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01. September 2010

Hochbegabte Kinder: Intelligent, aber einsam

 Von Claudia Horkheimer
Auftaktveranstaltung zum Thema Hochbegabtenberatung Foto: Monika Müller

Das Albert-Einstein-Gymnasium in Schwalbach geht neue Wege in der Hochbegabtenförderung. Dabei geht es auch um sie soziale Isolation von besonders intelligenten Kindern.

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Hochbegabt

Hochbegabte Kinder brauchen ständig neue Anregungen, sonst sind sie schnell gelangweilt. Sie sind wissbegierig, haben eine Affinität zu Älteren und oft Ideen und Fragen, die ihr Alter übersteigen.
Dürfen hochbegabte Kinder soviel fragen, lesen, lernen, experimentieren, wie es ihren Bedürfnissen entspricht, haben sie in der Regel nicht mehr Probleme als andere Kinder auch.
Um als hochbegabt zu gelten, muss in einem Test ein Intelligenzquotient von mindestens 130 nachgewiesen sein. Zwei Prozent der Bevölkerung erreichen diesen Wert.
Intelligenztests bieten unter anderem der Verein Mensa (www.mensa.de) oder die Süddeutsche Zeitung (www.sueddeutsche.de) an. Mensa testet ausschließlich Kinder ab 14 Jahren, jüngere müssen zum Psychologen.
Infos im Internet: Mensa-Seite für Frankfurt und die umliegenden Gebiete: frankfurt.mensa.de; Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind: www.dghk.de; Hochbegabtenzentrum der Volkshochschule Frankfurt: www.hochbegabtenzentrum.de cho

Hochbegabung erkennt man nicht an guten Schulnoten. Im Gegenteil. Weil sich hochintelligente Kinder oftmals im Unterricht langweilen, wirken sie desinteressiert, machen Flüchtigkeitsfehler oder legen das typische Zappelphillipsyndrom an den Tag. Ganz nach der Devise: Warum soll ich mich für eine Eins ins Zeug legen, wenn ich ohne Mühe auch eine Zwei haben kann?

Annette Dimpl, Musiklehrerin der Albert-Einstein-Schule in Schwalbach, kennt die Probleme aus eigener Erfahrung. Deshalb macht sie sich für hochbegabte Schüler an ihrem Gymnasium stark und führt eine wöchentliche Beratungsstunde ein. „Obwohl die Mehrheit von ihnen meist mit dem Schulalltag ganz gut zurecht kommt, bereitet die soziale Isolation jedoch oftmals Probleme, sagt“, berichtet die 51-Jährige. „Das Gefühl, etwas stimmt nicht mit mir, ist immer da.“

Wichtig ist ihr, sich an alle Schüler zu wenden, egal ob hochbegabt oder nur am Thema interessiert, sagt sie. Dimpl versteht sich als eine Vermittlerin, die den Schülern zur Seite stehen will und sie gegebenenfalls an die entsprechenden Förderstellen verweisen kann. Es sei wichtig, die eigenen Fähigkeiten einordnen zu können.

Intelligenztests geplant

Zum Auftakt des neuen und laut Schulleiterin Anke Horn im Kreis einmaligen Angebots fand am Dienstag ein Informationstag für Schüler und Eltern statt. Laut Horn bieten bislang vor allem Grundschulen Hochbegabtenförderung an. Neu sei an der Beratung außerdem, dass sie speziell auf den einzelnen Schüler ausgerichtet sei. „Wir wollen nicht nur die Begabung ansprechen, sondern auch die Isolation.“

Im nächsten Schritt ist geplant, mit interessierten Schülern einen Intelligenztest durchzuführen. Hierzu kooperiert die Einstein-Schule mit Mensa, dem nach eigenen Angaben weltweit größten Verein für hochbegabte Menschen. Dieser bietet anlässlich des internationalen Tages der Intelligenz am 19. September in 50 verschiedenen deutschen Städten preisermäßigte Intelligenztests für Kinder ab 14 Jahren an.

Der Hamburger Schauspieler Thorsten Kreissig, selbst Mensa-Mitglied, hat zum Aktionstag mit seiner Klappmaulpuppe Mindy bei den Schülern für das Thema Hochbegabung geworben. Die Aktion in der großen Pause, zu der viele Schüler kamen, wertete er als Erfolg, obwohl der Informationsgehalt im Lärm unterging. Trotzdem versprechen sich Horn und Dimpl zunächst eine hohe Nachfrage unter den Eltern, die oftmals von ihren Kindern überfordert seien. Sie schätzen, dass etwa fünf Prozent der 1500 Einstein-Schüler hochbegabt sind.

Als Hochintelligent gelten Menschen mit einem Intelligenzquotienten ab 130. „Es gibt immer wieder Schüler, die scheitern, obwohl wir vermuten, dass sie hochbegabt sind“, sagt Horn. Für die Soll Dimpls Angebot als Auffangnetz fungieren. Dabei gehe es jedoch nicht darum, flächendeckend IQ-Tests einzuführen. Auch hält die Schulleitung nichts davon, die Kinder zu separieren. Denn denen sei ihre Begabung oftmals unangenehm, manche wollten es gar nicht wahrhaben, sagt Dimpl. „Manchmal führt es sogar zu Mobbing in der Klasse“, sagt Kreissig. „Andere wiederum sind dankbar, wenn ich sie darauf anspreche“, berichtet Dimpl.

Kriterien, an denen sie hochintelligente Kinder erkennt, seien ihre besonders brillanten Ideen. Und dass die Kinder von selbst auf Antworten kämen oder Fragen stellten, die ihrem Alter weit voraus seien, womit sie dann ihre Altersgenossen langweilen und überfordern würden.

Dimpl plant , die Zusammenarbeit mit Hochbegabten-Verbänden zu forcieren sowie Lehrerfortbildungen anzubieten oder Angebote für Schüler zu machen.

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