Wie kommen die Kliniken des Main-Taunus-Kreises wieder aus den roten Zahlen? Tobias Kaltenbach soll helfen. Der Aufsichtsrat der Klinik hat ihn als externen Berater verpflichtet, um die Krankenhäuser in Hofheim und Bad Soden zu durchleuchten und Sparvorschläge zu machen.
Allerdings sorgt der Name des Beraters in der Belegschaft für erhebliche Bauchschmerzen. Oder besser: seine frühere Tätigkeit. Denn Kaltenbach hat 16 Jahre lang für den privaten Klinik-Betreiber Asklepios gearbeitet – davon dreieinhalb Jahre als Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung.
„Er ist kein Freund von Tarifverträgen“, schildert Jens Ahäuser, Tarifexperte der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in Hessen, seine Erfahrungen mit dem Klinikmanager. Auch er macht sich Sorgen, dass die Folgen der Finanznot der Main-Taunus-Kliniken auf dem Rücken der Arbeitnehmer ausgetragen werden könnten. Bei Asklepios verdienen Krankenschwestern deutlich weniger als in kommunalen Krankenhäusern – und auch die Quote an ungelernten Hilfskräften und Leiharbeitern ist höher.
„Herr Kaltenbach soll eine umfassende Analyse der Strukturen und Abläufe liefern“, sagt Landrat Michael Cyriax (CDU), der gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Main-Taunus-Kliniken ist, zu der Kritik an dem externen Berater. „Dabei geht es nicht nur um Stellenpläne.“
Außerdem sei das „Zukunftskonzept“, das Kaltenbach erstellen soll, nur ein Baustein für die Weiterentwicklung der Kliniken. „Es wird nicht automatisch eins zu eins umgesetzt.“ Und Cyriax verspricht: „Die Mitarbeiter werden in die Entwicklung der Pläne eingebunden.“
Bis Ende Februar soll Tobias Kaltenbach sein Konzept erarbeiten. Anschließend werden Aufsichtsrat und Geschäftsführung darüber beraten und es gegebenenfalls ändern. Dass Kaltenbach darüber hinaus eine Funktion in den Main-Taunus-Kliniken übernimmt, schließt Cyriax aus. Ein ebenso „klares Nein“ erteilt er Spekulationen, wonach die Berufung Kaltenbachs ein Signal in Richtung Privatisierung sei. „Der Kreis wird die Kliniken als kommunales Krankenhaus erhalten und festigen“, sagt er zu. Das ist bislang auch Konsens unter den Politikern im Kreistag.
Die werden sich am Montag, 12. Dezember, mit den Folgen der Finanzklemme an den Kliniken beschäftigen. Denn um das aktuelle Defizit von rund sechs Millionen Euro auszugleichen, will Cyriax für den Haushalt 2012 die Kreisumlage um zwei Prozentpunkte erhöhen. Zahlen müssen dafür Städte und Gemeinden. Ursprüngliche Pläne, das Minus im Kliniketat durch den Verkauf von Anteilen am Energieunternehmen Süwag zu decken, die sich im Besitz der Kliniken befinden, hatte der Kreistag verhindert.

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