Der Vertrag ist schon unterschrieben: Eine „Kooperation zur Förderung der Kreativität von Jugendlichen“ hat das Kulturforum Kriftel mit den beiden Leitern des Showspielhauses, Hans-Jürgen Mock und Bernhard Westenberger, beschlossen. Ziel der Vereinbarung sei es, Kinder und Jugendliche an das Theater heranzuführen, die für Kindervorstellungen zu alt, für „richtiges Theater“ aber noch zu jung seien, erläutert Westenberger. Geplant ist zunächst ein 14-tägiger Workshop für Zehn- bis 14-Jährige. Denn für diese Altersgruppe gebe es eine „Lücke im Angebot“, während es an Aufführungen für Jüngere nicht fehle.
Im vor 15 Monaten eröffneten Showspielhaus an der Hattersheimer Straße werden die Workshopteilnehmer unter Anleitung von Profis ein Stück einstudieren, das dann auch öffentlich gezeigt werden soll.
Westenberger kann sich vorstellen, dass diese Vorstellung ein Auftakt für eine Jugendtheaterreihe im Showspielhaus sein könnte. Denn nach seinen eigenen Veranstaltungen habe er oft mit jungen Zuschauern gesprochen, die überrascht gewesen seien, dass Theater nicht unbedingt steif und ernsthaft sein müsse. Der Theaterworkshop wird voraussichtlich im Rahmen der Krifteler Ferienspiele stattfinden und richtet sich an Kinder, die entweder selbst einmal auf der Bühne stehen wollen oder die sich für das Schreiben, den Bühnenbau oder die Technik interessieren.
23. bis 26. Januar, jeweils 20 Uhr Hanne Bambels Bembelbude. Lokalposse um den Bau einer Windkraftanlage im Kleinheimer Parkbad.
27. Januar, 19 Uhr Cabaret Paris: „Ich hab dich zum Fressen gern“. Kleinkunstprogramm mit erotischen Texten rund um die Liebe und das Essen.
2. Februar, 20 Uhr Fünf vor der Ehe. Die A-cappella-Gruppe singt von verflossenen Liebschaften, Sex im Internet und anderen Themen.
3. Februar, 10 Uhr Dittmar Bachmann: „Zu alt für diesen Scheiß“. Der Comedian präsentiert beim „Gag and Breakfast“ seine besten Nummern.
Dass das Jugendprojekt gemeinsam mit Kriftel verwirklicht wird, liege an der „von Anfang an guten Zusammenarbeit mit der Gemeinde“, sagt Westenberger. „Die Krifteler betrachten das Showspielhaus als ihr Theater“ − und das, obwohl das Theatergebäude in der ehemaligen Papiermühle an der Grenze von Hofheim und Kriftel zum größeren Teil im Hofheimer Stadtgebiet liege. So sei Kriftels Bürgermeister Christian Seitz (CDU) regelmäßig im Showspielhaus zu Gast, während seine Hofheimer Amtskollegin Gisela Stang (SPD) sich dort noch nie habe blicken lassen. Möglicherweise beruhen das Krifteler Engagement und die Hofheimer Zurückhaltung auf einem Missverständnis.
„Wir dachten anfangs, dass unser Haus komplett auf Krifteler Gemarkung steht und haben deshalb zuerst immer mit Kriftel verhandelt“, so Westenberger. Die Zuständigkeiten seien nicht immer geklärt gewesen: „Eine Zeit lang ist nicht einmal der Müll abgeholt worden“, erzählt der Theatermacher. Mittlerweile sind solche Anlaufschwierigkeiten beseitigt. Insgesamt laufe der Theaterbetrieb nicht nur gut, sondern „besser als erwartet“. In den ersten drei Monaten sei das Haus schon deswegen immer voll gewesen, weil die Fans, die die Showspielhaus-Ensembles von ihren Auftritten im Hattersheimer Posthofkeller und im Hochheimer Hof kennen würden, einfach neugierig gewesen seien.
Aber auch danach, sagt Westenberger, habe die Nachfrage nach Karten für die Vorstellungen nicht nachgelassen. Mit einer durchschnittlichen Auslastung von rund 63 Prozent im ersten Jahr könne man sehr zufrieden sein. Am beliebtesten bei den Zuschauern seien die Eigenproduktionen, die mehr als 80 Prozent des Programms ausmachten. Dennoch wird es auch künftig Gastspiele geben. „Es soll alles stattfinden, was unterhaltsam ist. Dabei werden wir weiterhin darauf achten, dass wir nicht die gleichen Künstler einladen wie das Neue Theater in Höchst oder das Unterhaus in Mainz.“
Ein Alleinstellungsmerkmal des Showspielhauses ist laut Westenberger die Gastronomie. Ab 18 Uhr kann dort an Tagen, an denen Vorstellungen sind, gegessen werden. Weil auch dieses Angebot sehr gefragt sei, wollen Mock und Westenberger das Restaurant in Zukunft auch an vorstellungsfreien Tagen öffnen. Fast immer ausverkauft seien die Veranstaltungen der Reihe „Gag and Breakfast“, bei denen jeweils ein Gastkünstler auftritt, und die Lokalposse „Hanne Bambels Bembelbude“ um den Konflikt zwischen den fiktiven Nachbarstädten Kleinheim und Großenau um eine Windkraftanlage. Vorbilder für die beiden Städte sind natürlich − wie könnte es anders sein − Kriftel und Hofheim.
1996 begannen Hans-Jürgen Mock und Bernhard Westenberger, im Posthofkeller in Hattersheim Theater zu spielen. Heute dient der Posthofkeller als „kleines Haus“, als zweite Spielstätte der eigenen Ensembles. Rückblickend habe die Expansion, zuerst nach Hochheim und dann nach Hofheim, stets unter einem guten Stern gestanden. „Auf unserem Weg von freischaffenden Künstlern zu einem kleinen mittelständischen Unternehmen haben wir zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Entscheidungen getroffen“, bilanziert Westenberger.
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