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16. Januar 2013

Kelkheim: Wie Juden heute leben

 Von 
Eine Schülerin betrachtet die ausgestellten Fotografien.  Foto: Michael Schick

Der Frankfurter Fotograf, Rafael Herlich hat in der Eichendorffschule eine Ausstellung zum Thema "Jüdisches Leben im Dialog" eröffnet. Die Idee zu der Ausstellung ist von einer Schülerin aus der neunten Klasse gekommen.

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Wie ein Fremdkörper sieht der junge Soldat in seinem Tarnanzug und mit der roten Mütze aus, der da mitten in der reich verzierten Synagoge steht. Er betet. „Das ist ein Jude bei der deutschen Bundeswehr“, erklärt Rafael Herlich sein Foto. Es ist eines von 50 Bildern, die der jüdische Fotograf aus Frankfurt zwei Wochen lang im Foyer der Eichendorffschule in Münster zeigt. Gestern eröffnete Herlich die Ausstellung mit dem Titel „Jüdisches Leben im Dialog“, die er bereits in einigen anderen Schulen in der Region aufgebaut hat.

Die Bilder stammen aus seinem Bildband „Weiterleben – Weitergeben“ und zeigen jüdisches Alltagsleben: Jugendliche beim Fußballspielen, Frauen beim Kochen, Schüler in einer jüdischen Schule, eine Beschneidung, Soldaten und Feste. Zu jedem Bild gibt es eine kurze Beschreibung.

„Geschichte darf nicht vergessen werden“

Ein Foto seiner Großeltern habe ihn zu dem Bildband bewegt, sagt Herlich. Deshalb habe er ihnen den Band gewidmet. „Es ist das einzige Bild, das von meiner ganzen Familie übriggeblieben ist“, sagt der 58-Jährige.

Auch er hat Verwandte durch den Holocaust verloren, möchte mit seiner Ausstellung aber nicht zurück, sondern in die Gegenwart blicken.

Bei den Schülern der Eichendorffschule kommt das gut an. In der großen Pause drängen sich Vertreter aller Jahrgänge vor den Fotos. „Ich finde das Thema sehr interessant“, sagt Schülerin Sabrina Haas. So aufbereitet habe sie es selten gesehen. Vor allem die Stellung der Frauen im Judentum interessiere sie. „Geschichte darf nicht vergessen werden“, sagt ihre Freundin Ariane Göhringer, beide sind 17 Jahre alt. Auch der 17-jährige Schüler Claas Völker bleibt eine ganze Weile vor den Fotos stehen und diskutiert mit seinen Kumpels darüber. „Ich finde, die Bilder sind sehr treffend“, sagt er. „Sie sind eine Erinnerung daran, dass Juden ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur sind.“

Die Befreiung des KZ Auschwitz

Die Idee, Rafael Herlich nach Münster einzuladen, kam von einer Schülerin aus der neunten Klasse, die das Thema im Unterricht sehr bewegt hatte, erklärt Lehrer Roland Struwe, der den Kontakt zu dem Fotografen hergestellte. „Sie hat einen Zeitungsartikel über Herlichs Bilder gesehen und mich gefragt, ob wir auch bei uns mal eine Ausstellung machen könnten“, sagt er. Als Sponsor konnte der Rotary-Club Kelkheim gewonnen werden.

Den Zeitraum habe er bewusst in den Januar gelegt, da am 27. Januar der Befreiung des KZ Auschwitz gedacht wird, sagt Struwe. Die Verfolgung der Juden in Deutschland hat er mit seinen Schülern im Geschichtsunterricht bereits ausgiebig besprochen. Mit der Ausstellung soll ihnen das Judentum noch einmal näher gebracht werden.

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