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Missbrauch im Vincenzhaus: Kein Fall für den Staatsanwalt

Die Misshandlungen und sexuellen Übergriffe, die Kinder im Hofheimer Vincenzhaus erlitten haben, werden juristisch wohl nicht verfolgt. Von Barbara Helfrich

Was sich im Vincenzhaus wirklich abspielte, soll aufgeklärt werden.
Was sich im Vincenzhaus wirklich abspielte, soll aufgeklärt werden.
Foto: Oeser

Misshandlungen und sexuelle Übergriffe, die Kinder im Hofheimer Vincenzhaus erlitten haben, werden juristisch wohl nicht verfolgt. Die Taten seien vermutlich verjährt, teilte die Frankfurter Staatsanwaltschaft auf FR-Anfrage mit. Die Ermittlungen laufen aber noch und werden nach Angaben von Pressesprecherin Doris Möller-Scheu erst in etwa einen Monat abgeschlossen.

Zwölf ehemalige Heimkinder haben bisher dem Frankfurter Cartitasverband von der Gewalt berichtet, die sie in der Hofheimer Einrichtung erlebt haben: Zehn Opfer erzählten von harten Strafen, Schlägen und Demütigungen, zwei schilderten auch sexuellen Missbrauch.Die meisten Taten sollen sich nach Angaben des Heimträgers in den 50er und 60er Jahren ereignet haben, zwei aber auch erst in den 80er Jahren.

Die ersten drei Betroffenen hatten sich bereits Anfang des Jahres bei der Caritas gemeldet. Einerdavon, der inzwischen über 50-jährige Unternehmer Ralf H ., schilderte Mitte März in der FR, wie er als Zehnjähriger von einem Erzieher sexuell missbraucht wurde. Dies sei kein Einzelfall gewesen, betonte Ralf H. Auch drakonische Strafen, brutale Ohrfeigen und erniedrigende religiöse Rituale hätten Anfang der 60er Jahre zum Heimalltag gehört.

Erst nachdem Ralf H. seine Erlebnisse publik gemacht hatte, ging der Heimträger Caritas in die Offensive, räumte die Vorfälle ein und bat Zeitzeugen, sich zu melden. Zunächst war die Resonanz groß. Neben den zwölf Opfern nahmen auch auch drei Personen, Kontakt mit der Caritas auf, die nur gute Erinnerungen an ihre Zeit im Vincenzhaus haben. Seit Ende März hätten sich jedoch keine weiteren ehemaligen Heimkinder mehr gemeldet, so Sprecherin Christine Hartmann-Vogel. Mit den Opfern "gab es mehrere Treffen, die für die Betroffenen hilfreich waren", so die Caritas. Ziel sei, "diesen traumatisierten Menschen die Verarbeitung des Geschehen so weit wie nur möglich zu erleichtern".

Was die Identität der Täter angeht, ist die Caritas bisher nicht weiter gekommen: Die Hinweise auf sexuellen Missbrauch konzentrieren sich nach ihren Angaben auf einen ehemaligen Mitarbeiter, der vermutlich Anfang der 60er Jahre im Vincenzhaus beschäftigt war. "Sein Name ist nicht bekannt", so Hartmann-Vogel. Die Heimgeschichte aufzuarbeiten, ist auch schwierig, weil aus der Zeit vor Mitte der 70er Jahre keine Dokumente erhalten sind. Nach Angaben der Caritas wurden alle Akten über Kinder und Personal vernichtet, als das Vincenzhaus vor wenigen Jahren saniert und umgebaut wurde.

"Ich entschuldige mich ausdrücklich bei allen Opfern und bitte um Verzeihung für das Leid, das ihnen im Vincenzhaus zugefügt wurde", bekundete Caritas-Direktor Hartmut Fritz Ende März. Eine vom Main-Taunus-Kreis angeregte gemeinsam Resolution zu Übergriffen in Kirchen, Schulen und Betreuungseinrichtungen ließ er jedoch kurz darauf platzen. Der Caritasverband Frankfurt habe über das Thema bereits "ausführlich in der Öffentlichkeit berichtet, so dass aus seiner Sicht keine Notwendigkeit bestand, den Resolutionstext zu veröffentlichen". Dies sei kein Versuch, Gras über die Sache wachsen zu lassen.

Autor:  Barbara Helfrich
Datum:  1 | 6 | 2010
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