Wenn das Besteck über Kreuz liegt, wird der Teller nicht abgeräumt.“ Der Kellner sagt es eher beiläufig, die Schülerin reagiert sofort. Sorgfältig rückt sie Messer und Gabel auf ihrem Teller zurecht, sodass sie parallel liegen. Die Vorspeise – Bruschetta, geröstetes Knoblauchbrot, geschwenkt in Olivenöl mit frisch gehackten Tomaten, Oliven und Kräutern – sei lecker gewesen, sagt die Zwölfjährige. Ihren Klassenkameradinnen hat’s auch geschmeckt.
„Mal so fein essen zu gehen, ist echt toll“, findet Vanessa (11). Hin und wieder ist die Schülerin schon mit ihren Eltern in eleganten Restaurants gewesen. Heute sitzt sie mit 21 anderen Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule am Rosenberg an einer festlich gedeckten Tafel im Hotel am Rosenberg. Es ist das Abschlussdinner eines ganz besonderen Kurses. „Knigge für Kids und Jugendliche“ heißt er, angeboten hat ihn Giovanna Doldo, die im Freizeithaus der Schule als Sozialpädagogin arbeitet. Realschüler der zehnten Klasse haben im Wahlpflichtunterricht daran teilgenommen, für Sechstklässler war der Kurs ein Freizeitprojekt, in dem sie ein Schulhalbjahr lang gutes Benehmen gelernt haben.
Um klassischen Drill sei es im Kniggekurs keineswegs gegangen, sagt Giovanna Doldo, sondern um Benimm- und Anstandsregeln für den Alltag. „Darauf kommt es heute genauso an wie vor 30 Jahren.“ Gutes Benehmen wurde dabei nicht nur fürs Bewerbungs- oder Vorstellungsgespräch trainiert, auch Tischmanieren standen auf dem „Stundenplan“. Wie deckt man den Tisch für ein Vier-Gang-Menü? Welches Besteck verwendet man wofür, und wo stehen die Gläser? Alles Dinge, die die Schülerinnen und Schüler im Kniggekurs bei Giovanna Doldo gelernt haben. Am Montagabend durften sie selbst Gäste sein und zeigen, dass sie sich auch in einem feinen Restaurant zu benehmen wissen. Elegant gekleidet kamen die Mädchen und Jungen ins Hotel Am Rosenberg, durften Platz nehmen an der mit Blumen und Kerzen gedeckten Tafel und von weißem Porzellan speisen.
Run auf neuen Benimm-Kurs
Ein Anblick, der für Hotelchef Uwe Stelter keineswegs alltäglich ist. „Kinder kommen nicht so häufig zu uns zum Essen“, sagt er. Allenfalls beim sonntäglichen Brunch seien sie mit ihren Eltern dabei. „Aber da geht es legerer zu als bei einem gesetzten Essen.“
Ein mediterranes Menü hatte die Küchencrew für die Rosenberg-Schüler komponiert – mit südländischem Tomatencreme-Süppchen, überbackenem Goldbrassenfilet, Schweinemedaillons vom Grill und Mövenpick-Creme Vanilla mit Erdbeergeschmack.
Am Tisch lümmeln, mit offenem Mund kauen, laut lachen – keiner der Knigge-Schüler gibt sich diese Blöße. Auch wenn manchem Jugendlichen die Aufregung anzumerken ist, alle wissen sich perfekt zu benehmen.
Fürs kommende Schuljahr hat Giovanna Doldo bereits 32 Anmeldungen für den neuen Knigge-Kurs. „Die Kinder haben Spaß dran“, hat sie festgestellt. „In der Gruppe zu lernen, funktioniert einfach am besten.“

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