Thorsten Schäfer-Gümbel, Vorsitzender der hessischen SPD, wird laut. Er muss gegen den Lärm anreden, den ein landendes Flugzeug über Flörsheim gerade verursacht. Er spricht davon, dass die Anwohner mehr vor Lärm geschützt, die An- und Abflugwinkel verändert werden müssten. Es gelte die Mediation vollständig umzusetzen. Die Vorsitzende der Main-Taunus-SPD, Nancy Faeser, nickt. Die kleine Gruppe aus Anwohnern und Parteimitgliedern drum herum bibbert still am Montagabend in der Neubausiedlung an der Rheinallee.
Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) ist froh, dass überhaupt jemand aus Wiesbaden gekommen ist. „In ihm haben wir einen Mitstreiter für das Nachflugverbot“, sagt er. „Jedes Gespräch ist ein Erfolg.“ Aus der Landesregierung lässt sich in Flörsheim schon lange keiner mehr blicken. Nur Hessens SPD-Chef Schäfer-Gümbel kommt. Er ist zum dritten Mal zu Besuch, um sich den Fluglärm anzuhören. Eine halbe Stunde davor war er in Raunheim. Auch dort dröhnen die Flieger. An diesem Abend sogar etwas lauter als in Flörsheim, meint er.
Das Grunddilemma sei die in fünf Bestandteile aufgesplittete Mediation. „Sie hätte ein Paket sein müssen, das bis zur Eröffnung der Landebahn steht.“ Jetzt helfe nur noch eine zweite Mediation, bei der die Flörsheimer zusammen mit Verantwortlichen von Fraport, der Airlines und Politikern an einem Tisch säßen. Auch am bundesweiten Luftverkehrsrecht müsse man schrauben.
Lärm mache Menschen aggressiv. Aber irgendwo müsse es eben eine Infrastruktur geben, sagt er. Mehr Lärm sei dennoch nicht zumutbar. „Die Grenze des Wachstums ist erreicht.“ „Schluss mit lustig“ habe er zu den Fraport-Vorständen gesagt. Er halte die geplante Erhöhung der Flugbewegungen bis 2020 für unrealistisch, er sehe eine Chance neu zu verhandeln, wo Flugkorridore verlaufen.
Gegen Schließung der Bahn
Schäfer-Gümbel spricht sich für eine Ausweitung der Casa-Zone aus, dem Gebiet, in dem die Fraport den Bürgern ihre Häuser abkauft. „Casa II muss kommen.“ Die Kosten für die Entschädigungsleistungen sollten Hessen, Fraport und die Stadt Frankfurt übernehmen. Mit der Resolution aus dem Flörsheimer Stadtparlament geht er dagegen nicht gänzlich konform. Alle Parteien wollen die Landebahn geschlossen sehen. „Diese Position machen wir uns nicht zu eigen“, sagt Schäfer-Gümbel. Ganz zufrieden ist Sotiria Doulkeridis (38) damit nicht. Sie wohnt mit ihrem Mann und dem elfjährigen Sohn in der Rheinallee und ist spontan zum Politiker-Tross dazugestoßen. Sie will nicht wegziehen, hätte aber zumindest gerne die Möglichkeit, ihre 2004 gekaufte Wohnung ohne Verluste abzugeben.
„Das müssen Sie wissen, ob Sie hier leben können“, sagt Schäfer-Gümbel. Doulkeridis möchte abwarten, was das Bundesverwaltungsgericht zum Nachtflugverbot entscheidet. Sie findet es gut, überhaupt angehört zu werden. So gesehen mache der kurze Besuch des Landespolitikers ein wenig Mut. „Die Stimmung ist besser als vor einem Jahr“, bemerkt Antenbrink. Doch: „Mit dem, was von der Landespolitik kommt, kann man als Flörsheimer eigentlich nie zufrieden sein.“

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