Ziemlich kahl sieht es derzeit auf der Orgelempore in der Langenhainer Kirche aus. Nur das leere Holzgehäuse der Weigle-Orgel steht noch dort − sämtliche Pfeifen wurden ausgebaut, um die Orgel, die bereits seit 1977 stillgelegt ist, nun endlich wieder zum Klingen zu bringen. Die Orgelbaufirma Scheffler aus Jacobsdorf hat alle noch vorhandenen Teile des Instruments, das 1909 in ein vorhandenes barockes Gehäuse eingebaut worden ist, mitgenommen und mit der Restaurierung begonnen.
Die wird, weil das Instrument so lange nicht gespielt worden ist und auch teilweise demontiert war, vergleichsweise aufwendig, wie Orgelrestaurator Christian Scheffler erklärt. 116.000 Euro hat der Fachmann für die Arbeiten veranschlagt, die Ende Oktober abgeschlossen sein sollen. Die Gemeinde sammelt nun fleißig Spenden. Dank einer großen Zuwendung der Sparkassen-Kulturstiftung und mehrerer Spenden von Langenhainer Vereinen sind bereits 71.000 Euro zusammengekommen.
Zuletzt haben unter anderem die Kerbegesellschaft, die Chöre des Gesangvereins 1844 und die Gymnastikfrauen der TGS einen Teil zur Finanzierung des ambitionierten Projekts beigetragen. Dass sich die Restaurierung der historischen Orgel lohnt, steht für Christian Scheffler außer Frage: „Es gibt genügend erhaltene Instrumente der Firma Weigle, die die hervorragende Qualität dieser Orgeln beweisen.“ Die Weigle-Orgel in Langenhain bezeichnet er als ein schönes Beispiel für eine deutsche romantische Orgel, die zwar „technisch nicht ganz unkompliziert, dafür aber klanglich hochinteressant“ sei. Den „leuchtenden, transparenten Klang“ eines solchen besonderen Instruments vergleicht Scheffler mit der Wirkung eines gelungenen Aquarells.
Somit verfügt die Langenhainer Kirche nach der Restaurierung über einen musikalischen Schatz. Und angesichts des Preises für eine annähernd vergleichbare neue Orgel ist die Wiederherstellung sogar günstig − eine neue würde mindestens das Doppelte kosten. Billiger wäre nur eine elektronische Kirchenorgel.
Eine solche tut in Langenhain bisher Dienst. Wie zuvor die Weigle-Orgel ist sie im barocken Orgelgehäuse installiert worden. Um Platz für den Lautsprecher zu schaffen, hat man damals einen Teil der Pfeifen ausgebaut und, wie Scheffler anmerkt, „unsachgemäß eingelagert“. Ebenfalls nicht optimal gelagert, aber immerhin aufgehoben, wurde der Spieltisch einschließlich der beiden Klaviaturen; erhalten geblieben sind außerdem die Registerstaffeleien und die Orgelbank.
Einige der Einzelteile haben die vergangenen 35 Jahre auf dem Dachboden der Kirche verbracht und dort ziemlich unter den Temperaturschwankungen gelitten. Andere Teile sind verloren gegangen und müssen rekonstruiert werden. Nur noch wenige Gemeindemitglieder können sich laut Pfarrerin Susan Genthe daran erinnern, die Weigle-Orgel einmal spielen gehört zu haben. Wie alle anderen Gemeindemitglieder freut sich Genthe nun auf den ersten Ton des wertvollen Instruments.
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