Es fühlt sich mehlig an und schmeckt ätzend. Einen gehäuften Esslöffel muss jeder der Jungs im Mund behalten. Und einfach ausspucken sagt sich nur leicht, denn dabei entzündet sich vor dem Mund ein Feuerball. Wohl fühlen Kevin, Justin und Jan sich vor ihrer ersten Probe als Feuerspucker nicht in ihrer Haut.
Die Paul-Maar-Schule in Flörsheim feiert ihren zehnten Geburtstag mit einer großen Zirkusaufführung. Auf dem Pausenhof steht groß und blau ein echtes Zirkuszelt, in der Manege trainieren die Grundschüler für ihren Auftritt. Gerade einmal vier Tage haben die Sechs- bis Zehnjährigen Zeit, um Zaubertricks, Seiltanz, Jonglage oder Clownerie einzustudieren.
Öffentliche Vorstellungen des Zirkus Samseloni sind am Freitag, 28. Mai, um 14 und 17 Uhr, und am Samstag, 29. Mai, um 11 und 14 Uhr.
Das Zirkuszelt steht auf dem Pausenhof der Paul-Maar-Schule, Werner-von Siemens-Straße 20, in Flörsheim. Der Eintritt kostet für Kinder 2 Euro und für Erwachsene 4 Euro. (gf)
Im Main-Taunus-Kreis hat die Paul-Maar-Schule eine Sonderstellung. Sie ist die Grundschule, die vom Ausbau des Flughafens am härtesten getroffen wird. Gerade einmal 250 Meter hoch werden die Maschinen dann im Landeanflug auf die Nordwestbahn über das Gebäude hinwegdonnern.
Wie in der Sauna
Schon jetzt ist der Geräuschpegel eine Zumutung. "Im Sommer ist es in einigen Klassen wie in der Sauna", sagt Lehrerin Christiane Tauber. Die Fenster müssten wegen des Lärms geschlossen bleiben, eine Klimaanlage gebe es nicht - ebensowenig wie Lärmschutzfenster. "Es ist nervig", sagt Tauber, schon jetzt, wo die Flieger noch nicht so tief fliegen.
Als die Grundschule in den 1990er Jahren für die wachsende Bevölkerung im Neubaugebiet geplant wurde, war vom Ausbau des Flughafens noch nichts bekannt. Die ersten Boten des Flughafenausbaus spürt die Schule schon jetzt. "Viele ziehen weg", sagt Tauber.
Möglicherweise hat der Gegner Lärm ein Zusammenrücken zur Folge: Denn mit ungewöhnlichem Engagement realisieren Eltern, Lehrer und Schüler gemeinsam das Projekt Zirkus Samseloni. Selbstverständlich treiben die Eldern Gelder und Sponsoren für das 8000 Euro teure Projekt auf. Selbstverständlich haben alle beim Zeltaufbau am Pfingstmontag mitangepackt und ebenso selbstverständlich unterstützen auch alle die Proben. "Alle sind in den Bann gezogen", sagt Tauber.
Professionell angeleitet werden die Kinder dabei von ausgebildeten Artisten. Sie lernen über Glasscherben zu laufen, lassen Stoff-Hasen verschwinden oder turnen unter der Zirkuskuppel am Trapez. Dabei gewinnen die Kinder nicht nur mit jeder bestandenen Feuertaufe an Selbstbewusstsein.
Unter den Schülern, die in jahrgangsübergreifenden Gruppen gemeinsam trainieren, entsteht darüber hinaus ein ganz neues Zusammengehörigkeitsgefühl. Bei jeder Darbietung in der Manege brandet spontan von den anderen Schülern Applaus auf. Und wenn etwas misslingt, lacht keiner. Stattdessen gibt es einen aufmunternden Puff: "Du bist mein Zirkusbruder."

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