Am Donnerstagmorgen hat der Mainzer Pressechef Tobias Sparwasser den Newsletter kurzfristig überarbeiten müssen. Der Punkt „DFB-Pokal-Viertelfinale“ musste nach dem 0:2 (0:1) beim Regionalligisten Holstein Kiel ersatzlos gestrichen werden. Statt Meister Borussia Dortmund kommt am 7./8. Februar niemand in die neue Mainzer Arena.
Statt rund drei Millionen Euro kommt kein einziger zusätzlicher Cent in die Kasse. Selten hat man 05-Manager Christian Heidel so verärgert gesehen wie Mittwoch dick verpackt im Bauch des Holstein-Stadions:
"Riesiger wirtschaftlicher Verlust"
„Das ist für den Verein ein riesiger wirtschaftlicher Verlust.“ Er habe „einen der bittersten Momente meiner 20-jährigen Tätigkeit“ erlebt. „Die Art und Weise, wie wir verloren haben, geht gar nicht.“
Nur gut, dass die Null-Fünfer wegen des dichten Terminplans ohnehin keine Weihnachtsfeier geplant hatten.
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Es dürfte Fußballlehrer Thomas Tuchel ohnehin einige Mühe gekostet haben, auf der pfiffigen Weihnachtskarte, die der Klub dieser Tage verschickte, lächelnd mit roter Krawatte, einem Päckchen in der linken und einem Stern in der rechten Hand am Baum zu posieren, unter dem in Wahrheit ein Bündel voller Probleme liegt.
Tuchel ist enttäuscht
Denn die indiskutable Leistung in Kiel rundet eine verkorkste Hinrunde nach unten ab, die Mainz 05 nur zwei kümmerliche Punkte vor einem Relegationsplatz (Kaiserslautern) und drei Zähler vor einem Abstiegsplatz (Augsburg) hinter sich lässt.
Den Rahmen bildet das Aus in der Europa-League-Qualifikation Anfang August gegen Gaz Metan Medias, den aktuellen Elften der im europäischen Vergleich drittklassigen rumänischen Liga. Und nun auch noch das Scheitern im Pokal-Achtelfinale bei einem Viertligisten. „Wir hatten zum wiederholten Mal nicht die Fähigkeit, unter Stress unser Niveau abzurufen“, ärgerte sich Tuchel: „Das ist enttäuschend, weil ich dachte, dass wir weiter sind.“
Enttäuschende Zugänge
Das ist eine ebenso ehrliche wie schonungslose Analyse der Vorrunde. Tatsächlich hat vor allem kein einziger der Zugänge konstant das gehalten, was Tuchel und Heidel sich von ihnen versprochen hatten. Yunus Malli (19), Anthony Ujah (21), Eric Maxim Choupo-Moting (22), Mario Gavranovic (22), Julian Baumgartlinger (23), Zoltan Stieber (23), Deniz Yilmaz (23), Nicolai Müller (24) und Fabian Schönheim (24) sind zwar allesamt noch recht junge Kerle.
Um den Anforderungen ihres ambitionierten Trainers gerecht zu werden, müssen sie aber dringend einen Entwicklungssprung hinlegen. Bislang waren allenfalls kleine Entwicklungshüpfer zu registrieren. Auch der einzige Routinier, den die Mainzer im Sommer geholt hatten, hat sich dem Niveau unauffällig angepasst: Der Tscheche Zdenek Pospech (33) hinterließ bislang keine Spur auf der rechten Abwehrseite.
Mainz fehlen die Anführer
Tuchel hat sich in seinen beiden ersten Spieljahren als Cheftrainer einen Ruf als Bessermacher erworben. Unter seiner Anleitung entwickelten sich Niko Bungert, André Schürrle, Lewis Holtby und Jan Kirchhoff von Talenten zu gestandenen Bundesligaprofis.
Seine pädagogischen Fähigkeiten, seine hemmungslose Leidenschaft und rastlose Akribie haben diese Saison jedoch noch nicht so gegriffen, wie er selbst sich das vorgestellt hat. Zudem sind Mittelfeldspieler Eugen Polanski und Torwart Heinz Müller, zwei Anführer der Überflieger-Spielzeit 09/10, in dieser Saison zu ihrem Verdruss ins zweite Glied gerutscht. Mit der Folge, dass es bei Mainz 05 nach der Knieverletzung des besten Spielers und besten Torschützen, Andreas Ivanschitz, keine erkennbaren Anführer mehr gibt.
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