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12. Dezember 2012

Tierklinik Hofheim: Doktoren für Patienten auf Pfoten

 Von Christina Franzisket
Tüftler am Werk: Tierchirurg Kosfeld (links) und Fachtierarzt Stefan Klumpp operierten eine schwierige Doppelfraktur der Jagdhündin Jessy. Foto: Joachim Storch

In der Tierklinik Hofheim setzen Spezialisten künstliche Hüftgelenke bei Hunden ein und vierbeinige Krebspatienten bekommen eine Chemotherapie. Bei der Behandlung steht das Wohl der Tiere immer an erster Stelle.

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Als Nelly aus der Narkose aufwacht, steckt eine Kanüle in ihrer Pfote. Ihr Fell am Rücken wurde abrasiert und an der kahlen Stelle ist nun eine lange Naht zu sehen. Die Mischlingshündin steht auf ihren wackeligen Beinchen und winselt. Sie ist Patientin auf der Intensivstation der Tierklinik in Hofheim.

Wie in einem Krankenhaus für Menschen kommt auch hier am frühen Morgen die Visite bei den Patienten vorbei. Die Doktoren und Pfleger schauen in jede Box. Darin liegen Katzen mit ängstlichem Blick, ein Windhund liegt unter einer Wärmelampe und klappert mit den Zähnen während er aus der Narkose aufwacht. Ein Golden Retriever mit einer Thoraxdrainage liegt regungslos auf einer weichen Matte und ein kleiner Kläffer hüpft schon wieder munter in seiner Box herum.

Die Ärzte der Tagschicht erfahren die Krankengeschichte von jedem Tier und machen auch vor Nellys Käfig Halt. Noch am Tag zuvor ist die Hündin mit ihrem Frauchen Myriam Seemann im Feld in Hattersheim spazieren gewesen. Doch im Laufe des Tages ging es der sechsjährigen Nelly immer schlechter. „Sie konnte sich kaum noch auf den Beinen halten und hatte große Schmerzen“, sagt Seemann. Da es ein Sonntag war, musste die 27-Jährige mit ihrem Liebling in die Tierklinik zum Notdienst fahren. Bei der Untersuchung verhärtete sich der Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall: „Bei einem Hund muss man so etwas innerhalb weniger Stunden operieren“, sagt Tierärztin Katharina Kessler, „sonst können irreversible Lähmungen entstehen.“ Um sicher zu sein, dass es wirklich ein Bandscheibenvorfall ist, legte der anwesende Notarzt Nelly in Narkose und ließ sie im Keller der Klinik durch den Computer-Tomographen fahren. Ihr Frauchen wartete zu Hause: „Ich habe mir schreckliche Sorgen gemacht“, sagt Seemann. Die Bilder des CTs bestätigten den befürchteten Befund. Tierchirurg Dr. Stefan Rupp bereitete sofort den OP vor, während Seemann über das Telefon benachrichtigt wurde: „Ich habe gleich zugestimmt“, sagt sie, „ich habe in dem Moment nur gewusst, dass mein Hund Schmerzen hat.“ Noch in der Nacht wird Nelly operiert.

Tierphysiotherapeutin Liddy trainiert mit Hündin Nelly.
Tierphysiotherapeutin Liddy trainiert mit Hündin Nelly.
Foto: Storch

Vor genau fünfzehn Jahren wurde die Tierklinik in Hofheim eröffnet: „Damals waren wir nur drei Ärzte und drei Mitarbeiter“, erinnert sich Chef-Chirurg und Mitbegründer Hans-Ulrich Kosfeld, „heute haben wir schon mehr als 100 Mitarbeiter. Langsam wird es eng in unseren Räumen“. Und deshalb soll im kommenden Jahr mit einem Neubau der Klinik auf dem Gelände neben der Feuerwehr in Hofheim begonnen werden. „Dann bekommen wir mindestens 20 Behandlungsräume“, sagt Kosfeld und freut sich.

Die jetzigen Räumlichkeiten sind völlig ausgeschöpft: Auf drei Stockwerken in sieben Behandlungsräumen, drei Operationssälen, einer Endoskopie, einem Labor und vielen weiteren Bereichen werden hauptsächlich Hunde wie Nelly behandelt. Sie ist mit ihrem Bandscheibenvorfall hier in besonders guten Händen, denn die Ärzte haben viel Erfahrung. Hunde machen 75 Prozent ihrer Patienten aus, an zweiter Stelle kommen die Katzen, an dritter stehen kleine Heimtiere wie Kaninchen und Meerschweinchen, und ab und zu werden auch verletzte Greifvögel behandelt.

Die Tierklinik ist in ganz Deutschland bekannt. Manch ein vierbeiniger Patient wird sogar extra eingeflogen. Eine Deutsch Kurzhaar Hündin aus Rumänien wird gerade auf einer Station von Pflegerinnen geduscht: „Nach ihrer Behandlung fliegt sie zu ihrem neuen Frauchen nach Kanada“, erzählt Kessler.

Die Tierklinik in Hofheim genießt ihren guten Ruf vor allem, weil sie sehr gut ausgestattet ist. Personell und auch maschinell bietet sie Medizin auf höchstem Niveau: „Wir haben zum Beispiel im Keller einen CT, einen MRT und eine Bestrahlungsanlage für Krebspatienten“, erklärt Kessler. Außerdem seien alle Ärzte Spezialisten für bestimmte Bereiche und behandeln auch ausschließlich darin: „Unsere Kardiologen haben auch nur Patienten mit Herzproblemen vor sich“, so Kessler, „das bringt den Ärzten viel Erfahrung.“ Chirurg Kosfeld ist zum Beispiel Spezialist für künstliche Hüftgelenke bei Hunden: „Auf so ein Hüftgelenk freue ich mich schon morgens“, sagt der Chirurg. Er schrieb seine Doktorarbeit zum Thema: „Ich mache etwa 15 bis 20 Hüftgelenke im Jahr“, sagt der Tierarzt.

Nelly braucht Physiotherapie

Gerade sitzt er im Operationssaal jedoch an einer anderen kniffligen Aufgabe: Eine Hündin hat sich bei der Jagd einen besonders komplizierten „doppelten Oberarmbruch“ zugezogen. In seinem blauen Operationskittel sitzt Kosfeld vor dem Problem. Er montiert Schrauben und Platten zur Befestigung in den Oberarm: „Nachher wird sie wieder gut laufen können“, sagt er kurz durch seinen Mundschutz. Dann nimmt der Chirurg wieder seinen Bohrer und lässt ein scharfes Surren hören. In einem Geräteschrank zeichnen Monitore mit einem ständigen Piepen die Vitalfunktionen der Hündin auf. Sonst ist Stille, Kosfeld konzentriert sich. Nach knapp drei Stunden hat er die Operation beendet, die Hündin kommt zum Aufwachen unter eine Wärmelampe.

Daneben darf Nelly, nun ohne Bandscheibenvorfall, zum ersten Mal ihre Box verlassen. Die Tierphysiotherapeutin Eva Mareike Liddy stützt die Hündin bei ihren ersten Schritten: „Physiotherapie bei Tieren wird oft unterschätzt“, sagt Kessler, „dabei kann man damit viel erreichen.“ Liddy macht Übungen zur Stabilisation und stimuliert Nellys Nerven durch massierende Berührungen: „Das regt die Nerven an“, sagt sie.

Im Keller der Klinik befindet sich das Reha-Zentrum, hier empfängt Liddy ihre vierbeinigen Patienten. Es gibt ein Wasserbecken, in dem Hunde jeder Größe auf einem Laufband im Wasser laufen: „So müssen sie nicht ihr ganzes Gewicht tragen“, sagt Liddy. „Das schont die Gelenke.“

Auch Nelly braucht Physiotherapie, um wieder richtig laufen zu können. Als ihr Frauchen sie abholt, besprechen die Ärzte alles mit ihr. Dabei erfährt Seemann auch die Kosten für Nellys Behandlung, es sind bis jetzt 2000 Euro. „Das ist schon ein Batzen Geld“, sagt die 27-Jährige, „aber wenn es Nelly gut geht, ist mir alles andere egal, ich bin einfach froh, sie jetzt wieder mit nach Hause zu nehmen“.

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