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18. Januar 2013

Bildband Flörsheim: Blitzlichter in die Vergangenheit

 Von Jöran Harders
Nachrichten aus der Siedlung am Südring werden über den Fernsehkanal K 4 verbreitet.  Foto: Michael Schick

Flörsheims Vergangenheit: Ein neuer Bildband versammelt regionale Schätze aus der Frühzeit der Fotografie. Kurt Wörsdörfer hat die alten Fotografien zusammengetragen.

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Vorsichtig nimmt Kurt Wörsdörfer ein Blatt Papier in die Hand, das mehr als hundert Jahre alt ist. Auf dem Papier ist die Flörsheimer Riedschule zu sehen; es handelt sich um ein Foto von Edmund Lill, das dieser kurz nach dem Bau der Schule im Jahr 1912 aufgenommen hat.

Vier Fotografien Lills hat Wörsdörfer im Rahmen der Recherche für sein Buch „Die Menschen, der Ort, die Zeit“ wiederentdeckt, das in der Reihe „Geschichte vor Ort“ erschienen ist. Für diesen Band hat er Bilder aus der Frühzeit der Fotografie zusammengetragen, die einen Bezug zu seiner Heimatstadt Flörsheim haben. Die Aufnahmen Edmund Lills sind aus künstlerischer Sicht besonders wertvoll. Der aus Hannover stammende Fotograf hat das Äußere, die Klassenräume und das Treppenhaus des Schulgebäudes im Stil der Neuen Sachlichkeit in Szene gesetzt. Die angewandte Fototechnik − die Abzüge sind im Kollodiumverfahren auf Salzpapier entstanden − sei zum Zeitpunkt der Entstehung eigentlich schon veraltet gewesen, erklärt Wörsdörfer. Das von dem englischen Adligen William Henry Fox Talbot ab Mitte der 1830er Jahre entwickelte Verfahren liefert vergleichsweise kontrastarme Fotografien, die aber eine ganz besondere Ästhetik haben. Lill hat auf diese Weise viele Bauten von Walter Gropius fotografiert.

Teurer Spaß

Ein weiterer fotografischer Schatz für Architekturinteressierte sind die Bilder des Wehrs und der Schleuse bei Flörsheim, die wie die Fotos der Riedschule in Wörsdörfers Buch zum ersten Mal veröffentlicht worden sind. Während der gelernte Schriftsetzer und Mediengestalter die meisten Fotografien von Privatleuten und vom Heimatverein bekommen hat, stammen die Bilder des Wehrs und der Schleuse aus der Sammlung des Architekturmuseums der Technischen Universität in Berlin. Bei einem großen Teil der in dem Band versammelten Fotos handelt es sich um Porträts von Soldaten.

Konnten es sich wegen der hohen Preise für Fotografien im 19. Jahrhundert zunächst nur Offiziere leisten, sich ablichten zu lassen, begannen um 1900 auch einfache Soldaten sich fotografieren zu lassen. Anlässe waren Beförderungen, ein Heimaturlaub oder der Marschbefehl. Ein Jahr lang hat Wörsdörfer für sein Buch Fotos gesammelt und recherchiert. Die Fülle des zu Tage gekommenen Materials hat ihn selbst überrascht. Statt der 120 Seiten des Bildbands hätte er, wie er sagt, „locker auch 500 bis 600 füllen können“. Die ältesten Fotos, die Wörsdörfer gefunden hat, stammen aus dem Besitz der Familie Thomas: ein Porträt des späteren Ratsschreibers Peter Thomas aus dem Jahr 1865 und ein Gruppenbild, das die gesamte Familie zeigt und das 1869 in Mainz aufgenommen wurde. Erst etwa ab 1927 mussten die Flörsheimer nicht mehr nach Mainz, Rüsselsheim oder Frankfurt fahren, wenn sie sich fotografieren lassen wollten. Zu dieser Zeit eröffnete Paul Flesch in Flörsheim sein „photografisches Atelier“.

Kurt Wörsdörfer: Die Menschen, der Ort, die Zeit. ISBN 978-3-9815118-1-9. 120 Seiten, 19,80 Euro.

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