Es war wirklich nicht leicht für Elkin Soto, sich den kurzen Weg von der Kabine zum Parkplatz zu bahnen. Immer wieder stellten sich dem kahlköpfigen Kolumbianer am Samstagabend noch freudetrunkene Anhänger in knallroter Kluft in den Weg, klopften ihm auf die Schulter, verlangten nach einem Autogramm oder einem Foto.
Soto, 29, ein feinfühliger Fußballer, erfüllte die Wünsche bereitwillig mit einem Lächeln im Gesicht. Und machte seine Sympathisanten, die an diesem nasskalten Novemberabend auf den Matchwinner des 1:0-Arbeitssieges gegen den 1. FC Nürnberg gewartet hatten, noch ein bisschen glücklicher. Denn am Bruchweg gibt es im Gegensatz zu den hypermodernen Arenen der Konkurrenz keine Tiefgarage und keine Hinterausgänge, durch die Profis entkommen können - der Fankontakt ist nur ein Unterscheidungsmerkmal eines Klubs, der dieser Tage getrost als Gegenentwurf des FC Bayern durchgehen darf. Während in München gerade demonstriert wird, wie mit maximalen Mitteleinsatz nur Minimales herauskommt, feiert in Mainz das umgekehrte Prinzip fröhliche Urständ.
Der 1. FC Nürnberg wollte sich nach dem Abpfiff nicht mit dem neuerlichen Rückschlag abfinden. Der Grund: Der zu Unrecht wegen Abseits aberkannte Ausgleichstreffer von Peer Kluge (88.) - eine schwere Entscheidung für Schiedsrichter Michael Kempter, der nach Ansicht der TV-Bilder immerhin einräumte: "Es war ein Fehler, leider."
Club-Manager Martin Bader erhob dennoch (zu) schwere Vorwürfe gegen den Unparteiischen: "Das ist ja nicht das erste Mal, dass wir um ein überlebenswichtiges Tor gebracht worden sind. Das geht permanent so. Die Unparteiischen sollten sich mal überlegen, was sie damit anrichten. Wir werden uns dagegen mit allem wehren, was wir haben. " (hel)
Mit einem Gesamtetat, der ungefähr der Ablöse eines Arjen Robben entspricht, steht der Aufsteiger mit 21 Zählern auf Platz sechs - einen Punkt vor dem Rekordmeister. "Für die Stadt und für die Mannschaft ist das ein Moment großer Freude", sagte Soto, der als "Mini-Zé-Roberto" titulierte Mittelfeldmann, der mit einem abgefälschten Linksschuss nach Doppelfehler des später mit Verdacht auf Jochbeinbruch ausgewechselten Pechvogels Dennis Diekmeier den fünften Heimsieg in Serie besorgte.
Nicht mal unter Jürgen Klopp waren die Rheinhessen zu diesem Zeitpunkt so gut platziert. Während Trainer Thomas Tuchel den Stolz darüber lieber nach innen kehrte ("Dieser dreckige Sieg tut uns gut und gibt uns noch mehr Klebstoff"), hielt Präsident Harald Strutz die Zeit für gekommen, ein paar Botschaften nach außen zu senden. Der FSV-Boss ist nämlich das tägliche Palaver um den FC Bayern leid. "Es ist mir zwar scheißegal, dass wir in der Tabelle vor Bayern stehen, aber vielleicht nimmt mal langsam jemand wahr, dass es noch andere Vereine außer den Bayern gibt.
Was wir bisher geleistet haben, hat uns doch niemand zugetraut. Das kann man auch mal wertschätzen." Die penetranten Endlosschleifen um das Ballyhoo an der Säbener Straße langweilen das DFL-Vorstandsmitglied Strutz, "die Liga hat so viele Facetten und eine wunderschöne ist der FSV Mainz 05."
Wohl wahr. Ein Jungtrainer mit klarem Plan und einem lernwilliger Kader, der sich gar nicht mal am Ende seiner Möglichkeiten wähnt. "Wir haben fußballerisch was drauf - und dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen", glaubt Andreas Ivanschitz. Und Heinz Müller, der Klassekeeper, sagt, dass "wir uns die Erfolge jeden Tag im Training hart erarbeiten - und damit hören wir nicht auf." So schwant selbst "Club"-Trainer Michael Oenning: "Mainz, macht weiter so, wer weiß, wo es euch noch hinführt." Torwart Müller hat über den Fall der Fälle schon mal nachgedacht: "Wenn wir am Ende der Saison auch noch so weit oben stehen, machen wir ein Fass auf." Mit den Fans natürlich.
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