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Piraten im Main-Taunus-Kreis: Politik 2.0

Bisher sitzen die Piraten nur an ihrem Stammtisch in Kriftel, doch schon bald wollen sie einen Kreisverband gründen und gegen Fluglärm und für einen fahrscheinfreien Nahverkehr kämpfen..

        

 Die  Main Taunus-Piraten  stellen sich neu auf.
Die Main Taunus-Piraten stellen sich neu auf.
Foto: Rolf Oeser
Main-Taunus. –  

Wie Computer-Nerds sehen sie nicht aus. Wie Revolutionäre schon gar nicht. Eher wie Sachbearbeiter. Sie sind auch nicht technikversessen und lachen über alle Kultur vor der Erfindung des iPad. Heute Abend gehen Bücher mit GEMA-freien Kinderliedern herum, die jeder Pirat an die Kindergärten in seiner Stadt verteilen soll.

Die Partei

Ein Informationsabend am Montag, 21. November, in der Gaststätte „Heidi & Paul“ in Eschborn hat das Thema „Politik 2.0 und die Tools dazu“. Er wendet sich besonders an Bürger, die mit den Piraten-Ideen etwas anfangen können, mit dem Internet aber nicht so viel.

Die Gründungsversammlung des Kreisverbands Main-Taunus der Piratenpartei findet am Samstag, dem 26. November, ab 12 Uhr im Marta-Hoepffner-Saal der Stadthalle Hofheim statt.

Info: www.piratenpartei-hessen.de

Die Themen, die ein gutes Dutzend Piraten aus dem Main-Taunus-Kreis bei ihrem Stammtisch in der Krifteler Gaststätte an den Schwarzbachhallen bewegen, sind nur auf den ersten Blick Internet-Themen. „Die ganzen Tools bringen nur dann was, wenn es auch eine Kultur gibt, in der das gelebt wird“, sagt Ulrich Bär. Tools bedeutet auf Deutsch Werkzeuge und mit dem etwas kompliziert klingenden Satz will Bär das große Missverständnis klarstellen, bei den Piraten handele es sich um eine reine Netzpartei.

Mit dem Werkzeugkasten, der da im Internet, für alle Bürger frei zugänglich sei, erklärt der Schwalbacher Pirat, lasse sich die Demokratie von einer Politik als Selbstzweck leicht zu einer echten Basisdemokratie weiterentwickeln. Darum geht es Ulrich Bär und darum, sagt er, gehe es den Piraten überhaupt. „Wir wollen Transparenz schaffen und die Grundlagen für mehr Mitbestimmung auf allen Ebenen.“ Mit dem Internet werde das technisch möglich, referiert der junge Mann voller Enthusiasmus und erzählt von bundespolitischen Arbeitsgruppen, die sich nur online berieten, von Programmen für Meinungsbilder, über Wikis und das Piratenpad.

Früher Server, heute Politik

Alles Software-Programme, mit denen sie in der Partei viele Dinge vorschlagen und beraten, offen einsehbar für alle. Und mit diesen Mitteln wollen sie die Politik revolutionieren. Wegen der Transparenz, springt ihm Ernst-Joachim Preussler zur Seite, forderten Piraten zum Beispiel überall da, wo sie in den Parlamenten seien, die Einführung von Rathaus-TV. Als er 2008 seinen ersten Parteitag erlebt habe, erzählt René Lucchesi, da habe er selbst Ohrensausen bekommen vom vielen Reden über Server und Software. „Heute ist das nicht mehr so, mittlerweile geht es um Politik.“ Diese erste Phase sei aber nötig gewesen, die Partei habe sich erst mal finden müssen. Jetzt kümmert Lucchesi sich federführend um die Organisation des Gründungsparteitags für den Kreisverband Main-Taunus Ende des Monats in Hofheim.

Dass die Piraten auf der untersten politischen Ebene ihre Lücken haben, wird am Krifteler Stammtisch gar nicht bestritten. Deswegen brauche es jetzt ja einen Kreisverband, sagen Bär und Lucchesi, während sie den Entwurf für einen Einladungs-Flyer begutachten. Ein paar Themen gibt es aber schon. Sie arbeiten an einem Programm zum Fluglärm und Ernst-Joachim Preussler will bald eine Diskussion über fahrscheinfreien Nahverkehr anstoßen.

Kontrapunkt gegen Etablierte

„Ich denke, die Piraten sind eben die erste Partei, die sich auf der Bundesebene gegründet hat, die wegen bundespolitischer Themen entstanden ist“, sagt Peter Brönner, „viele haben ihre Mitstreiter über die Themen gefunden, im Internet, deswegen tun sie sich auf lokaler Ebene etwas schwerer.“

Der Eschborner passt nicht ganz ins übliche Piratenprofil, er kommt zwar wie die meisten aus der IT-Branche, ist aber schon 56, war friedensbewegt, ist in der IG Metall und hatte zuletzt Hoffnungen in die WASG gesetzt. „Aber das ist das erste Mal, dass ich eine Parteimitgliedschaft angenommen habe.“ Die Piraten findet Peter Brönner attraktiv, weil es ganz wichtig sei, einen Kontrapunkt gegen die Etablierten zu setzen und weil sie eine „Mitmachbewegung“ seien.

Das sieht Vanessa Heyl aus Schwalbach genauso. „Mir gefällt der Bürgerrechtsgedanke“, sagt die 34-Jährige, die in der Partei eine Freibeuterin ist, also so was wie ein assoziiertes Mitglied. „Ich will schon, dass Du als Bürger mitkriegen kannst, wenn Du möchtest, was entschieden und wie diskutiert wird. Das ist, finde ich, eine schöne Vision.“

Autor:  Oliver Heil
Datum:  9 | 11 | 2011
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