Wir wollen richtig viele Plakate gegen Fluglärm aufhängen – 200, 300 – in der ganzen Stadt“, sagt Rolf Fritsch, Gründungsmitglied des Vereins Gegenwind 2011. Bei der Bürgerversammlung in der Georg-Hofmann-Halle ist die Wand hinter dem Podium am Mittwochabend mit Gegenwind-Plakaten dicht behängt. „Stop Fluglärm hört unsere Stimmen“ ist darauf zu lesen, „Jeder Tiefflug ist ein Angriff auf Menschen“ und „Lügen, Lärm und Lobbyisten“.
Rund 700 Menschen sind zur Bürgerversammlung gekommen. Es gibt nur ein Thema: den Fluglärm über Hochheim, der seit Inbetriebnahme der Nordwestbahn drastisch zugenommen hat. Um 1,4 Kilometer sei die Anflugroute näher an die Wohnbebauung herangerückt, sagt Ernst Willi Hofheim, der die Stadt in der Fluglärmkommission vertritt. „Das macht sich rabiat bemerkbar.“
Vor allem die Hochheimer Südstadt wird bei Ostwind in geringer Höhe überflogen. Dort, am Rande der Weinberge, wohnt auch Rolf Fritsch mit seiner Familie. Die Jets donnern im Landeanflug über seinen Garten. „Das kann’s ja wohl nicht für immer sein“, fand der Unternehmer und ging zu einem Treffen, zu dem die Hochheimer und Flörsheimer Winzer Mitte November eingeladen hatten, um Aktionen gegen den stark gestiegenen Fluglärm zu beraten. Kurz darauf wurde der Verein Gegenwind 2011 gegründet, in dem sich neben Weinbauern und Unternehmern aus Hochheim, Flörsheim, Mainz und Wiesbaden auch Rechtsanwälte, Richter und Ärzte engagieren.
„Wir wollen Nachdenklichkeit erzeugen, den Leuten etwas an die Hand geben, wenn sie zu Demonstrationen gehen“, sagt Rolf Fritsch. Plakate werden kostenlos abgegeben, Banner kosten 20 Euro. Die Stadt Hochheim stellt dafür Stadtwappen und Logo zur Verfügung, gleiches will Flörsheim tun.
Außer Gegenwind engagieren sich in Hochheim auch die Bürgerinitiative Flörsheim-Hochheim, die Widema und der Hochheimer Verein für Lebensqualität gegen den Fluglärm. Die immer wieder erhobene Forderung auch an diesem Abend: Stilllegung der Nordwestbahn, weniger Flugbewegungen tagsüber und ein generelles Nachtflugverbot von 22 bis 6Uhr.
„Ich hasse diese Flugzeuge“, sagten immer wieder Schüler, die unausgeschlafen zum Unterricht kämen, weil die Flieger bis tief in die Nacht über ihren Wohnhäusern dröhnten“, berichtet der Schulleiter der Weinbergschule, Peter Hartwig.
Vor allem die Kinder aus der Südstadt seien betroffen. Die ersten Familien wollten bereits aus Hochheim wegziehen. „Wir sind aufgefordert, etwas zu tun.“

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