Alles beginnt mit dem Suchtsack. Er geht herum und jeder Schüler greift hinein. Was die 13- und 14-Jährigen aus dem roten Stoffbeutel zutage fördern hat immer etwas mit Sucht zu tun: Eine leere Schnapsflasche, ein Zigarettenpäckchen, ein Maßband und sogar eine Pralinenschachtel kommen zum Vorschein. Dann muss jeder der Reihe nach etwas zu "seinem" Gegenstand sagen.
"So kommen wir mit den Jugendlichen ins Gespräch", erklärt Melanie Fuchs von der Fachstelle für Suchtprävention im Main-Taunus-Kreis. Die Gegenstände dienen als Transportmittel, um Informationen zu vermitteln - auch darüber was legal oder illegal ist.Dabei ist in der achten Klasse offenbar die Welt noch in Ordnung. "Das Gros der Schüler hat noch kein Erfahrungen mit Alkohol gemacht", sagt Petra Fuchs, Sozialarbeiterin an der Freiherr-vom-Stein-Schule in Eppstein. Dort läuft derzeit in Zusammenarbeit mit der Fachstelle für Suchtprävention und dem Verein Jugendberatung und Jugendhilfe der Projekttag "Bist du stärker als Alkohol?"
Laut einer bundesweiten Studie zeigen acht Prozent der zwischen Zehn- und Zwanzigjährigen ein "äußerst riskantes Alkoholkonsummuster", das sich im regelmäßigen Trinken und im Verzehr von Hochprozentigem äußert. "Jugendliche trinken heute schneller und hochprozentiger", sagt Forgas. Dafür werde jedoch insgesamt weniger getrunken als noch vor 20 Jahren.
Um die Schüler für das Thema zu sensibilisieren hat Forgas ein drei Stationen umfassendes Programm entwickelt, das sie in dieser Form erstmals in Eppstein anwendet. Weitere Schulen im Kreis sollen folgen. Solche Projekte sowie Elternabende sind fester Bestandteil der Arbeit der Suchthilfe. Eine der drei Stationen ist die bei den Kids beliebte Rauschbrille. Sie simuliert, wie ein Mensch mit 0,5 bis 1,2 Promille im Blut die Welt wahrnimmt. Als zweites lernen die Schüler die Promillezahl anhand des Alkoholkonsums und Körpergewichts auszurechnen. In der dritten Station wird das Pro und Kontra des Trinkens diskutiert. "Alkohol macht locker"; "mit Alkohol traue ich mich zu tanzen oder ein Mädchen anzusprechen" - das sind typische Gründe, die für den Konsum genannt werden. Als negativ erleben Jugendliche hingegen den Verlust der Körperkontrolle.
Für eine effektive Suchtprävention ist laut Fuchs die Einbindung der Eltern wichtig. "Die haben in dieser Altersstufe noch mehr Einfluss als sie denken." Deshalb wünscht sie sich, dass Eltern öfter Stellung zum Alkoholkonsum ihrer Kinder beziehen und ihre Vorbildfunktion wahrnehmen würden.

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