HaLT: „Hart am Limit“ ist ein bundesweites Projekt, das nicht nur auf die
Beratung gefährdeter Jugendlicher
setzt, sondern auch Erwachsene zu
Vorbildverhalten animieren und den Jugendschutz bei öffentlichen
Veranstaltungen durchsetzen will.
Infos: www.hls-online.org
Main-Taunus-Scouts: Derzeit sind 20 junge Leute als „Scouts“ auf den größeren Festen im Kreis unterwegs, um
Altersgenossen direkt auf deren Alkoholkonsum anzusprechen. 2011 hatten sie 18 Einsätze, in diesem Jahr waren es bislang 11. Kommunen können die Main-Taunus-Scouts buchen, ebenso wie die „Chill-out“-Zelte, die Jugendlichen während Großveranstaltungen
einen alkoholfreien Erlebnisraum bieten sollen. Main-Taunus-Kreis und der
Verein für Jugendberatung und Jugendhilfe arbeiten hierbei zusammen.
AIFreD: Die „Frühintervention bei
erstauffälligen Alkoholkonsumenten“ richtet sich an Jugendliche, die an der Schule, im Straßenverkehr und wegen Vergehen oder Straftaten im Zusammenhang mit Alkoholmissbrauch aufgefallen sind. 2011 haben 16 Jugendliche an
einem AIFreD-Kurs teilgenommen.
Der Trend ist erfreulich: Die Zahl der „Koma-Trinker“ im Main-Taunus-Kreis sinkt. Mussten sich die Rettungssanitäter 2010 noch um 96 Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung kümmern, waren es 2011 nur noch 78. Doch einen Grund zur Entwarnung sehen die Verantwortlichen nicht. „Das sind aber immer noch fast so viele wie wir an Herzinfarkten zu versorgen haben“, mahnt Jörg Blau, Ärztlicher Leiter der Rettungsdienste im Kreis. Und immerhin 90 Prozent der Betroffenen waren so betrunken, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten.
Hohe Dunkelziffer
Zudem sagen die reinen Zahlen nicht die ganze Wahrheit. Denn manche Unterkühlung oder Sturz-Verletzung ist durch Alkoholmissbrauch verursacht, taucht aber in der Statistik in einer anderen Rubrik auf. „Es gibt eine hohe Dunkelziffer“, sagt Jörg Blau.
Seit 2007 haben Notärzte und Rettungssanitäter im Kreis das Phänomen intensiv im Blick. Außerdem gibt es mittlerweile eine Kooperation der Main-Taunus-Kliniken mit dem Verein Jugendberatung und Jugendhilfe (JJ) mit dem Ziel, die betroffenen jungen Leute möglichst schnell mit ihrem Verhalten zu konfrontieren. „Nach fünf Tagen ist es zu spät, dann werden schon die ersten Witze über das Erlebnis gemacht“, berichtet Ralf Pretz von der JJ.
Bisher habe man darauf gesetzt, dass die Krankenhaus-Mitarbeiter sich mit der Jugendberatung in Verbindung setzen, wenn ein Jugendlicher mit Alkoholvergiftung eingeliefert wird. „Doch das hat leider nicht funktioniert“, bedauert Pretz. Nun setzt die JJ auf die Hilfe von Notärzten und Rettungssanitätern.
Als Teil des Präventionsprojektes „Hart am Limit“ (HaLT) sollen sie noch in der Nacht des Einsatzes per SMS oder E-Mail die Mitarbeiter des JJ informieren. Gleich am nächsten Morgen werde dann einer von ihnen dem Jugendlichen und dessen Eltern anbieten, zur Beratung ans Krankenbett zu kommen. Das gelte für alle Arbeitstage und an den zehn Wochenenden im Jahr, in denen es erfahrungsgemäß die meisten Fälle gebe, kündigt Ralf Pretz an – etwa während des Hochheimer Markts, des Bad Sodener Sommernachtfests oder des Fastnacht-Wochenendes.
Deutsches Rotes Kreuz, Arbeiter-Samariter-Bund, der Malteser Hilfsdienst und der Verein Notarztdienst haben sich bereit erklärt mitzumachen. Als sichtbares Zeichen wird an allen elf Rettungswagen und den drei Notarztfahrzeugen im Kreis das „HaLT“-Logo angebracht. Außerdem haben die Besatzungen Info-Flyer mit dabei, die sie noch am Einsatzort etwa an Eltern verteilen können.
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