"Soziale Verantwortung übernehmen, Wertschätzung und ehrliche Kommunikation, 50 Prozent Home Office“ – die Wunschliste der Belegschaft von Vodafone in Eschborn an ihre Geschäftsführung ist lang. Bei einer Kundgebung gestern vor dem Firmengebäude an der Alfred-Herrhausen-Allee haben viele von ihnen ihre Forderungen auf Ostereier aus Papier geschrieben und dem Vorstand daraus einen Osterstrauß geflochten.
Etwa 200 Mitarbeiter hatten sich unter dem Motto „Welche Eier wollen wir im Nest?“ zu der Protestaktion versammelt, um damit den Auftakt der Verhandlungen über Interessenausgleich und Sozialplan zu begleiten. Das Unternehmen will zum 1. April die 360 Mitarbeiter aus Eschborn in die Zentrale nach Düsseldorf versetzen. Die Firmenleitung begreift das als Abschluss der Fusion mit dem Konkurrenten Arcor, den Vodafone 2008 übernommen hatte. „Zwei Zentralen sind nicht modern“, sagt Firmensprecher Bernd Hoffmann.
Für die Arbeitnehmervertreter ist das Vorhaben jedoch ein faules Osterei und ein Programm zum Abbau von Arbeitsplätzen. Denn sie glauben nicht, dass allzu viele Kollegen das Angebot annehmen können. „Alle, die das wollen, sind schon in Düsseldorf“, sagt Betriebsrätin Sandra Schmidt. Die übrigen Mitarbeiter seien familiär an die Rhein-Main-Region gebunden und auch nicht in der Lage, jeden Morgen eine lange Pendelstrecke auf sich zu nehmen.
Die Vodafone-Beschäftigten in Eschborn wehren sich gegen die Pläne der Geschäftsleitung, 360 Mitarbeiter in die Zentrale nach Düsseldorf zu versetzen: Am Dienstag, 26. Februar 2013, versammeln sich etwa 200 Mitarbeiter unter dem Motto „Welche Eier wollen wir im Nest?“ zu einer Protestaktion, um damit den Auftakt der Verhandlungen über Interessenausgleich und Sozialplan zu begleiten.
Foto: Michael SchickEin Beispiel dafür ist Schmidt selbst: Sie muss sich um eine elf Jahre alte Tochter und eine pflegebedürftige Mutter kümmern. „Ich wäre sogar bereit, einen Tag pro Woche zu pendeln“, sagt sie. „Mehr ist aber nicht drin.“
Ihre Kollegin Yetgin Aslan kann ohnehin nicht nachvollziehen, dass ausgerechnet Vodafone nicht in der Lage sein soll, die Arbeit ortsungebunden zu organisieren. „Schließlich verkaufen wir an unsere Kunden ja gerade Produkte für vernetztes Arbeiten.“ Als Projektleiterin für Übertragungstechnik arbeitet sie selbst täglich mit Kollegen aus aller Welt zusammen. „Und das klappt hervorragend.“
Da Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite sich bislang nicht auf einen Kompromiss einigen konnten, ist nun die sogenannte Einigungsstelle gefragt. Die besteht aus jeweils fünf Vertretern des Betriebsrats und der Geschäftsführung sowie einem Arbeitsrichter.
„Wir wollen, dass niemand gezwungen wird, nach Düsseldorf zu ziehen“, fordert Yetgin Aslan. Für alle, die dazu bereit sind, müsse es finanzielle Unterstützung für Fahrtkosten und Zweitwohnung geben. Und für alle die gehen eine ordentliche Abfindung.
„Außerdem wollen wir eine echte Standortgarantie“, ergänzt Sandra Schmidt. Das Unternehmen verweist darauf, dass es vor kurzem in Eschborn einen Mietvertrag über zehn Jahre abgeschlossen hat.
1000 Mitarbeiter sollen im Frühjahr 2014 in einen Neubau ziehen, der von der Phoenix Real Estate Devlopement GmbH im Gewerbegebiet Eschborn Süd errichtet wird – ausgerechnet in der Düsseldorfer Straße. Dort will Vodafone ihre verbleibenden Geschäftsbereiche in der Region zusammenführen. „Das unterstreicht unser langfristiges Interesse an der Rhein-Main-Region und ist ein klares Bekenntnis für den Standort Eschborn“, so Firmensprecher Hoffmann.
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