Zwei, drei Kinder pro Klasse - mehr sind es nicht. Doch auf sie haben Schulleiterin Heidi Renker und ihr Team ein besonderes Augenmerk: "Wir machen hier in Marxheim Angebote für hochbegabte und hochleistende Kinder", sagt die Pädagogin. "nicht nur die schwachen Schüler wollen wir individuell unterstützen, sondern auch denen etwas anbieten, die besonders motiviert sind und ihre Aufgaben rasch erledigen." Vor kurzem wurde der Marxheimer Grundschule das Gütesiegel Hochbegabtenförderung verliehen. Dafür gibt es Geld vom Land und in diesem Jahr erstmals 300 Euro vom Main-Taunus-Kreis.
Längst gebe es auch in der Grundschule keine heterogenen Lerngruppen mehr, weiß Heidi Renker. Die Leistungsbereite der Sechs- bis Zehnjährigen sei groß. Viele ABC-Schützen könnten bereits lesen und schreiben, der eine oder andere rechne gar schon im Tausenderbereich. "Es gibt begabte Kinder, die sind zwar unauffällig, brauchen aber mehr Herausforderungen, um im Unterricht gut voranzukommen", sagt Renker. Andere seien ängstlich bemüht, nicht zu zeigen, dass sie mehr könnten und entwickelten sich zu "Underachievern": Ihre Leistungen liegen weit unter dem Klassendurchschnitt. Und es gibt die, die auffallen, weil sie aus Langeweile den Unterricht stören.
Ein IQ ab 130 muss im Intelligenztest erreicht werden, um als hochbegabt zu gelten. Rund zwei Prozent der Schüler eines Jahrgangs erreichen diesen Wert.
Fünf Schulen tragen im Main-Taunus-kreis das Gütesiegel Hochbegabtenförderung: Die Südwestschule in Eschborn , die Heiligenstockschule und die Marxheimer Grundschule in Hofheim; die Mendelssohn-Bartholdy-Schule in Sulzbach und das Main-Taunus-Gymnasium in Hofheim.
Informationen hat die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern des Main-Taunus-Kreises in Schwalbach, Telefon 06196/6592360. (aro)
Viele können mehr
Für alle potenziell guten Schüler gibt es jetzt mehr "Lernfutter" an der Marxheimer Grundschule: Schüler, die ihre Aufgaben flott erledigt haben, bekommen im normalen Unterricht Zusatzmaterial; wer leicht lernt, wird ermuntert, schwächeren Mitschülern zur Hand zu gehen. Darüber hinaus sind jahrgangsübergreifende "Forderstunden" eingerichtet: Schreibwerkstatt und Theatergruppe, ein Knobelangebot für fixe Mathematiker und Experimentierkurse für naturwissenschaftlich Interessierte. Englisch wird in einem bilingualen Programm bereits ab Klasse eins unterrichtet, Viertklässler können Latein und Italienisch lernen.
Die Zusatzangebote seien nicht nur für die Kinder, die als hochbegabt getestet sind, betont Heidi Renker. Es könnten alle teilnehmen, die Spaß am Lernen haben und mehr wollen, als im Unterricht angeboten wird. Seit Hochbegabtenförderung ein Schwerpunkt im Schulprogramm ist, hat ein Drittel des Lehrerkollegiums eine Fortbildung absolviert. Zusammengearbeitet wird auch mit dem Zentrum für Hochbegabung in Frankfurt und mit anderen Schulen, die das Gütesiegel tragen.
Für jedes Kind werde ein Forderplan in kleinen Schritten ausgearbeitet, vergleichbar dem Förderplan für schwache Schüler. Die Gefahr, dass übermotivierte Eltern ihre Kinder in AGs und Zusatzstunden drängten und ihnen damit zu viel zumuteten, hält Renker für gering: "Man erkennt sehr schnell, ob ein Kind von sich aus motiviert ist oder nicht. Da wählen wir sorgfältig aus."

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