Als Nele Neuhaus im Jahr 1977 zum ersten Mal in den Main-Taunus-Kreis kam, wäre sie am liebsten gleich wieder umgekehrt. „Es war ein trüber Herbsttag“, erzählt sie. Und zur Begrüßung bekam die Zehnjährige von einer Frau in breitestem Hessisch eine unfreiwillige Lehrstunde über die Entstehung der hiesigen Gegend: „Gott erschuf in seinem Zorn Weilbach, Wicker und Eschborn.“
Doch die gebürtige Münsteranerin Cornelia Löwenberg, wie sie damals noch hieß, musste bleiben. Schließlich war ihr Vater Bernward gerade Landrat geworden und hatte noch einige Amtsjahre vor sich.
Inzwischen kann sich Nele Neuhaus nicht mehr vorstellen, woanders zu leben. Besonders Kelkheim, wo sie Abitur gemacht hat und heute mit ihrem Mann wohnt, hat es ihr angetan. „Ich fühle mich sehr wohl.“ Und so sei es ihr auch eine große Ehre gewesen, sich vor Kurzem in das Goldene Buch der Stadt einzutragen. Seit Mittwochabend steht ihre Unterschrift auch im Goldenen Buch des Kreises. Und nicht nur das: Landrat Michael Cyriax (CDU) hat die erfolgreiche Krimiautorin zur ersten Botschafterin des Main-Taunus-Kreises ernannt.
„Das ist ja wie bei der Oscar-Verleihung“, entfuhr es der Geehrten, die bei der offiziellen Feier im Kreishaus mit ihrer Jeansjacke und dem bunten Rock zwischen all den Anzugträgern und Kostümträgerinnen schon optisch herausstach. „Gott sei Dank gibt es nicht noch eine Krone.“
Das nicht. Aber eine Urkunde überreichte ihr Landrat Cyriax – und gemeinsam mit seinem Vorgänger Berthold Gall enthüllte er ein großes Porträt-Foto der neuen MTK-Botschafterin. Das soll künftig die Besucher des Kreishauses am Eingang begrüßen.
„Es ist der Auftakt für unsere Star-Galerie“, kündigte Cyriax an, der Nele Neuhaus mit der Anrede „Eure Exzellenz“ in ihr neues Amt eingeführt hatte. In einer launigen Rede wies er darauf hin, dass andere Länder und Regionen sich durch Honorarkonsuln vertreten lassen, die dafür sogar zahlen müssten. „So weit wollen wir bei Ihnen gar nicht gehen.“ Aber mit Blick auf die klamme Kreiskasse könne er ihr auch keine Vergütung versprechen.
Angesichts ihrer Popularität ist Nele Neuhaus für den Main-Taunus-Kreis ohnehin unbezahlbar. Zwei Millionen Krimis hat sie inzwischen verkauft, die erste Verfilmung dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen. „Wer heutzutage in Deutschland durch eine Fußgängerzone geht, kommt an Ihrem strahlenden Gesicht nicht vorbei“, so Michael Cyriax. Und inzwischen mache sie mit den Taunus-Krimis ihre Heimat sogar weltweit bekannt – die Bücher sind schon in 16 Sprachen übersetzt worden.
Das berge aber auch Probleme, mahnte Cyriax. Wenn ein Russe oder Südkoreaner den Roman „Schneewittchen muss sterben“ lese, könne der falsche Eindruck entstehen, „dass die Menschen in Altenhain zur Lynchjustiz“ neigen. Nele Neuhaus versprach aber keine Besserung – zur Freude ihrer Leser. Stattdessen kündigte sie für Herbst einen neuen Roman an. Und nicht nur das: „Ich habe noch genug Stoff für eine ganze Menge weiterer Krimis.“

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Facebook | Twitter überregional | Google+