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Traktoren: Diesel im Blut

Liebhaber alter Traktoren treffen sich in Diedenbergen und nehmen dafür lange Anfahrtswege in Kauf. Joachim Astheimer organisiert die Treffen gemeinsam mit dem Verein Historischer Landmaschinen.

        

200 Trecker-Oldies waren am Wochenende nach Diedenbergen gekommen.
200 Trecker-Oldies waren am Wochenende nach Diedenbergen gekommen.
Foto: Rolf Oeser

Für Freunde schneller deutscher Autos mag der Name befremdlich klingen. Doch beim „Porsche Diesel“ handelt es sich nicht um einen Sportwagen, sondern um ein weitaus bodenständigeres Gefährt. Von 1950 bis 1966 wurden unter diesem Markennamen Traktoren produziert − und Joachim Astheimer besitzt gleich sieben dieser Oldtimer. Seine Porsche-Begeisterung der besonderen Art hat ihre Wurzeln in der Kindheit des Treckersammlers, der außerdem auch noch sieben historische Landmaschinen anderer Hersteller sein Eigen nennt.

„Als kleiner Junge bin ich mit dem Porsche-Trecker auf dem Hof meiner Eltern auf dem Acker herumgefahren“, erinnert sich Astheimer, der heute in Bischofsheim eine Autowerkstatt betreibt. Mit seinem Sohn und einer Gruppe von Gleichgesinnten restauriert er samstags und nach Feierabend seine „Schätzchen“ und präsentiert die perfekt aufgearbeiteten Traktoren dann auf Treffen wie dem Diedenbergener Treckertreffen, das der Verein Historische Landmaschinen Diedenbergen am Wochenende zum neunten Mal ausgerichtet hat.

Rund 200 alte Traktoren waren von ihren Besitzern im Lauf des Wochenendes auf das Gelände der Speedwaybahn gefahren worden. Viele davon hatten eine zwar nicht unbedingt sehr weite, aber dennoch lange Anreise. Denn „Treckerfahrer rechnen ihre Fahrt nicht in Kilometern, sondern in Stunden“, wie der Pressesprecher des Vereins, André Seuberth, erläutert. Wenn man bedenkt, dass die Höchstgeschwindigkeit der meisten Trecker-Oldies noch nicht einmal 20 Kilometer pro Stunde beträgt, ist das verständlich. Die Besucher des Treffens konnten sich während eines Rundgangs einen guten Überblick über die Vielfalt der seit dem Zweiten Weltkrieg gebauten Treckermodelle verschaffen.

Ältestes Exponat und ganzer Stolz der Mitglieder des Vereins war eine unscheinbare kleine schwarze Zugmaschine, die in der zweiten Hälfte der 40er Jahre durch den Umbau eines Militär-Jeeps entstanden ist. Dieser sogenannte Wille-Stier wurde vor einiger Zeit in Kriftel in einer Scheune gefunden und vom Besitzer dem Verein als Leihgabe zur Verfügung gestellt. „Das ist eine absolute Rarität“, stellt Seuberth fest. Daher wird das gute Stück auch nicht etwa restauriert, sondern von den Vereinsmitgliedern sorgfältig im jetzigen Zustand erhalten.

Auf dem Trecker-Laufsteg

Präsentiert wurden die alten Traktoren auch auf dem Trecker-Laufsteg − einer Traktoren-Parade, bei der Vereinsvorsitzender Anno Respondeck fachkundige Erläuterungen zu jedem einzelnen Oldtimer gab. Er selbst besitzt erst seit drei Jahren einen eigenen Trecker, und zwar einen Güldner G30 aus den 60er Jahren.

Aber auch ihn hat die Trecker-Begeisterung schon viel, viel länger gepackt. Auch Respondeck ist auf dem Land aufgewachsen und war schon als Kind von der Technik der Traktoren fasziniert. Später erlernte er dann folgerichtig den Beruf des Landmaschinenmechanikers.

Dass das Diedenbergener Treckertreffen nicht nur etwas für Fachleute ist, zeigte sich auch in diesem Jahr wieder an der großen Zahl der Besucher. Trotz des zeitweise etwas nassen Wetters waren wieder viele Tausend Technikfans auf die Speedwaybahn gekommen. Ein besonderes Erlebnis sei das Treffen für Familien mit Kindern, sagt André Seuberth. Denn vor allem für kleine Jungs gebe es nichts Aufregenderes, als einmal selbst auf einem Traktor zu sitzen. Und das könnte man fast als Nachwuchsarbeit bezeichnen: Auf diese Weise wurde schon so mancher zum Treckerfan.

Autor:  Jöran Harders
Datum:  8 | 8 | 2011
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