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13. Dezember 2012

Kronberg Taunus: Die Taunusmuddi - eine Realsatire als Song

 Von Martina Propson-Hauck
Sängerin Felizia Wagschal mit Familie und Freunden als Statisten im Video, das in Kronberg gedreht wurde. Foto: Privat

Felizia Wagschal und ihre Freunde verarbeiten Wohlstandsklischees bissig in Song und Video: Als Kritik wird das Lied im Taunus offenbar nicht wahrgenommen. Im Gegenteil: Angeblich ist "Taunusmuddis" bereits zu einer Partyhymne aufgestiegen.

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Felizia Wagschal und ihre Freunde verarbeiten Wohlstandsklischees bissig in Song und Video: Als Kritik wird das Lied im Taunus offenbar nicht wahrgenommen. Im Gegenteil: Angeblich ist "Taunusmuddis" bereits zu einer Partyhymne aufgestiegen.

Kronberg –  

Felizia Wagschal ist ziemlich im Stress. Die 28 Jahre alte Studentin muss ihre Masterarbeit abgeben, und alles geht mal wieder schief. Den Gesprächstermin verschiebt sie immer wieder – doch dann ist es endlich geschafft. Der „Medienskandal Christian Wulff“ – so der Titel ihrer Abschlussarbeit im Fach Politische Kommunikation – ist fertig und abgegeben.

Aber bis Weihnachten kann sie sich jetzt nicht einfach ausruhen. Zusammen mit ihren Freunden Erik und Tobias (beide wollen lieber nicht mit ihrem Nachnamen in der Zeitung erscheinen) schwimmt sie gerade auf einer so nicht vorhersehbaren Welle des Erfolgs: Vor drei Wochen haben die in Berlin lebenden ehemaligen Kronberger mit ihrem Projekt „Nicht so laut, die Nachbarn“ den Song „Taunusmuddi“ auf das Internet-Videoportal Youtube gestellt – und bereits an die 20.700 Klicks bekommen. Jetzt wollen sie nachlegen und noch vor Weihnachten ein weiteres Projekt produzieren. Einen „typischen Weihnachtssong, aber eben nicht typisch“ – mehr verrät Erik nicht.

Zwischendurch vernaschen sie den Lehrer

Das Lied von der „Taunusmuddi“ ist eine böse Parodie auf den vielbeschworenen Taunuswohlstand nicht berufstätiger Mütter mit dickem SUV und „Polenputze“, die das Frühstück mit „Kaviar, Schappes und Chantré“ beginnen und ein wenig Wohltätigkeit dadurch betreiben, dass sie ihre abgelegten Ralph-Lauren-Klamotten einfach spenden.

Darauf stoßen sie an, die „Taunusmuddis“ in dem Video. Zwischendurch vernaschen sie den Cellolehrer (Achtung: nicht ganz jugendfrei!) und verklagen den Schönheitschirurgen, weil das Brustimplantat dabei platzt. Das Ganze ist spitzzüngig formuliert, mit einer eingängigen Melodie unterlegt und mit einem Video vermittelt, das erkennbar an Kronbergs Schauplätzen wie dem Berliner Platz, in der Altstadt, an der Streitkirche und in privaten Häusern spielt.

Sängerin Felizia singt im pinkfarbenen Kostüm mit Hut und Handtasche, während ihre Kumpel als grünes Lacoste-Krokodil und roter Hummer alle Wohlstandsklischees illustrieren. Felizia ist behütet in Kronberg aufgewachsen. „Mir geht es gut, aber ich bin nicht reich“, sagt sie. „Ich habe in Kronberg aber auch viele andere Leute kennengelernt, die eben einfach mehr haben.“ 2004 haben sie und ihre beiden Freunde an der AKS Abitur gemacht, auf der Abifeier sind sie bereits gemeinsam aufgetreten. Einige Jahre lang haben sie sich aus den Augen verloren, im Studium dann wiedergetroffen.

Auf die Idee zu dem Song kamen sie durch einen Zeitungsartikel in der FAZ über „Golfen, Reiten, Gutes tun“ im Taunus. Die ersten Textentwürfe stammen von Felizia, gemeinsam haben die drei daran gearbeitet. Tobias hat die Musik gemacht, Erik, der Kommunikationstechnologie studiert, hat das ganze produziert.

Die ersten wollen Aufkleber für die "Hausfrauenpanzer"

Freunde und Familie haben beim Videodreh im vergangenen Sommer in Kronberg das Trio unterstützt. Die „Message“ in nur fünf Strophen plus Refrain zu verpacken, sei extrem schwierig gewesen, sagt sie. Und was ist die Botschaft? Da zaudert Felizia ein wenig: „Viele geben ja auch viel ab von ihrem Reichtum, aber manche tun das eben doch mehr aus Eigennutz und um sich zu präsentieren.“ Das klingt im Song glücklicherweise viel weniger diplomatisch. Aber schließlich müssen ihre Eltern auch weiterhin in Kronberg leben. Pikierte Reaktionen habe sie bislang noch nicht bekommen.

Humor und Satire kommen offenbar auch in gewissen Kreisen richtig gut an: So melden sich auf der Facebook-Seite der Gruppe bereits „Taunusmuddis“, die ihren SUV (vulgo "Hausfrauenpanzer") gern mit einem Aufkleber des Titels zieren wollen. Über die Produktion solcher Aufkleber will Erik jetzt ernsthaft nachdenken. Der besten Satire entzieht man vermutlich den Boden, wenn man sie ganz einfach zum „Kult“ erklärt. So sollen wohlhabende Kronberger Kids dem Vernehmen nach den Song bereits zur schrillen Partyhymne erkoren haben.

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