Sie sind Pioniere – in Hofheim und weit darüber hinaus. Dass an einer Schule, die ihre Schüler nach den Prinzipien der italienischen Reformpädagogin Maria Montessori in jahrgangsgemischten Gruppen unterrichtet, das Abitur abgelegt werden kann, ist einzigartig in ganz Hessen. Elf junge Leute haben das jetzt am Hofheimer Montessori-Zentrum geschafft. „Wir sind unglaublich stolz“, sagt Schulleiterin Ulrike Molter-Nawrath. „Das ist für uns der Beweis, dass das System Montessori funktioniert. Bis hin zur Hochschulreife.“
Die Ergebnisse der Montessori-Abiturienten können sich sehen lassen. Jahrgangsbester ist Elias Böker mit einem Notendurchschnitt von 1,5. Der Abischnitt aller Schüler liegt bei 2,2 . Die Fachhochschulreife haben vier weitere Schüler erlangt. Gut die Hälfte in der Klassenstufe 13 waren Quereinsteiger, haben nicht von Anfang an die Hofheimer Montessori-Schule besucht. In den kommenden Jahrgängen wird sich das ändern. In der neuen 11. Klasse gibt es nur noch einen freien Platz, 13 Montessori-Schüler wechseln im Herbst aus der zehnten Klasse in die Oberstufe.
Zu den Hofheimer Montessori-Pionieren, die jetzt das Abitur in der Tasche haben, zählt Lars Bergmann (20). Er hat schon das Montessori-Kinderhaus besucht, später die Grundschule, danach die integrierte Gesamtschule bis Klasse 10. „In der Oberstufe sind wir zu einer eingeschworenen Gemeinschaft geworden“, erzählt er. „Wir waren die ersten, konnten uns an niemandem orientieren, wussten nicht, was auf uns zukommt.“
Ähnlich erging es den rund 20 Lehrkräften, die an der Montessori-Oberstufe unterrichten. Jahrgangsgemischte Lerngruppen auch in Klasse elf und zwölf sind eine Rarität in der deutschen Bildungslandschaft, Grund- und Leistungskurs parallel in einer Klasse zu unterrichten eine pädagogische Herausforderung. Am Ende hat es doch gut funktioniert. „Wir konnten fast alle Leistungskurse, die die Schüler sich gewünscht haben, anbieten“, sagt Oberstufenleiterin Ulrike Stähler.
Kooperation mit Gymnasium
Organsatorische Unterstützung während der vergangenen drei Jahre und in der Prüfungsphase des Zentralabiturs erhielt die private Montessori-Schule vom staatlichen Main-Taunus-Gymnasium. Die Zusammenarbeit mit einer Regelschule sei verpflichtend, sagt Molter-Nawrath. Erst wenn drei Jahrgänge erfolgreich das Abitur abgelegt haben, bekommt die Montessori-Oberstufe die staatliche Anerkennung.
Wenn morgen die elf Abiturienten ihre Zeugnisse erhalten, sind bei der Abschlussfeier auch jene Schülerinnen und Schüler dabei, die in diesem Jahr den Haupt- oder Realschulabschluss geschafft haben. Ziel der Schule sei es, Bildungsabschlüsse möglichst lange offen zu halten, sagt Molter-Nawrath. Von den neun Hauptschulabsolventen werden acht weiter für den Realschulabschluss lernen, 13 der 21 Realschulabsolventen wechseln zum kommenden Schuljahr in die gymnasiale Oberstufe.

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