Die Schlaglochpiste zwischen der Bundesstraße 519 und der Roten Mühle hat in der Vergangenheit viele Besucher des beliebten Ausflugslokals zur Verzweiflung gebracht. Jahrelang war der Wirtschaftsweg, der sich zwischen Streuobstwiesen und durch ein kleines Wäldchen schlängelt, nicht repariert worden. Mehr schlecht als recht holperten die Autos der Ausflügler zur historischen Gaststätte im Liederbachtal. Die komplette Zufahrt war übersät von tiefen Schlaglöchern.
Jetzt hat die Stadt Bad Soden Geld locker gemacht und den Wirtschaftsweg für 280 000 Euro auf einer Länge von 800 Metern von Grund auf erneuert. Sogar Ausweichmöglichkeiten gibt es – mit stabilem Unterbau und Rasengittersteinen. Nur die letzten 150 Meter der Zufahrt ab der Brücke sind noch nicht erneuert – dafür hat das städtische Budget nicht mehr gereicht.
„Wir sind trotzdem überglücklich“, sagte Margarita Krummel der Frankfurter Rundschau. Zusammen mit ihrem Mann Yves bewirtschaftet die gelernte Hotelfachfrau, die im Sonnenhof in Königstein ihre Ausbildung gemacht hat, das Ausflugslokal am Liederbach. Vor drei Jahren sind die beiden eingestiegen.
Bis zu 1000 Besucher zählen die Wirtsleute an schönen Sommertagen in der Roten Mühle. „Wir haben Stammgäste aus der ganzen Region, viele davon kommen aus Frankfurt“, erzählt Margarita Krummel.
Das Fachwerkensemble, in dem die Gaststätte mit idyllischem Garten untergebracht ist, ist alt. Benannt ist es nach der Mühle, die die Frankfurter Handelsleute Kaspar und Hans Geiß Anfang des 17. Jahrhunderts an dieser Stelle errichteten, und die ihren Namen wegen der Lage am Roten Berg bekam. Sie war damals eine von mehreren Mühlen im Liederbachtal zwischen Königstein und Höchst.
Nachdem die Rote Mühle in der Schlacht von Höchst 1622 geplündert, in Brand gesetzt und verwüstet worden war, wechselte das Gelände mehrfach den Besitzer. Eine neue Mühle, die der Hornauer Bürger Philip Sulzbach gebaut hatte, wurde später zur Herberge für durchziehende Räuber und Diebe. Auch der Schinderhannes soll dort dreimal genächtigt haben. Ausfluggaststätte ist die Rote Mühle seit Ende des Ersten Weltkriegs. Ein Frankfurter Industrieller hatte sie gekauft und aufwendig restaurieren lassen.
Bomben und Tiefflieger fügten den Gebäuden im Zweiten Weltkrieg erheblichen Schaden zu. Nach dem Krieg waren Vertriebene und Flüchtlinge darin untergebracht, eher die Rote Mühle 1948 wieder als Ausflugslokal eröffnet wurde und es seit her mit unterschiedlichen Pächtern auch gegeblieben ist.
Heute ist die Küche in der Roten Mühle bodenständig und gutbürgerlich; es gibt Wild aus dem Taunus, die Frankfurter Spezialitäten Grüne Soße, Handkäs’, Rippchen mit Kraut sowie frisches Gemüse aus der Region. Was aktuell auf dem Markt verkauft wird, kommt auf den Tisch – momentan sind das zum Beispiel Eintopfgerichte, unter anderem mit Grünkohl und Wirsing.

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