Bernd Zürn wollte es erst gar nicht glauben. „Das musst du dir anschauen: Oberhalb vom Regenrückhaltebecken stolziert seit mehreren Stunden ein Storch im und neben dem Bach“, berichtete der Weilbacher Lothar Lauer am Samstagnachmittag aufgeregt am Telefon. Zürn, seit Jahren im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) engagiert, machte sich sofort auf den Weg. Und tatsächlich: Er fand einen Weißstorch – mit leicht aufgeplustertem Gefieder, regungslos auf nur einem Bein stehend, im eisigen Wasser des Weilbachs. Bernd Zürn handelte schnell. Er fing den stark unterkühlten Storch ein und transportierte ihn in den Keller seines Hauses. Mit einer Wärmflasche taute er die Eisklumpen im Gefieder des Vogels auf und steckte ihm Fleisch in den Hals. „Ich habe ihn quasi zwangsernährt, selbst wollte er nicht fressen. Noch einen Tag im Freien in Eis und Schnee hätte der Storch wohl nicht überlebt“, ist sich Zürn sicher.
Am Alu-Ring, den der Storch an einem Bein trug, konnte Bernd Zürn ablesen, dass es sich um ein Tier aus den neuen Bundesländern handelt. „Er ist von der Vogelwarte Hiddensee an der Ostsee beringt und auch da registriert“, sagte Zürn der FR. Mittlerweile hat er erfahren, dass das Tier 1999 geboren ist.
Bernd Zürn geht davon aus, dass es sich bei dem Storch um keinen Überwinterer handelt, sondern dass das Tier, wie einige andere Weißstörche im Main-Taunus-Kreis auch, trotz eisiger Kälte bereits wieder aus seinem Winterquartier zurückgekommen ist. Auf der Deponie in Flörsheim- Wicker und in der Christ’schen Grube in Hochheim-Massenheim seien bereits wieder Weißstörche gesichtet worden, sagt Zürn. „Diese Störche ernähren sich jetzt recht kümmerlich von Mäusen und im Wasser lebendem Kleingetier. Notfalls können sie auch mehrere Tage fasten“, weiß der BUND-Experte.
Extrem störend seien für die Vögel dabei freilaufende Hunde. Sie würden die futtersuchenden Störche beunruhigen und vertreiben, sagt Bernd Zürn. „Das kostet viel Energie. Bei dem geringen Nahrungsangebot kann das schnell lebensbedrohlich werden.“
Der Storch aus Weilbach muss nicht mehr ums Überleben kämpfen. Nach zwei Tagen in Bernd Zürns Keller kümmern sich jetzt Mitarbeiter der Frankfurter Vogelschutzwarte um ihn.
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