Kordula Schulz-Asche hatte sich einen klugen Schachzug einfallen lassen. Statt die Geduld der Gäste beim Neujahrsempfang des Grünen-Kreisverbands mit einer weiteren Rede auf die Probe zu stellen, beschränkte sich die Landesvorsitzende und Main-Taunus-Kreis-Abgeordnete im Hessischen Landtag aufs Überbringen einer guten Nachricht: „Main-Taunus ist der Kreisverband mit den höchsten Zuwachsraten. Wir haben 2011 um 25 Prozent auf jetzt über 200 Mitglieder zugelegt.“ Da brandete Beifall auf im Sitzungssaal der Eschborner Stadtverordneten. Der knappe Redebeitrag gab den hin- und hergerissenen Gemütern der Gäste rechtzeitig zu Beginn des geselligen Teils den entscheidenden Schubser – in Richtung Zufriedenheit.
Die seltsame Gemütslage der Grünen an diesem Abend schien in allen Redebeiträgen auf: Sie sind im Grunde sehr zufrieden mit dem zurückliegenden Jahr. In drei weiteren Kommunen – Eschborn, Eppstein und zuletzt auch Flörsheim – sind sie Teil der parlamentarischen Mehrheit; sie haben die Zahl ihrer Mandatsträger verdoppelt und sie haben Oberwasser mit ihren Dauerbrenner-Themen Atomausstieg und Flughafen. Nur: Das Oberwasser ist mit einer Atomkatastrophe und der Einweihung der neuen Landebahn teuer erkauft. „Ich will wirklich keine Wählerbeschimpfung betreiben“, sagte der Gastredner Frank Kaufmann, Flughafen-Experte der Landtagsfraktion, „aber wir haben immer gesagt, dass es so kommen wird und die Leute haben den Ausbau-Befürwortern trotzdem Mehrheiten verschafft.“ Die Deutsche Flugsicherung, forderte Kaufmann, müsse endlich den Lärmschutz als Faktor ihrer Arbeit begreifen, und zwar mit Vorrang vor der Flüssigkeit des Luftverkehrs. Applaus gab es für Kaufmanns Forderung nach einem Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr und vor allem für seinen Zusatz: „Das ist immer noch weniger als das Schlafbedürfnis von vielen Leuten, insbesondere Kindern.“
Mit dem Leben nach der Flughafenerweiterung beschäftigte sich der Kreisvorsitzende Olaf Jahnke. Er forderte, durch kreisinterne Umverteilung zu verhindern, dass die Kluft zwischen dem reichen Norden und den Mainstädten wegen des Fluglärms noch größer wird. Was die Forderung nach Schließung der Landebahn Nordwest angeht, druckste man etwas herum beim Neujahrsempfang. „Als Wunsch ist das auch unser Wunsch“, formulierte Frank Kaufmann. Und die Kreisvorsitzende Regina Vischer, die am 4. März bei der Krifteler Bürgermeisterwahl gegen Amtsinhaber Christian Seitz (CDU) antritt, blieb zurückhaltend. Sie nannte die Stilllegung gegenüber der FR eine „Maximalforderung“ die von den Kreisgrünen zwar vertreten werde, jedoch unrealistisch scheine. „Eine Deckelung der Flugbewegungen und ein verlängertes Nachtflugverbot sind, denke ich, die realistischen Forderungen“, sagte Vischer.

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Facebook | Twitter überregional | Google+