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Flörsheim: Netzwerk für die Wende

Um Initiativen für regenerative Energien zu bündeln, hat der Kreis mit Partnern das „Hessisches Anwendungszentrum für Erneuerbare Energien“ gegründet.

        

Energie-Standort: das Biomassekraftwerk  in Wicker.
Energie-Standort: das Biomassekraftwerk in Wicker.
Foto: Monika Müller
Flörsheim –  

Die Rhein-Main-Deponie in Flörsheim-Wicker soll zum hessischen Vorzeigestandort für erneuerbare Energien werden. Einen wichtigen Beitrag dazu soll der Verein „House of Clean Energy“ leisten (deutscher Name: „Hessisches Anwendungszentrum für Erneuerbare Energien“), den der Erste Kreisbeigeordnete Hans-Jürgen Hielscher (FDP) gestern gemeinsam mit 13 Partnern aus Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft ins Leben gerufen hat.

Deponie Wicker

Die Rhein-Main-Deponie in Wicker ist in den letzten Jahren zum Großproduzenten von Öko-Strom geworden.

Ein Biomassekraftwerk wandelt jährlich 120.000 Tonnen Altholz in Strom um – ausreichend um eine Stadt mit 70.000 Einwohnern zu versorgen.

Das Deponiegaskraftwerk nutzt die Zersetzung des Hausmülls, Biomüll wird in einer Vergärungsanlage in Biogas umgewandelt und eine Photovoltaik-Anlage mit 7.330 Modulen produziert den Strombedarf von 300 Haushalten.

„Wir wollen konkrete Initiativen für regenerative Energien bündeln“, erläuterte Hielscher das Konzept des Vereins. Dabei gehe es auch explizit um zusätzliche Marktpotentiale für hessische Unternehmen aus der Branche, so Hielscher. Als Beispiel führte er das Unternehmen Bosch-KWK an, das auf der Deponie erst vor wenigen Monaten eine sogenannte ORC-Anlage errichtet hat, die die Abwärme von Maschinen in Strom umwandelt.

„Wir sehen da ein riesiges Potential“, sagt Helmut Ziegler aus der Geschäftsführung der Firma, die zu den Mitbegründern des neuen Vereins gehört. Denn in Deutschland werde doppelt so viel Wärme erzeugt wie verbraucht. Die kann dann in Energie umgewandelt werden.

Insgesamt biete die Deponie in Wicker auf ihren 80 Hektar „so viele Anwendungen regenerativer Energien, wie man sie kaum sonst irgendwo findet“, lobte Roman Osada. Er ist Chef der Gesellschaft für Kooperations- und Projektmanagement in Marburg und wird gemeinsam mit den RMD-Geschäftsführern Gerd Mehler und Markus Töpfer auch die Geschäfte des neuen Vereins führen – „ehrenamtlich’“, wie Hans-Jürgen Hielscher betonte. Er selbst bildet gemeinsam mit Kurt Hunsänger von der Energieversorgung Offenbach (EVO) und Ulf Theilen von der TU Mittelhessen den Vorstand.

Über große finanzielle Möglichkeiten verfügt das „House of Clean Energy“ noch nicht. Das Eigenkapital beträgt 24.000 Euro. Allerdings seien auch weitere Institutionen und Unternehmen eingeladen, sich an dem Verein zu beteiligen. Der begreift sich denn auch in erster Linie als Netzwerk. Um das zu etablieren will das „House of Clean Energy“ am 12. Januar einen großen Kongress mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft im Hofheimer Kreishaus veranstalten. Aber die Verantwortlichen helfen auch, innovative Ideen umzusetzen. „Wer möchte, kann unser Know -how und unsere Infrastruktur nutzen“, sagt Gerd Mehler.

Eine Form der regenerativen Energie wird es aber in Flörsheim nicht zu sehen geben: Windräder. „Untersuchungen haben gezeigt, dass im Main-Taunus-Kreis nicht genug Wind weht“, sagt Hans-Jürgen Hielscher zu dem politisch umstrittenen Thema. Aber wenn Investoren einen entsprechenden Antrag stellen, werde der „natürlich nach Recht und Gesetz geprüft“.

Autor:  Torsten Weigelt
Datum:  7 | 10 | 2011
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