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Erdwärme-Projekt: Blick in warme Tiefen

Seismische Messungen liefern Daten für ein mögliches Erdwärme-Kraftwerk auf der Rhein-Main-Deponie in Flörsheim. Von Franziska Richter

Bohrmeister Michael Butzbach bohrt nach Erdwärme.
Bohrmeister Michael Butzbach bohrt nach Erdwärme.
Foto: FR/Surrey

Für ein paar Sekunden brummt die Erde unter den Schuhen, erst ganz schwach, dann immer stärker. Schuld daran ist ein Fahrzeug, das seismische Wellen in den Boden sendet. Es steht auf dem Gelände der Rhein-Main Deponie (RMD) in Flörsheim-Wicker, beobachtet von rund 100 Bürgern, Stadtverordneten, Mitgliedern aus Ortsbeiräten und Vertretern der Gesellschaften, die das Projekt Geothermie unterstützen: Neben der RMD sind dies die Überlandwerke Groß-Gerau (ÜWG), die Stadt Wiesbaden, die Wiesbadener ESWE Versorgungs AG sowie die Juwi Holding AG.

Sie alle haben ein Ziel: Ein Erdwärme-Kraftwerk, das in ein paar Jahren bis zu 7200 Haushalte in der Region mit Strom und Unternehmen mit Wärme versorgt. "Der Ausbau erneuerbarer Energien ist unstrittig", sagt Gerd Mehler, Geschäftsführer der RMD. Dazu zähle auch das, was aus der Erde komme. " Doch wir müssen erst einmal sehen, wie es in der Erde aussieht", sagt er. Das koste die Beteiligten pro Gebiet, das zurzeit untersucht wird, eine Millionen Euro. Drei dieser Erlaubnisfelder wurden genehmigt.

Ein Abbild des Bodens

Für eine Machbarkeitsstudie sind nun Messungen notwendig, bei denen bis zu fünf Kilometer tief seismische Wellen in die Erde gesendet werden. Aus dem, was zurückkommt und von speziellen Geräten - den Geophonen - erfasst wird, kann ein Abbild des Bodens erstellt werden: über Schichten, Brüche, die Zusammensetzung. Warum diese Region für ein Erdwärme-Kraftwerk geeignet ist, weiß die Geologin Silke Bißmann von der DMT GmbH, die die Messungen durchführt: "Entlang des Oberrheingrabens gibt es eine Anomalie: Bereits in drei bis fünf Kilometer Tiefe haben wir hier Temperaturen von bis zu 180 Grad."

Für ein Erdwärme-Kraftwerk würden wiederum wasserführende Schichten gesucht, damit das Kraftwerk das heiße Wasser zur Strom- und Wärmegewinnung raus- und später wieder in die Erde zurückpumpen könne.

Die seismischen Messungen sollen demnach Erkenntnisse darüber liefern, welcher der beste Standort für ein Kraftwerk wäre. Frühestens könnte dies im Jahr 2013 gebaut werden, so Marc André Glöckner, Sprecher der ÜWG. Vier der weißen Spezialfahrzeuge, die aussehen wie zwei miteinander verbundene Riesentraktoren, werden in den kommenden Wochen die Messungen in der Region Groß-Gerau, Darmstadt-Dieburg und im Main-Taunus-Kreis durchführen.

In Hochheim und Flörsheim wird auf der B 40 zwischen Weilbach und Hochheim und parallel zum Wickerbach gemessen. Weitere Strecken im Erlaubnisfeld der Juwi sind zwischen Kelkheim und Hattersheim oder Lorsbach und Rödelheim. "Die Bewohner werden rechtzeitig informiert", sagt Glöckner von der ÜWG.

Trotzdem gibt es Bürger, die sich Sorgen machen, etwa, was Messungen in der Nähe von Gewächshäusern angeht. Sie werden beruhigt: Es gebe von den Kommunen vorgeschriebene Mindestabstände zu Gebäuden, die eingehalten werden müssten. Notfalls werde die Intensität der Wellen reduziert.

Autor:  Franziska Richter
Datum:  22 | 2 | 2010
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