Lange haben Befürworter und Gegner darauf gewartet: Gestern hat das Büro Proprojekt den Eschborner Stadtverordneten sein Gutachten vorgelegt, in dem es im Auftrag der Stadt eine kostengünstigere Lösung für die geplante Erneuerung von Rathaus und Stadthalle errechnen sollte.
89 Millionen Euro hatte der Sieger des Architektenwettbewerbs, das Büro AP-Plan aus Stuttgart, veranschlagt. „Doch das war eine Berechnung mit Gürtel und Hosenträgern“, sagte Proprojekt-Geschäftsführer Hanskarl Protzmann bei der Präsentation.
Auf 73 Millionen Euro kalkuliert er nun nach seinem „Stresstest“ – so der Titel des Gutachtens – den kompletten Neubau des gesamten Gebäudekomplexes. „Und der Entwurf leidet dabei nicht“, verspricht Protzmann.
Allerdings haben er und seine Mitarbeiter einige Abstriche gemacht. So gehen sie von einer etwas geringeren Baufläche aus – statt einer Bruttogeschossfläche von 17.700 Quadratmetern setzen sie 16.900 Quadratmeter an. Das würde faktisch lediglich 20 Zentimeter kleinere Büros und zehn Zentimeter schmalere Flure bedeuten, so Hanskarl Protzmann.
Außerdem hat sein Büro die Tiefgaragenstellplätze gegenüber dem AP-Plan-Entwurf von 250 auf 150 reduziert und empfiehlt Trockenbauwände statt mobiler Trennwände. Und auch einige Extras werden gestrichen. So war in den ursprünglichen Plänen ein Fitnessraum vorgesehen.
Es sei sogar möglich, die Kosten auf 68 Millionen Euro zu drücken, stellte Protzmann in Aussicht – durch weitere Flächenreduzierung, weniger Aufzüge und Treppenhäuser oder eine kleinere Bühnentechnik für die Stadthalle. „Das müssen wir im Einzelfall analysieren“, kommentierte Bürgermeister Wilhelm Speckhardt (CDU) die Vorschläge.
Er geht davon aus, dass aufgrund der neuen Berechnungen Kosten von „70 Millionen Euro realistisch sind“. Noch wichtiger sei aber eine andere Zahl, die das Proprojekt-Büro errechnet hat: Danach würde ein Teilneubau, wie ihn die Bürgerinitiative „Kein Rathausabriss“ fordert, 68,7 Millionen Euro kosten. Zudem sei ein kompletter Neubau schneller zu machen, sagte Hanskarl Protzmann. Ansonsten müsse man wieder ganz von vorn mit einem neuen Architektenwettbewerb starten. Das würde sicher ein Jahr zusätzlich dauern. „Deshalb empfehlen wir den Neubau“, fasst er das Ergebnis des Gutachtens zusammen. Das biete eine „objektive Grundlage für die weitere Diskussion“, lobte Stadtrat Thomas Ebert (Grüne). Seine Fraktion hatte die Neukalkulation durchgesetzt und im schwarz-grünen Koalitionsvertrag verankert.
Die Bürgerinitiative fordert hingegen die Sanierung des Rathauses bei einem Neubau der Stadthalle. Sie beruft sich auf ein Gutachten des Büros Jourdan & Müller, in dem die Sanierung als deutlich günstiger und schneller beurteilt werde. Dabei habe es sich nur um einen „Entwurf“ gehandelt, so Rathauschef Speckhardt. Eine überarbeitete Fassung des Jourdan-Gutachtens ist nun den Stadtverordneten zugegangen. Die Eschborner stimmen am 22. April in einem Bürgerentscheid über das Thema ab.

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