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Main-Taunus-Kreis: Die Bundeswehr auf Schulbesuch

Jugendoffizier Gerret Hohmann ist regelmäßiger Gast in den Main-Taunus-Schulen. Werbung für die Truppe - oder lediglich politischer Unterricht? Von Claudia Horkheimer

Junge Rekruten bei der Bundeswehr.
Junge Rekruten bei der Bundeswehr.
Foto: dpa

Die Tür des Panzers ist 20 Meter weit ins Gelände gesprengt worden, das Bundeswehrfahrzeug durch die Detonation völlig zerstört. "Was mit den Insassen geschehen ist, kann man sich denken", sagt Jugendoffizier Gerret Hohmann. Da brauche er keine Bilder von abgetrennten Gliedmaßen oder blutigen Leichen zu zeigen, um zu demonstrieren, dass ein Auslandseinsatz der Bundeswehr "nicht rosig" ist.

Hohmann war im vergangenen Jahr 120 mal in Schulen im Main-Taunus, Hochtaunus, RheingauTaunus, Kreis Groß-Gerau und in Wiesbaden unterwegs, um Jugendliche ab Klasse zehn im Politikunterricht über die Arbeit der Bundeswehr zu informieren. "Objektiv" und immer darauf bedacht, verschiedene Perspektiven zu zeigen, wie er betonte. Im Vordergrund stehe die Aufklärung über sicherheitspolitische Fragen oder Auslandseinsätze.

Dennoch regt sich Widerstand gegen solche "Einsätze" in Schulen. Die Linksjugend wand sich in einem offenen Brief an die Schulen des Kreises gegen eine Kooperation mit der Bundeswehr. Denn die präsentiere sich als "vermeintlich sicherer" Arbeitgeber. Derzeit wird im Landtag über Rahmenvereinbarungen zur Arbeit der Jugendoffiziere in Schulen debattiert. Es gehe darum, bekannter zu machen, dass Lehrer die Möglichkeit haben, Jugendoffiziere in den Unterricht zu holen, sagte Hohmann. SPD, Linke und Evangelische Kirche kritisieren dies.

Für Hohmann ist das nicht nachvollziehbar. Hier würden verschiedene Dinge in einen Topf geworfen. Zum einen die Arbeit der Jugendoffiziere, die im Unterricht über Sachthemen informieren, und zum anderen die Nachwuchswerber, die über den Arbeitgeber Bundeswehr informieren, um Nachwuchs zu rekrutieren. "Das muss man klar trennen."

Die Schulen handhaben den Umgang mit der Truppe derzeit ganz unterschiedlich. Im Mittelpunkt steht jedoch meist die Einbindung in den Unterricht, wenn sich dies aus aktuellem Anlass anbietet. Darüber können Lehrer dem Vernehmen nach individuell entscheiden. Allerdings ist die Nachfrage offenabr eher gering.

In der Albert-Einstein-Schule in Schwalbach war seit drei Jahren kein Jugendoffizier mehr, und man strebe derzeit auch keine Kooperation an, sagte Schulleiterin Anke Horn. In der Freiher-vom-Stein-Schule in Eppstein ist der letzte Besuch sogar 25 Jahre her. Die Lehrer hätten sich geändert, und man müsse heute die Diskussion führen, dass jemand, der sich verpflichtet, in einen Bereich kommen könne, wo er einer Gefahr ausgesetzt sei, sagte Schulleitungsmitglied Reinhard Martin.

Kein Thema ist die Bundeswehr bislang in der Eschborner Heinrich-Kleist-Schule. Jedoch würde einer Kooperation nichts entgegenstehen, wenn dies thematisch sinnvoll sei, so Schulleiter Adnan Shaikh.

Dagegen kommt in der Heinrich-Böll-Schule in Hattersheim regelmäßig ein Infomobil auf den Pausenhof. Schulleiter Karl-Werner Hildebrandt findet es bei der heutigen Arbeitsmarktsituation wichtig, Jugendlichen auch diese Berufsmöglichkeit zu eröffnen. Schließlich handle es sich um eine staatliche Institution und nicht um eine Taliban-Einrichtung.

Autor:  Claudia Horkheimer
Datum:  22 | 5 | 2010
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