Main-Taunus
Lokal-Nachrichten aus dem Taunus

04. Dezember 2012

Hofheim: Seniorenresidenz im Plan

 Von Torsten Weigelt
Im Juni 2013 sollen im Altenheim am Schwarzbachweg die ersten Bewohner einziehen. Foto: peter-juelich.com

Am Schwarzbach entsteht ein neues Alten- und Pflegeheim für mehr als 100 Menschen. Dabei gibt es im Main-Taunus-Kreis jetzt schon ein Überangebot an Pflegeplätzen.

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Wir haben das Gebäude nun auch von oben dicht bekommen“, sagte Holger Johannesmann. Sehr zur Freude der Gäste, die gestern zum Richtfest der Seniorenresidenz Hofheim in den Schwarzbachweg gekommen waren. Während draußen der Schnee rieselte, konnte der Technische Leiter der Lindhorst-Gruppe im Inneren des künftigen Alten- und Pflegeheims verkünden, dass die Bauarbeiten bislang problemlos verlaufen seien. „Die Eröffnung ist für Juni 2013 geplant“, teilte Johannesmann mit.

Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD) lobte vor allem das „offene Konzept“ des Investors. So sind auch die Senioren aus der Umgebung eingeladen, zum Mittagessen oder Kaffeetrinken vorbeizukommen. Aus diesem Grund wird es in der Seniorenresidenz Hofheim keinen Speisesaal geben, sondern ein „Restaurant“, wie Dieter Prothe von der Lindhorst-Tochter Mediko betonte, die das das Alten- und Pflegeheim betreiben wird.

Derweil erinnerte Stang noch einmal an den langwierigen Auswahlprozess. Ende 2009 war der Vertrag mit dem ersten Investor Ingenium geplatzt, weil der nicht den entsprechenden Finanzierungsnachweis lieferte. „Doch nun sind wir mit dem Ergebnis glücklich“, so Stang. Noch nicht einmal Anwohnerproteste wegen der Bauarbeiten habe es gegeben – obwohl das Gebäude auf einem engen Grundstück mitten zwischen Wohnhäusern entsteht.

Sicher alt werden

„Die Menschen in Hofheim sollen vor Ort sicher alt werden können“, begrüßt die Bürgermeisterin die geplanten 93 Einzel- und sechs Doppelzimmer für insgesamt 105 Bewohner. Jedes Zimmer erhält ein eigenes Bad. Und außer dem Restaurant wird im Gebäude auch ein Friseursalon seine Dienste für Bewohner und auswärtige Kunden anbieten.

„Wir müssen eben zeigen, dass wir gut sind“, macht sich Dieter Prothe keine Sorgen, die Zimmer belegen zu können. “50 Personen stehen schon auf unserer Liste“, teilte Kerstin Hofmann mit, die die Hofheimer Einrichtung leiten wird. Und sie ist zuversichtlich, auch genug Personal zu finden. Vorausschauend stellt Lindhorst in den Heimen in Flörsheim und Hattersheim derzeit über Bedarf ein. Ein Teil der Mitarbeiter soll dann nach Hofheim wechseln.

Hofheim, Kriftel, Eschborn – im Main-Taunus-Kreis werden fleißig neue Seniorenheime errichtet und geplant. Und das, obwohl es jetzt schon ein Überangebot an stationären Pflegeplätzen gibt. Das weist der Altenhilfeplan 2012 aus, den der Erste Kreisbeigeordnete Hans-Jürgen Hielscher (FDP) nun vorgelegt hat. Danach gab es 2011 einen Überhang von 80 Plätzen. Und für 2020, wenn die neuen Gebäude stehen, rechnet die Kreisverwaltung sogar mit 386 Pflegeplätzen mehr als nötig.

„Das ist kritisch zu sehen“, sagt Michael Poenitz von der Fachstelle Allgemeine Seniorenhilfe, die den Bericht erstellt hat. Sozialdezernent Hielscher sieht sogar schon die eine oder andere Pleite voraus. „Einige Einrichtungen dürften in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten“, mahnt er. Wobei es weniger die neuen Heime treffen wird als Häuser, die schon in die Jahre gekommen sind. „Die bestehenden Angebote müssen sich attraktiver machen“, fordert Michael Poenitz. Der Kreis könne aber nicht mehr tun als informieren, wehrt FDP-Politiker Hielscher weitergehende Forderungen ab – und wolle es auch nicht. Es gälten die Regeln der Marktwirtschaft.

Zu wenig Betreutes Wohnen

Zumal der demografische Wandel Investoren genug andere Betätigungsfelder bietet. So fehlen immer noch vielerorts Angebote für Betreutes Wohnen. Aktuell gibt es im Kreis neun entsprechende Wohnanlagen mit 405 Wohnungen. Doch der Bedarf sei deutlich höher, weiß der Erste Kreisbeigeordnete. „Die meisten Menschen möchten so lange wie es geht in den eigenen vier Wänden bleiben und dort ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen.“

Doch wer wird sich um sie kümmern? Hans-Jürgen Hielscher erwartet einen „eklatanten Fachkräftemangel“. Die Löhne seien einfach zu niedrig, um Menschen für den Beruf zu motivieren. „Der Gesetzgeber muss den Beruf attraktiver machen“, fordert er. Laut Altenhilfeplan wird die Bevölkerung im Main-Taunus-Kreis bis zum Jahr 2020 weiter wachsen und bis 2030 wieder auf das heutige Niveau sinken. Allerdings werden die Menschen dann im Schnitt deutlich mehr Jahre auf dem Buckel haben. Besonders beeindruckend ist die Prognose bei den Über-90-Jährigen: Ihre Zahl wird sich nach den Berechnungen bis 2030 um 159,8 Prozent erhöhen.

Deshalb hat der Kreis in den vergangenen Jahren sein Beratungsangebot ausgeweitet. 2011 haben es 550 Pflegebedürftige und deren Angehörige genutzt. In elf von zwölf Kreis-Kommunen gibt es inzwischen Seniorenberatungsstellen – einzige Ausnahme ist Eppstein.

Den Altenhilfeplan kann man ab sofort im Landratsamt bestellen – unter Telefon 06192/2011468 oder per E-Mail an seniorenhilfe@mtk.org.

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