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Main-Taunus: Wenn der Geist aufgibt

Eine Demenzerkrankung ist anfangs von Vergesslichkeit kaum zu unterscheiden. Ist die Krankheit fortgeschritten, sind Angehörige oft überfordert. Eine gute Anlaufstelle ist die Fachstelle Demenz. Von Andrea Rost

Wer mit einem dementen Menschen zu tun hat, braucht Informationen - über das Krankheitsbild, über Symptome, Diagnose und Therapie, sagt Manfred Schnabel von der Fachstelle Demenz des Caritasverbandes Main-Taunus.
"Wer mit einem dementen Menschen zu tun hat, braucht Informationen - über das Krankheitsbild, über Symptome, Diagnose und Therapie", sagt Manfred Schnabel von der Fachstelle Demenz des Caritasverbandes Main-Taunus.
Foto: dpa

Es begann damit, dass die alte Frau jeden Tag mehrmals ihr Portemonnaie suchte. Ihre Mappe sei weg, sagte sie, weil ihr das passende Wort nicht einfiel. Mal fand sich die Geldbörse zwischen Holzscheiten im Keller wieder, ein anderes Mal lag sie im Kühlschrank. Diebe hätten ihr das Portemonnaie gestohlen, sagte die Frau. "Es ist nicht meine Schuld." Den Satz wiederholte sie, bis ihn keiner mehr hören konnte.

Später fielen ihr die Namen ihrer Kinder und Enkel nicht mehr ein. Sie verwechselte Termine, wusste nicht, welcher Wochentag war, wirkte unsicher, ängstlich, mal tieftraurig und dann wieder wütend und aggressiv.

Netzwerk Demenz

Die neue Webseite des Netzwerks kann unter www.netzwerk-demenz-mtk.de aufgerufen werden.

Die Fachstelle Demenz wird vom Kreis pro Jahr mit 45.000 Euro gefördert. Geld geben auch die Pflegekassen und die Caritas. Kontakt: 06192/293434.

Das Netzwerk Demenz ist ein

Zusammenschluss von Fachleuten,

Angehörigen und Beratungsstellen.

In der Startphase wurde es als Modellprojekt vom Land unterstützt. (aro)

Das Kochen und Backen hatte sie aufgegeben; früher zählte es zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Auch zur Kaffeerunde mit den Freundinnen ging sie nicht mehr. Sie habe keine Lust dazu, behauptete sie. Und wurde immer einsamer.

Ein schleichender Prozess

An Demenz zu erkranken, ist ein schleichender Prozess. Die ersten Symptome sind von einer normalen Altersvergesslichkeit oft schwer zu unterscheiden. Ist die Krankheit fortgeschritten, schwanken Familie und Freunde häufig zwischen dem Wunsch zu helfen und schlichter Überforderung, wenn der Alltag wieder einmal komplett aus den Fugen geraten ist.

"Wer mit einem dementen Menschen zu tun hat, braucht Informationen - über das Krankheitsbild, über Symptome, Diagnose und Therapie, über Möglichkeiten der Betreuung und darüber, inwieweit die Pflegekassen finanzielle Unterstützung leisten", sagt Manfred Schnabel von der Fachstelle Demenz des Caritasverbandes Main-Taunus. Seit knapp einem Jahr gibt es all diese Informationen im Kreis aus erster Hand. Das Netzwerk Demenz richtete damals eine eigene Fachstelle in Hofheim ein, wo Betroffene und Angehörige Rat und Hilfe finden.

Jetzt informiert das Netzwerk auch im Internet. Mit Hilfe der Frankfurter Breuer-Stiftung wurde eine Webseite zusammengestellt - mit Hintergrundinformationen, praktischen Tipps und Angaben zu den lokalen Angeboten im Kreis.

3600 Menschen leiden aktuell im Main-Taunus-Kreis an Demenz. 2030 werden es doppelt so viele sein. 80 Prozent der dementen Menschen werden zu Hause gepflegt. Die 23 ambulanten Pflegedienste leisteten ganze Arbeit, sagt Brigitte Hissnauer, persönliche Referentin von Sozialdezernent Hans-Jürgen Hielscher (FDP). Dazu gebe es Tages- und Kurzzeitpflegeplätze. Und Pflegeheime hätten sich auch im stationären Bereich auf die Betreuung dementer Menschen eingerichtet.

Die Hoffnung, dass Demenz zu heilen ist, wenn sie früh erkannt wird, ist noch Zukunftsmusik. "Da gibt es noch keine Pille dagegen", sagt Klaus-Peter Reetz, Chefarzt der Geriatrischen Klinik im Main-Taunus-Kreis. Der Krankheitsverlauf lasse sich aber stabilisieren und ein klein wenig aufhalten. "Wenn man weiß, wie man mit dementen Menschen umgeht."

Autor:  ANDREA ROST
Datum:  26 | 11 | 2009
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