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Mainz 05
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27. August 2012

Freiburg - Mainz: Zoff zwischen Streich und Tuchel

 Von Jan Christian Müller
Emotionaler Ausbruch: Thomas Tuchel (links) und Christian Streich gerieten nach dem Spiel im Kabinengang aneinander, vertrugen sich aber kurz darauf wieder.  Foto: getty, dapd

Im Kabinengang geraten nach dem Spiel zwischen Freiburg und Mainz die beiden Trainer aneinander. Das hat eine Vorgeschichte: Christian Streich und Thomas Tuchel verbindet eine Art Hassliebe.

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Freiburg –  

Christian Streich streckte den rechten Arm immer wieder mit zur Faust geballter Hand nach vorn. Er sah aus wie Superman. Nur ohne Kostüm. Außerdem hob der Trainer des SC Freiburg auch nicht ab. Es waren noch zwölf Minuten zu spielen gegen Mainz 05, es hatte einen berechtigten Strafstoß zum 1:1 für die Gäste gegeben, den Andreas Ivanschitz in den rechten Winkel setzte, und nun wollte Streich seinerzeit gern einen Elfmeter für seine Mannschaft gepfiffen bekommen.

Aber als sein Mittelfeldspieler Jonathan Schmid gegen den Mainzer Baumgartlinger zu Fall kam, hatte dieser zwar seinen Arm so ähnlich ausgestreckt, wie es Streich danach wiederholt am Spielfeldrand in der Nähe seines Kollegen Thomas Tuchel kopierte, aber Elfmeter gibt es für so was höchstens bei den Bambinis.

Lautstarkes Nachspiel im Kabinengang

Weil Streich und Tuchel zu den emotionalsten Vertretern ihres Fachs gehören, weil sie sich sehr ähnlich sind und sie eine Art Hass-liebe verbindet, gab es im Kabinengang ein lautstarkes Nachspiel, das Beiden hinterher peinlich schien. „Wieso kommst du zehnmal und zeigst mir die Faust? Irgendwann geb’ ich dir nicht mehr die Hand“, rief Tuchel in Richtung Streich, der, ebenso aufgebracht, voller Sarkasmus ein „Du hast Recht“, herauspresste und wütend davonstürmte.

Tuchel (38) und Streich (47) kennen sich schon eine ganze Weile. Streich führte die Freiburger A-Jugend 2008 zum deutschen Meistertitel, Tuchel den Mainzer Nachwuchs 2009. Sie waren im Jugendbereich republikweit die Besten ihres Fachs und haben es deshalb zurecht bis ganz nach oben geschafft. Wenn Freiburg und Mainz in der A-Jugend-Bundesliga aufeinandertrafen, gehörte es zum schlechten Ton, dass Tuchel und Streich Scharmützel am Spielfeldrand austragen, mitunter auf einem Niveau, dass ihre Kompetenz als Fußballlehrer konterkariert.

Die gegenseitige Wertschätzung war jedoch andererseits derart groß, dass Streich versuchte, Tuchel in die Freiburger Fußballschule zu locken. Als Tuchel im August 2009 über Nacht zum Chefcoach der Rheinhessen befördert wurde, wollte er Streich als Co-Trainer nach Mainz holen. Streich lehnte ab. Im Interview mit dieser Zeitung begründete er das neulich so: „Ob das mit mir und Thomas gemeinsam klappen würde? Um Gottes willen! Man kann eine Ex-Freundin haben, die man auf eine Art bis zum letzten Atemzug liebt. Und beide wissen doch: Zusammen geht es nicht.“ Eine offenkundig sehr realistische Einschätzung, die jedoch Zeit brauchte.

Was war los? „Nichts!“

Ehe Tuchel und Streich am Samstag im Gänsemarsch zur Pressekonferenz in einem winzigen Container erschienen, hatten beide sich wieder weitgehend beruhigt. Streich räumte sogar ein, dass man den fraglichen Strafstoß nicht unbedingt geben musste, Tuchel bezeichnete Fragen nach einem angeblichen Kabinengang-Zoff als „Wahrnehmungsfehler“. Was war also los gewesen? „Nichts“, sagte Streich und war sich ausnahmsweise einig mit Tuchel. „Nichts“, sagte also auch Tuchel. Dass die Berichterstattung sich nach einem an Höhepunkten armen Spiel aber nun vor allem auf sie konzentriert, konnten beide damit aber nicht mehr verhindern. Dafür war es zu spät.

Acht Wochen lang hatte Tuchel seine Mannschaft intensiv auf die neue Runde vorbereitet. Hartes, präzises Flachpassspiel gehörte dabei zu den wichtigsten Lehrinhalten. Erstaunlich, dass seine Mannschaft, allen voran Innenverteidiger Jan Kirchhoff, dennoch ständig mit langen, hohen Bällen agierte, viel zu oft auch auf den im Angriffszentrum behäbig wirkenden Adam Szalai. „Es hat sich angefühlt, als ob wollten wir zu sehr auf Fehlervermeidung spielen“, kritisierte Tuchel, „ich hatte geglaubt, dass wir mehr Vertrauen in unser Flachpassspiel heben.“ Auch sein Vertrauen in Anthony Ujah scheint sehr begrenzt. Dass er den nigerianischen Stürmer trotz Szalais offenkundiger Unpässlichkeit nicht einwechselte, lässt erahnen, dass Mainz entweder dringend noch einen guten Stürmer holen oder Ujah mehr Vertrauen schenken sollte.

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