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30. November 2012

Medico Palais Bad Soden: Streit ums Medico Palais geht weiter

 Von Andrea Rost
Seit 1983 gehört das Medico Palais der Stadt. Sieben Ärzte praktizieren darin. Foto: Michael Schick

Die Sanierung des Medico Palais soll Millionen kosten. Bürgermeister Altenkamp (CDU) will nun die Notbremse ziehen. Die Ärzte, die ihre Praxen in dem historischen Gebäude haben, befürchten, dass sie ausziehen müssen. Die Vermietung kostet die Stadt Geld.

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Knapp 7,7 Million Euro müssen in die Sanierung des 100 Jahre alten Medico Palais hinter dem Alten Kurpark in den kommenden zehn Jahren gesteckt werden; allein 700.000 Euro sind für Reparaturen fällig, die innerhalb der kommenden Monate erledigt werden müssen. 2,7 Millionen Euro hat die Stadt, der das Jugendstilgebäude gehört, seit 2008 bereits investiert, unter anderem um den Brandschutz auf Vordermann zu bringen.

Diese Zahlen hat das Architekturbüro Drees & Sommer jetzt im Auftrag der Stadt vorgelegt, und beispielhaft für das Jahr 2011 ausgerechnet, dass die Vermietung des ehemaligen Burgberginhalatoriums an sieben Ärzte und Praxisbetriebe kein Geschäft war, sondern den Bad Sodener Haushalt mit weit mehr als 400.000 Euro belastet hat.

Bürgermeister Altenkamp (CDU) will nun die Notbremse ziehen. Er schlägt dem Parlament vor, fürs Erste nur noch die für die Sicherheit notwendigen Investitionen im Medico Palais vorzunehmen und die Frage, was mit dem Gebäude weiter geschehen soll, im Zuge des Stadtentwicklungskonzepts, das das Büro Albert Speer und Partner derzeit für die Kurstadt erstellt, zu beraten. Verschoben werden soll damit auch der geplant Umzug einer der Praxen vom Erdgeschoss ins erste Obergeschoss.

Sturm der Entrüstung

Mit der aus seiner Sicht „unspektakulären Beschlussvorlage“ hat der Verwaltungschef einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Oppositionsparteien und Ärzte gehen auf die Barrikaden und befürchten, dass hinter der Entscheidung, zunächst kein Geld mehr ins Medico Palais zu stecken, keineswegs nur die Absicht stehe, den Haushalt zu schonen, sondern, wie die Fraktion der Bad Sodener Bürger vermutet, CDU und SPD bereits im Hinterzimmer beschlossen hätten, das Gebäude künftig als Rathaus zu nutzen.

Jugendstilarchitektur macht den besonderen Reiz aus.
Jugendstilarchitektur macht den besonderen Reiz aus.
Foto: Michael Schick

Ähnliches befürchtet der Mediziner Ulrich Kühne, der eine dermatologische Praxis im Medico Palais betreibt. Schon 2008 sei Altenkamp mit der Idee, die Stadtverwaltung im Rathaus unterzubringen und das Ärztezentrum auf das jetzige Rathauskarree zu verlegen, vorgeprescht. „Mit uns Ärzten hat damals niemand gesprochen“, sagt Kühne. „Was wir brauchen, ist Transparenz und Planungssicherheit.“ Kühnes Frau Margit Tappeiner, die Architektin ist, hat im Auftrag der Ärzte die Kalkulationen des von der Stadt beauftragten Büros nachgerechnet und „lücken- und fehlerhafte Annahmen“ entdeckt.

Unter anderem seien weder die hohen Investitions- noch die veranschlagten Planungskosten nachvollziehbar. Und viele der Umbauten wären nur bei einem Nutzerwechsel nötig, schreibt Kühne in einer Stellungnahme. Er befürchtet, dass das Gutachten ein Art Präjudiz sein könnte, die Praxis-Verträge, die bis 2018 laufen, nicht mehr zu verlängern.

Das Gebäude ist 100 Jahre alt und renovierungsbedürftig.
Das Gebäude ist 100 Jahre alt und renovierungsbedürftig.
Foto: Michael Schick

Norbert Altenkamp dementiert das und versteht nicht, warum „ein solcher Ballon aufgeblasen wird“. Noch sei keinerlei Entscheidung zu einem neuen Rathausstandort getroffen. Den Ärzten, die ja offensichtlich Kenntnis von den genauen finanziellen Gegebenheiten im Medico Palais hätten, schlägt Altenkamp vor, das Gebäude zu kaufen und es nach ihren Bedürfnissen umzubauen. Dass die Stadt auf Dauer in Vorleistung trete und ein privat genutztes Objekt mit Millionensummen finanziere, sei problematisch.

Für Kühne ist der Kauf des Medico Palais durch die Ärzte „ein neuer Ansatz“. Um darüber zu diskutieren seien detaillierte Informationen und belastbare Zahlen nötig. Genau die gebe es im jetzt von der Stadt vorgelegten Gutachten nicht.

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