Hinter dem alten Bruchwegstadion sieht es im Dezember 2011 nicht schön aus. Die ehemalige Vereinskneipe „Haasekessel“ ist seit Monaten dicht, ihr Inhaber ist mit seinem Betrieb und in die neue Arena drei Kilometer stadtauswärts gezogen. Zwei Stahlrohrtribünen sind bereits zurückgebaut worden, und hinter dem Trainingsplatz der Bundesligaprofis befindet sich die Geschäftsstelle der Jugendabteilung in Containern.
Ein Provisorium. Aber sobald die Bauanträge durch sind, kommen die Container weg, ein neuer Fußballplatz wird angelegt, zwei weitere sollen folgen. „Mit momentan fünf Plätzen platzen wir aus allen Nähten, manche Leistungsmannschaften trainieren auf halben Kunstrasenplätzen“, sagt Christian Heidel. Der Erfolg ist schneller gewachsen als die Infrastruktur. Der Manager hat noch einiges vor: „Unser Ziel ist es, dass eines Tages vielleicht sogar bis zu 50 Prozent unserer ersten Mannschaft aus dem eigenen Nachwuchs kommen. Das wäre eine Traumquote.“
Mainzer Talente
Davon ist der FSV Mainz 05 noch ein gutes Stück entfernt. Nur Jan Kirchhoff, 21, ist Stammspieler unter Trainer Thomas Tuchel, lediglich ein weiterer junger Mann aus dem eigenen Nachwuchs gehört noch zum Bundesligakader. Eugen Gopko, 20, hat allerdings diese Saison noch kein einziges Erstligaspiel absolviert. Ein zweiter, Petar Sliskovic, wurde vor der Saison an den FC St. Pauli ausgeliehen. „Aber wir haben ja auch erst vor sechs, sieben Jahren begonnen, in die Jugendarbeit zu investieren“, erklärt Heidel, „es ist vieles schneller gegangen, als wir uns das vorgestellt hatten.“ In der kommenden Saison dürfte U-19-Nationalspieler Shawn Parker in Tuchels Kader aufrücken. Der 18-Jährige, dessen kleiner Bruder Devante auch bei Mainz 05 und in der Jugend-Nationalmannschaft (U16) spielt, hat sich im U-23-Regionalligateam einen Stammplatz erkämpft. „Wir planen ganz fest mit ihm“, sagt Heidel, „und in den nächsten zwei, drei Jahren kommt da noch einiges mehr nach bei uns.“
Bis zu 14 Junioren-Nationalspieler hat Mainz 05 in dieser Saison schon an den DFB abgestellt, allein neun Mainzer Talente waren im Sommer zu Lehrgängen der deutschen U16 eingeladen, immerhin fünf sind immer noch regelmäßig im Kader von Steffen Freund. Der Beste: Patrick Pflücke, 15, zu Saisonbeginn von Dynamo Dresden verpflichtet und mitsamt Eltern nach Mainz übergesiedelt. Für den blonden Mittelfeldspieler hat Heidel in einem Jugendtransferportal im Internet schon den Marktwert von 1,5 Millionen Euro entdeckt. „Wir werden den Jungen ganz sorgfältig aufbauen“, sagt der Manager.
Drei-Sterne-Trainingszentrum
„Früher hätten wir vor Freude die Fahnen gehisst, wenn mal nur eines unserer Talente es in eine Junioren-Nationalmannschaft geschafft hätte“, berichtet Heidel, „mittlerweile haben wir von der DFL drei Sterne für unser Nachwuchsleistungszentrum bekommen.“ Trotz der Container und obwohl die A- und B-Jugend ihre Heimspiele jahrelang in Nieder-Olm und Alzey austragen mussten. Zumindest die A-Junioren können nun regelmäßig im alten Bruchwegstadion spielen.
Dort stehen die VIP-Räume in der Haupttribüne leer. Jugend-Koordinator Volker Kersting wird schon bald mit seinen Mitarbeitern übergangsweise dort einziehen. Die Vereins-Geschäftsstelle mit dem Büro von Heidel befindet sich noch über einem Einkaufszentrum auf der dem Stadions gegenüberliegenden Straßenseite. Die Mietverträge enden 2012. Dann wollen die Mainzer dort, wo derzeit noch die alte Stehtribüne steht, ihre Geschäftsstelle bauen. Bis die neue Heimat von Mainz 05 fertig ist, wird es freilich noch Jahre brauchen. Aber schön hört sich die Zukunftsmusik für Heidel schon jetzt an.
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