehl, daraus, dass er Norbert Altenkamp "für den schlechtesten Bürgermeister hält, den Bad Soden je hatte". Ehrenrühriges könne er an seinen Artikeln nicht erkennen. Die Bad Sodener Zeitung - laut Hegner mit einer verkauften Auflage von 4500 Stück das Medium mit der größten Reichweite in Bad Soden - sei Plattform für alle: "Auch Norbert Altenkamp kann bei mir eine Kolumne haben."

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