Ein feines Lächeln huschte über das Gesicht von Thomas Tuchel, als Stale Solbakken einen baldigen Anruf bei seinem Mainzer Kollegen ankündigte. „Ich muss fragen, wie man den FC Bayern schlägt“, erläuterte Solbakken nach dem 1:1 zwischen seinen Kölnern und Tuchels Mainzern, dem am kommenden Freitag ein Gastspiel des FC in München folgt. Tuchel, der drei seiner fünf Begegnungen mit dem Rekordmeister gewonnen hat, durfte sich geschmeichelt fühlen, auch wenn es sich wohl nur um einen dieser kleinen Scherze handelte, die Solbakken so beliebt machen in Köln. Aber der große Respekt des Norwegers vor Tuchels strategischen Fähigkeiten war alles andere als gespielt.
Denn der Mainzer Fußball-Lehrer gehört nach dem Gastspiel in Köln in die Reihe jener Trainer, die das System des Norwegers geknackt haben. Zumindest in der Theorie. „Wir wollten das Spiel hier etwas breiter anlegen“, sagte Tuchel, der ein 4-3-3-System konstruiert hatte, um die Kölner Defensive über die Außenverteidiger zu knacken. Genau das ist dem BVB mit Jürgen Klopp in dieser Saison gelungen, die Wolfsburger haben ähnlich gespielt. Der Mainzer Torwart Christian Wetklo sagte: „Unser Plan ging genau auf, Köln müssen wir abschießen.“
Das Problem war nur, dass die Mainzer mal wieder nur ein einziges Tor erzielten (Allagui, 70.), was Lukas Podolski die Chance ließ, dem Gast mit seinem phänomenalen linken Fuß doch noch zwei Punkte zu klauen (85.).
Im Nachhinein war Tuchel dann auch überhaupt nicht glücklich damit, dass die Mainzer Leistung allenthalben gelobt wurde. Wie so oft in den zurückliegenden Wochen wurde kalkuliert, wo die 05er ständen, wenn sie die Spiele, in denen sie besser waren, auch gewonnen hätten. „Das bringt keinem etwas“, sagte der Trainer, „Wir müssen schauen, dass wir nicht Weltmeister im Tabelleninterpretieren werden.“
Tuchel blickt überaus nüchtern auf diese schwierige Hinrunde, nach der die Mannschaft wohl noch bis in den Frühling hinein vom Abstieg bedroht sein wird. „Wir stehen da, wo wir sind, weil wir Defizite haben“, sagte er, bemängelte die „Abschlusstechnik“ und klagte, dass „die Dinge nicht klar zu Ende gespielt werden“. Auch in Köln erarbeitete sich die Elf wunderbare Gelegenheiten zum Gegenangriff, doch es fehlten Ruhe und die Fähigkeit zur richtigen Entscheidung.
Doch ist der Trend positiv. Fünfmal hintereinander sind die Mainzer ungeschlagen, nimmt man den Pokalsieg in Hannover hinzu, dann hat das Team nur eines der letzten acht Spiele verloren. „Wir sind total stabil, glauben an unsere Spielweise, können die umsetzen, jetzt müssen wir da einfach weiter dranbleiben“, sagte Tuchel und hörte sich doch noch recht zufrieden an.
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