Die Stadt lässt es sich 350.000 Euro pro Jahr kosten, das Radrennen am 1. Mai zu unterstützen. Dafür starten die Pedaleure ihre wilde Hatz durch den Taunus im Gewerbegebiet Camp Phönix Park – und das Rennen heißt mittlerweile „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“.
Seit Jahren sitzt dabei auch immer der Dopingverdacht mit im Sattel. Dass der nicht selten berechtigt ist, haben erst jüngt wieder die Enthüllungen über den siebenfachen Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong gezeigt.
Der deutsche Radsportklassiker "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt" lockt Radprofis und Zuschauer an. Vorjahressieger John Degenkolb aus dem niederländischen Continental Pro-Team Argos-Shimano muss seinen Titel an den Italiener Moreno Moser abgeben.
Foto: Bongarts/Getty ImagesDie FDP wollte daraus nun die Konsequenzen ziehen. „Profi-Radsport hat nicht mehr viel mit Sport zu tun“, erklärte Fraktionschef Fritz Krüger. Deshalb beantragte er im Stadtparlament, den Zuschuss für das Profirennen am 1. Mai komplett streichen. Lediglich für Amateurrennen, Jedermann-Rennen und Skater-Tour wollten die Liberalen noch 50.000 Euro bereitstellen.
Gelten sollte die neue Regelung nach dem Willen der FDP zunächst für zwei Jahre. „Vielleicht können wir so die Verantwortlichen in den Radsport-Verbänden zum Nachdenken bringen“, begründete Krüger. Aus pragmatischen Gründen solle der Finanzboykott erst 2014 beginnen. „Für dieses Jahr ist es schon zu spät.“
Doch auch in den kommenden Jahren wird das Geld an Veranstalter Bernd Moos-Achenbach weiter fließen. Denn dem Vorstoß der FDP wollten sich nur Freie Wähler und Die Linke anschließen. „Ein Zuschuss aus dem kommunalen Haushalt an eine so in Verruf gekommene Sportart ist nicht mehr vertretbar“, sagte Thomas Matthes (Linke). Und Jörg Baumgardt (FWE) begrüßte zwar „das Freizeitvergnügen“ für die Eschborner Bürger, forderte aber dennoch: „Wir sollten die Unterstützung aussetzen, bis es wirksame Kontrollen gibt.“
Die schwarz-grüne Koalition, die SPD und der „Bürgerliche“ Dietmar Jerger wollten dem jedoch nicht folgen. Die Veranstaltung am 1. Mai sei schließlich mehr als nur ein Profi-Rennen. „Das ist ein internationales Event mit vielen jungen Sportlern und Zuschauern“, begründete Daniela Beck (SPD) die Haltung ihrer Fraktion.
In die gleiche Kerbe schlug Wolfram Schuster (CDU). 4000 Radfahrer, Skater und Handbiker kämen jedes Jahr am 1. Mai nach Eschborn. Davon profitiere auch die Stadt in ihrer Außendarstellung. „Selbst die New York Times berichtete im letzten Jahr über das Jedermann-Rennen“, schwärmte er. Die 350.000 Euro sind aus seiner Sicht eine „sehr sinnvolle Investition“. Und lebenswichtig für die gesamte Veranstaltung. Diese „wäre in Frage gestellt, wenn sich Eschborn nicht mehr finanziell daran beteiligen sollte“, mahnte Schuster.
Ein wenig schwerer tat sich Michael Reckhard (Grüne). Schließlich hatte seine Partei aus der Opposition heraus den Zuschuss seinerzeit abgelehnt – und sein Parteifreund, der heutige hauptamtliche Stadtrat Thomas Ebert, das Rennen sogar als „Apotheken-Rundfahrt“ verspottet.
Am Donnerstagabend jedoch verteidigte Reckhard die Unterstützung des Rennens mit dem Verweis auf die 50.000 Euro, die Eschborn inzwischen jährlich an die Nationale Anti-Doping Agentur (Nada) für eine Präventionsaktion überweist. „Es wird immer Doping geben“, so Reckhard. Das Ganze sei ein „gesamtgesellschaftliches Problem“. Reckhard erinnerte daran, dass es die FDP war, die den Zuschuss für das Radrennen in ihrem Bündnis mit der CDU überhaupt erst beschlossen hatte.
Dieses „Bäumchen-wechsel-dich-Spiel“ nahm Dietmar Jerger (Die Bürgerlichen) aufs Korn. Allerdings betonte er gleichzeitig: „Ich bin positiv zu der Veranstaltung eingestellt.“ Stelle Eschborn seine finanzielle Unterstützung zwei Jahre ein, sei die Veranstaltung tot. „Dann helfen auch keine Dopingmittel mehr.“
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