Wenn etwas gesund ist, dann schmeckt es oftmals nicht so gut. Dieses Vorurteil kennen sicher viele. Manchmal mag es sogar zutreffen, oder aber unser Geschmackssinn ist das gesunde Essen einfach nicht gewohnt. Das geht heute den Kindern so, die mit Chips, Pommes und Nutella aufwachsen. Deshalb hat der Main-Taunus-Kreis vor zwei Jahren die Fachstelle Schule und Gesundheit ins Leben gerufen und die trickst die Schüler zu ihrem Wohl ganz schön aus.
An einigen Schulkiosken im Kreis etwa wird den hellen Weizenbrötchen seit einem Dreivierteljahr testweise 30 Prozent Vollkornmehl untergemischt. Und jetzt sollen es 40 Prozent werden. „Den Schülern schmeckt es“, sagte Fachstellenleiterin und Ernährungswissenschaftlerin Anika Kühn. Aber es sei ein langsamer Prozess, man müsse die Kinder an die gesunde Nahrung gewöhnen. Ebenso soll mit den Schulmensen verfahren werden. Gestern verteilte der Kreis 2000 vom Energieversorger Süwag gesponserte Frühstücksboxen an Erstklässler in 34 Schulen.
Ein gesundes Frühstück enthält Vollkornbrot, Getreide(-flocken), Obst, Gemüserohkost, Milch und Milchprodukte sowie geeignete Getränke wie Wasser, Fruchtsaft oder Kräutertee.
Kinder haben einen geringeren Nährstoff- und Flüssigkeitsspeicher als Erwachsene und sie benötigen öfter Nachschub, um nicht müde zu werden und konzentrationsfähig zu bleiben. Hat das Kind zu Hause gut gefrühstückt, reicht in der Schule oder in der Kita ein kleines zweites Frühstück und umgekehrt.
Neue und ihnen unbekannte Speisen lehnen viele Kinder zuerst ab. Laut Verbraucher-Infodienst aid ist das normal, weil Geschmacks- und Geruchssinn noch nicht voll entwickelt sind.
Geprägt wird das Ernährungsverhalten vor allem bis zum achten Lebensjahr. Deshalb ist die Grundschule wichtig für die Ernährungserziehung. cho
Dass die Notwendigkeit besteht, das Thema Ernährung bereist früh anzugehen, zeigt nicht nur der Umstand, dass jedes zehnte Kind an Übergewicht leidet. Auch eine Untersuchung an der Lindenschule in Kriftel bestätigt, dass Kinder heute ungesund essen. Danach hat jedes fünfte Grundschulkind Süßigkeiten wie Hanuta oder Milchschnitte als Frühstück dabei; nur in etwa der Hälfte der Frühstücksdosen findet sich Obst oder Gemüse. Dabei haben sich die Zahlen seit 2008, als das Projekt „Ernährung“ begann, bereits verbessert, wie Schulleiterin Sandra van de Weyer sagte. Mit Elterninformationen, Projekttagen und der Aufnahme des Themas in den Unterricht versuchen Schulen dem Trend der ungesunden Ernährungsweise entgegenzuwirken.
Die Lindenschule wurde für ihr Engagement vom Bundesministerium zertifiziert. Auch in anderen Schulen steigen die Bemühungen in diese Richtung. „Das Bewusstsein für Gesundheitsthemen an den Schulen wächst“, sagte Kühn.
Der Kreis finanziert an vielen Schulen Gesundheitstage, an 19 Schulen legen Drittklässler einen Ernährungsführerschein ab, an 25 Schulen üben sich Kinder in den Pausen im Slacklining, dem Balancieren auf biegsamen Bändern. Zudem gibt es für Kioskbetreiber Broschüren und Tipps für gesunde Ernährung. Schuldezernent Michael Cyriax (CDU) kündigte für September die Fortführung des Schulfruchtprogramms an, für das sich bislang sechs von 56 Schulen angemeldet hätten.

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